24.10.2018 - 10:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Sicherheitswacht: Mit offenen Augen durch Amberg

Er möchte etwas für die Gemeinschaft tun: Karlheinz Gampel geht regelmäßig als Ehrenamtlicher der Sicherheitswacht durch die Stadt. Mit seiner Uniform sieht er fast aus wie ein Polizist. "Ein Hilfssheriff bin ich aber nicht."

von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Mindestens zweimal in der Woche für etwa zwei Stunden streift sich der 70-Jährige aus Amberg die Uniform der Sicherheitswacht über. In den Taschen stecken eine Taschenlampe, ein Pfefferspray, Einweg-Handschuhe sowie ein Funkgerät. An der Brust baumelt ein Sicherheitswacht-Ausweis mit seinem Bild und Namen. Auch an diesem Nachmittag dreht der rüstige Rentner mit dem flotten Schritt und dem stets nach oben zeigenden Mundwinkeln seine Runden.

Gampel macht das seit 15 Jahren. „Weil jeder doch einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten soll.“ Fast 30 Jahre hat er auch beim Stadtjugendring mitgemischt. Seine ehrenamtliche Arbeit macht er deshalb so gerne, weil er es ordentlich und sicher mag. „Mich regt es wirklich auf, wenn Betrunkene ihre Wodkaflaschen stehen lassen. Vor allem wenn dann noch Scherben im Sand des Spielplatzes liegen.“

Besonders wütend wird er, wenn ein Mülleimer nur wenige Meter daneben steht. „Werft doch einfach euer Zeug richtig weg“, will er dann sagen. An diesem sonnigen Herbstnachmittag kommen ihm viele Spaziergänger im Landesgartenschaugelände entgegen. Ihnen fällt bestimmt nicht der neue Aufkleber an der Straßenlaterne auf, genauso wenig wie das Spruchband auf dem Schild des Kurfürstenbads. „Ich gehe mit offenen und aufmerksamen Augen spazieren“, sagt Gampel. Sogleich zückt er wieder sein Taschenmesser und kratzt an einem hartnäckigen, blauen Aufkleber aus Papier. „Bei politisch motivierten Aussagen rufe ich die Polizei.“

Weiter geht es durch den Stadtgraben. Vorbildlich kommt eine Hundebesitzerin vorbei, die ihren Vierbeiner an der Leine führt. „Die städtischen Satzungen müssen eingehalten werden“, sagt Gampel. Oft reiche dafür ein freundliches Wort. „Reden hilft immer.“ Bei Jugendlichen sei es wichtig, vor allem den Wortführer anzusprechen. „Jetzt bist du still“, sagt er dann mit Druck in der Stimme. Eher selten droht er damit, eine Polizeistreife mit dem Funkgerät zu holen. „Auf keinen Fall sollte man in einer Situation provozieren. Ich beobachte, halte mich erst einmal fern.“ Doch er will auch nahbar sein für die Bürger, die in der Stadt unterwegs sind.

Kürzlich hat er schnell reagiert, als eine Seniorin mit ihrem Rollator den Kaiser-Ludwig-Ring überqueren wollte. „Sie hat einen orientierungslosen Eindruck gemacht.“ Er kam der Frau rennend entgegen, um sie von der gefährlichen Aktion abzuhalten. „Oder neulich habe ich einen Betrunkenen nach Hause begleitet.“ In all den Jahren hat Gampel viele, sehr unterschiedliche Menschen kennengelernt. Auch das mag er an seinem Ehrenamt. „Das ist eine gute Sache.“

Gampel fertigt nach jedem Spaziergang einen kurzen Bericht an. Manchmal schreibt er hinein, dass er an der Vils wieder ein Fahrrad entdeckt hat, unter einer Brücke erneut Matratzen liegen oder dass im Stadtgraben wieder randaliert wurde. „Es reicht oft schon: Da ist regelmäßig jemand da und schaut nach dem Rechten.“ Genau das ist es, was die Amberger Polizei von der Sicherheitswacht erwartet: „Die Ehrenamtlichen sind keine Hilfspolizei“, macht deren Sprecher Achim Kuchenbecker deutlich. „Sie sollen für Bürger da sein und mit der Uniform Sicherheit ausstrahlen. Allein, dass die Ehrenamtlichen sichtbar sind im Stadtbild, schreckt möglicherweise ab.“ Eine Zeitlang seien viele Fahrräder am Bahnhof gestohlen worden. „Im Moment werden uns keine Diebstähle gemeldet.“ Kuchenbecker kann sich vorstellen, dass das auch damit zusammenhängt, weil die Sicherheitswacht-Leute dort regelmäßig vorbeischauen.

Polizei sucht Bewerber:

Die bayerische Staatsregierung möchte die Ehrenamtlichen, die in der Sicherheitswacht tätig sind, auf 1500 Mitglieder aufstocken. In Amberg sind derzeit fünf Frauen und ein Mann regelmäßig in der Stadt und Peripherie unterwegs. Laut Polizeisprecher Achim Kuchenbecker sollen es in Zukunft zwischen 12 und 14 Freiwillige sein. Daher ruft er Interessierte auf, sich bei der Polizeiinspektion zu melden. Die Beamten wählen geeignete Kandidaten aus, die nach einem 40-stündigen Unterricht, in dem es größtenteils um rechtliche Grundlagen geht, regelmäßige Spaziergänge durch bestimmte städtische Bereiche unternehmen. Dabei stellt Kuchenbecker klar: "Die Sicherheitswacht ist keine Hilfspolizei." Gesucht sind Personen ab 18 Jahren, die gerne für Mitbürger da sind und allein durch ihre Präsenz in Uniform Straßenkriminalität und Vandalismus entgegenwirken.

Ehrungen:

240 Stunden war Karlheinz Gampel allein im vergangenen Jahr für die Sicherheit Ambergs unterwegs. Seit 15 Jahren ist er Mitglied der Sicherheitswacht: So einen wie ihn müsse man eigentlich klonen, sagte etwas salopp Oberbürgermeister Michael Cerny, als er dem 70-Jährigen für sein Engagement ausdrücklich dankte. Die beiden Polizisten Wolfgang Schüler und Achim Kuchenbecker überreichten dem „Fleißigsten“ unter den Mitgliedern der Sicherheitswacht eine Urkunde mit Dank und Anerkennung des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann. „Dank Karlheinz Gampel haben wir etliche Hinweise auf Straftaten bekommen.“

Cerny ließ es sich nicht nehmen, auch Gampels Kolleginnen zu danken: Verena Schmidt (seit 2012), Beate Pirner (seit 2010) und Christine Tigges (seit 2007) „engagieren sich regelmäßig für die Stadtgemeinschaft. Man kann das gar nicht hoch genug schätzen.“

Das Stadtoberhaupt könne sich noch gut erinnern, als der Stadtrat 1997 den Beschluss fasste, eine Sicherheitswacht zu installieren. „Damals befürchteten viele, dass das ein Sparprogramm ist, um die Polizei abzuschaffen. Unausgebildete Bürger sind wie kleine Sheriffs mit Waffe in der Stadt unterwegs. Das ist nicht so. Es hat sich herausgestellt, dass das Konzept richtig ist.“ Die Sicherheitswacht habe sich bewährt, ist der stellvertretende Dienststellenleiter Schüler überzeugt. „Wichtig ist auch, dass wir als Polizei immer im Austausch zwischen der Stadt und den Bürgern stehen.“

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