22.11.2019 - 17:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Seitensprung von Kolleginnen erpresst

Die Frau soll 50.000 Euro zahlen, um zu verhindern, dass ihr Gemahl von einem außerehelichen Verhältnis erfährt. Das tut sie aber nicht und geht zur Polizei. Ein delikater Kriminalfall.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Rückblende: Im Spätherbst 2018 fand eine 44-Jährige etwas in ihrem Briefkasten, das sie nach eigenen Angaben schockierte. Zum Vorschein kam ein Schreiben, in dem sinngemäß stand, sie möge tunlichst 50 000 Euro zahlen. Denn ansonsten würde ihr Mann kompromittierende Fotos von einem außerehelichen Verhältnis "unter dem Christbaum" finden.

Einst beste Freundinnen

Geld gab es nicht. Stattdessen ging die Frau zur Kripo, erstattete Anzeige wegen Erpressung und löste Ermittlungen aus, die zu zwei Berufskolleginnen führten. Beide saßen im August vor einer Amtsrichterin. Dort wurden völlig unterschiedliche Angaben der einst besten Freundinnen ins Protokoll geschrieben. Die eine (58) gab zu, das Erpresserschreiben auf ihrem Computer verfasst und ausgedruckt zu haben. "Weil ich dumm war", ließ sie erkennen und fügte hinzu, dass die gleich neben ihr sitzende Kollegin ("Ich habe halt gemacht, was sie wollte") als Triebfeder und Anstifterin fungiert habe. "Niemals", bestritt die als Haupttäterin verdächtige 39-Jährige und blieb dabei: "Ich hatte mit der ganzen Sache nichts zu tun." Die Richterin sprach beide schuldig. Sie verhängte Freiheitsstrafen mit Bewährung und setzte Geldauflagen hinzu.

Fall neu aufgerollt

Die 58-Jährige akzeptierte das Urteil. So musste sie nun als Zeugin bei einem Verfahren in gleicher Sache vor der 3. Strafkammer des Landgerichts auftreten. Denn ihre damalige Mitangeklagte hatte ebenso Berufung eingelegt wie die Staatsanwaltschaft. Mit der Folge: Die versuchte Erpressung mit all ihren Begleitumständen musste abermals aufgerollt werden.

Auf ein Neues also. Die mutmaßliche Drahtzieherin, der man Neid und Missgunst aufgrund einer finanziell guten Situation der 44-Jährigen unterstellte, ließ dem Vorsitzenden Richter Peter Hollweck wissen: "Ich hatte zu keiner Zeit etwas mit diesem Brief zu tun." Massiv unterstützt dabei von ihrem Anwalt Jürgen Mühl, der ins Gedächtnis rief: "Die 50 000 Euro hätten in einem Schuhkarton am Carport meiner Mandantin deponiert werden sollen. Wer macht denn als Täter so etwas?" Und außerdem: "Sie hatte nie kompromittierende Bilder."

Auch in diesem Prozess wurde intensiv nachgebohrt und zu delikaten Begebenheiten näher geforscht. Dabei stand letztlich fest: Die mit dem Erpresserbrief konfrontierte 44-Jährige hatte sich ihrem Ehemann offenbart. Im Hinblick auf den von ihr geschriebenen Brief war auch der inzwischen rechtskräftig verurteilten 58-Jährigen nichts anderes übrig geblieben. Sie beichtete die Sache ihrem Partner. Der wurde nun als Zeuge zum Gericht geholt und erinnerte sich, dass die alles abstreitende 39-Jährige irgendwann bei ihm in der Wohnung auftauchte und zu seiner Frau sagte: "Es konnte ja keiner ahnen, dass die zur Polizei geht."

Acht Monate auf Bewährung

Mehrere Stunden vernahm Richter Hollweck Zeugen. Dann hatte er ein Mosaik zusammengesetzt, das ihn zu einem Ratschlag an die Angeklagte brachte: "Nehmen Sie die Berufung zurück, denn es könnte hier eine noch höhere Strafe geben." Das tat Rechtsanwalt Jürgen Mühl im Auftrag seiner Mandantin. Damit war das Ersturteil von acht Monaten Haft mit Bewährung samt 3000 Euro Geldauflage bestätigt.

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