31.08.2020 - 15:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Sensen und Dengeln für die ökologische Wiesenpflege

Diese Wiese mit einer Sense richtig zu schneiden, will gelernt sein. Ludwig Wiedenhofer gibt seine Tipps und Tricks gerne bei einem Kurs weiter.

von Öko-Modellregion Barbara StröllProfil

Ludwig Wiedenhofer hat die Arbeit mit der Sense schon als Oberpfälzer Bauernjunge gelernt und inzwischen viele Jahre Erfahrung in der Ausbildung von Neueinsteigern. Der pensionierte Beamte ist Mitglied beim Bund Naturschutz (BN) und hat irgendwann bei einer Biotop-Pflegemaßnahme den engagierten ehrenamtlichen BN-Mitgliedern beim Mähen zugeschaut. Da hat er festgestellt: Sie brauchen Anleitung. So fing es an mit den Sensenkursen, die Ludwig Wiedenhofer nun seit 20 Jahren ehrenamtlich für den Bund Naturschutz anbietet.

Heuer hatte die BN-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach mit dem Landschaftspflegeverband im Zuge der Öko-Modellregion zum Sensenkurs geladen. Das Interesse war so groß, dass ein zweiter Kurs organisiert werden musste. Insgesamt kamen 30 Wiesenpfleger zu den Kursen in Ortlesbrunn und Schmidtstadt.

Die Kurse beginnen mit einer Vorstellungsrunde: Einige Teilnehmer möchten ihren Rasen zur Blumenwiese pflegen, andere ihre Streuobstwiese mit der Sense mähen. Eine Familie hat drei hungrige Meerschweinchen mit Heu zu versorgen und möchte das Gras traditionell mit der Hand mähen. Viele haben eigene, alte Sensen dabei, die der Vater, die Mutter oder die Großeltern noch benutzt haben. Auch aufwendig in Handarbeit hergestellte alte Holzsensen sind dabei.

Ludwig Wiedenhofer prüft die mitgebrachten Sensen auf ihre Brauchbarkeit und gibt den Teilnehmern Tipps für die Beschaffung von gutem Werkzeug. Wichtig sind ein gutes Sensenblatt und ein Stiel, den man richtig auf die Körpergröße einstellen kann. Jedenfalls: "An Kumpf mit Wasser und an Wetzstoa muss man immer dabeihaben", erklärt Wiedenhofer, denn Wetzen müsse man die Sense beim Mähen etwa alle fünf Minuten mit dem angefeuchteten Wetzstein. Der Sensenlehrer warnt: "Nicht umananderschaun beim Wetzn! Da kann nebndran a Flugzeug abstürzn. Du schaust hie auf das Sensenblatt und den Wetzstoa und sonst nirgends!"

Tatsächlich kann man sich schnell schwer verletzen, wenn man dem scharfen Sensenblatt mit der Hand zu nahe kommt. Wiedenhofer empfiehlt daher einen Wetzstein mit Schnittschutz. Nach der theoretischen Einführung und Vorführung der richtigen Haltung beim Mähen probieren es die Teilnehmer selbst. Klaus Hofmann und Familie Felix-Dötsch haben jeweils eine Wiese für die Sensenmahd zur Verfügung gestellt. Am besten lässt sich das Gras am frühen Morgen schneiden, wenn es noch richtig im Saft steht. Nach der Mahd geht es dann ans Dengeln: "Dengeln heißt: Wir schmieden das Sensenblatt kalt. Man muss die Sense nach etwa zehn Arbeitsstunden neu dengeln. Das dauert etwa 30 Minuten", erklärt Wiedenhofer und führt das Dengeln auf einem Dengelbock mit Hammer und Amboss vor.

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Wer sich einen Dengelbock anschaffen oder vom Schreiner machen lassen möchte, sollte darauf achten, dass die Oberfläche vom Amboss auf gleicher Höhe ist wie die eigenen Knie. Nur dann kann das Sensenblatt richtig aufliegen und gut bearbeitet werden. Auch das Dengeln probieren alle Teilnehmer aus. Zum Abschluss überreicht Ludwig Wiedenhofer augenzwinkernd allen Teilnehmenden ein Zertifikat, welches sie von nun an berechtigt, den Titel "Sensenmann" oder "Sensenfrau" zu führen.

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