29.06.2020 - 10:16 Uhr
AmbergOberpfalz

"So ein Bergfest wie in Amberg findet man nirgendwo anders"

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Für Pater Seraphin, Chef des Franziskanerklosters auf dem Mariahilfberg in Amberg, war die Absage des Bergfestes wegen Corona ein Schock. Doch noch viel mehr traf ihn die Einschränkung, nicht mehr mit Gläubigen Gottesdienste zu feiern.

Zum Interview "Auf a Mass am Berg" trafen wir uns mit Pater Seraphin Bartosz Broniowski, Guardian und Rektor der Kirche. Die Mass-Krüge und Bierflaschen sind in diesem Fall übrigens nur Deko. Pater Seraphin trinkt keinen Alkohol.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Vor 32 Jahren wurde Bartosz Broniowski in Krakau in Polen geboren. Dort wuchs er auf, ging zur Schule, studierte und wollte Priester werden. Er schloss sich den Franziskanern an. Sein Orden mit dem Namen "Polnische Franziskaner der Mutter Gottes von den Engeln" schickte ihn gleich nach der Weihe, im Alter von 26 Jahren, auf den Mariahilfberg nach Amberg. Das war vor sechs Jahren. Heute ist Pater Seraphin Broniowski Guardian des Klosters und seit drei Jahren der federführende Kopf bei der Organisation des Bergfestes von kirchlicher Seite. Das Mariahilfbergfest ist Dreh- und Angelpunkt im Jahreskreis.

ONETZ: Waren Sie erleichtert, als klar war, dass heuer kein Bergfest stattfindet, weil eine arbeitsintensive Woche wegfällt?

Pater Seraphin: Auf keinen Fall. Wir sind gerne bereit, diesen Dienst zu übernehmen. Wir bereiten uns das ganze Jahr für diese eine Woche vor. Wir wissen, wie wichtig das für Amberg und Umgebung ist. Es ist der größte Wallfahrtsort im Bistum Regensburg. Diese Verantwortung tragen wir nicht nur mit Mühe. Das ist etwas ganz besonderes. Wir sind erwählt, um zu dienen.

ONETZ: Also war die Absage eher ein Schock?

Pater Seraphin: Ja. Doch. Zunächst war der Ausbruch der Pandemie natürlich ein Schock. Es war für uns schwierig zu akzeptieren, dass wir keine Gottesdienste in der Öffentlichkeit halten durften. Und als die Beschränkungen dann auch noch über Ostern gingen, da muss ich sagen, habe ich ein bisschen geweint. Wir haben hier ein besonderes Volk, das einen tiefen Glauben hat. Ich weiß, wie schwierig das für alle war. Keine Gottesdienste mit den Gläubigen feiern zu dürfen, war der erste Schock.

ONETZ: Und der zweite?

Pater Seraphin: Als die Nachricht kam, dass das Oktoberfest entfällt, haben wir uns schon gedacht, dass der weltliche Teil des Amberger Bergfestes nicht stattfinden wird. Das war schon auch ein Schock, aber schweren Herzens haben wir es natürlich akzeptiert. Der ganzen Welt geht es nicht gut. Gesundheit und Sicherheit stehen an erster Stelle. Wir sind jetzt dankbar, dass zumindest der kirchliche Teil in eingeschränkter Form stattfinden kann. Aber was soll ich sagen? Es ist halt ein Bergfest in einer schwierigen Zeit.

So ein Bergfest, wie wir es hier haben, mit Steinkrügen und so weiter, das findet man nirgendwo anders. Deswegen ist es ja auch so schade, dass es heuer so ist wie es ist. Ich kann deshalb auch nicht sagen, dass das, was in der Kirche stattfindet, ein würdiger Ersatz ist. Ein großer Teil fehlt trotzdem.

Pater Seraphin Broniowski

Pater Seraphin Broniowski

ONETZ: Ist das kirchliche Programm, das heuer mit begrenzter Anzahl an Gläubigen stattfindet, überhaupt ein würdiger Ersatz?

Pater Seraphin: Ich denke, das Bergfest hat zwei Lungen: die weltliche und die kirchliche. Man atmet immer mit beiden. Sie sind miteinander verbunden. Wir hätten sagen können, ohne das eine findet das andere nicht statt. Aber wir wissen, dass die Leute von weit her kommen. Sie möchten einen Gottesdienst erleben, aber sie freuen sich auch, mit der Familie, mit Freunden, Bekannten im Bierzelt zu sitzen. Ich habe hier so viele Beispiele gefunden wie wichtig Freundschaft, Familie, Schulkameraden oder Nachbarschaft sind. Viele Leute nehmen extra Urlaub. So ein Bergfest, wie wir es hier haben, mit Steinkrügen und so weiter, das findet man nirgendwo anders. Deswegen ist es ja auch so schade, dass es so ist wie es ist. Ich kann deshalb auch nicht sagen, dass das, was heuer stattfindet, ein würdiger Ersatz ist. Ein großer Teil fehlt eben trotzdem.

ONETZ: Das Bergfest steht jedes Jahr unter einem kirchlichen Leitspruch. Braucht man da stets neue Ideen?

Pater Seraphin: Immer. Oft hat es mit einer Intention des Papstes zu tun. Aber es ist auch oft mit dem verbunden, was in der Welt passiert. Wir suchen in der Gemeinschaft nach einer guten Idee.

ONETZ: Was ist entscheidend dafür, dass Sie sagen: Das ist jetzt unser Motto. Das nehmen wir.

Pater Seraphin: Ich denke, dass wir uns manchmal daran erinnern müssen, was wirklich wichtig ist und um was es wirklich beim Glauben geht. Manchmal ist das für alle klar und deutlich. Aber wir vergessen oft, welche Tiefe darin steckt. Heuer haben wir das Thema "Gott ist die Liebe" gefunden. Wir alle kennen diese Aussage. Aber wir vergessen, was sie bedeutet. In einer Welt, die sich schnell und intensiv dreht, brauchen wir manchmal eine Pause. Die Bergfestwoche ist für das Amberger Volk wie Exerzitien. Man kann im Gottesdienst zur Ruhe kommen, eine gute Predigt hören und darüber nachdenken, um was es wirklich geht im Leben. Deswegen habe ich gedacht, dass dieses Thema für heuer ganz gut wäre.

ONETZ: Das Thema haben Sie bereits vor der Corona-Pandemie ausgesucht?

Pater Seraphin: Ja, es passt gut dazu. Sie kennen vielleicht das Amberger Sprichwort: Nach dem Bergfest ist vor dem Bergfest. Wenn der Abschlussgottesdienst vorbei ist und wir nach dieser intensiven Woche endlich wieder zum Luftholen kommen, denken wir schon daran, was wir nächstes Jahr machen könnten. Im Gespräch mit Mitbrüdern und der Kirchenverwaltung geht es auch gleich darum, was wir verbessern oder anders machen können. Und da kommen schon die ersten Gedanken. Daraus entsteht der goldene Kern.

ONETZ: Weil Sie das Bergfest mit Exerzitien verglichen haben: Gerade die Zeit des Lockdowns war ja eine Phase im Leben vieler Menschen, in der sie sich reflektieren konnten. Das Thema "Gott ist die Liebe" passt dazu ziemlich gut. War das Vorhersehung?

Pater Seraphin: Die Themenfindung kommt nicht nur von uns selbst, sondern immer auch im Gebet. Wir treffen uns oft als Gemeinschaft in der Hauskapelle zur Meditation und dort können wir alle unsere Sorgen und Anliegen vor Gott bringen. Ohne göttlichen Impuls finden wir kein gutes Thema. Es ist nicht nur von uns selbst, sondern auch von Gott gekommen.

ONETZ: Sind Sie persönlich eigentlich ein Bergfest-Gänger?

Pater Seraphin: Wir probieren, mindestens jede Brauerei einmal in der Woche zu besuchen. Unsere Lieferanten sind uns wichtig. Aber jeder ist abends natürlich müde, weil wir täglich um 6 Uhr oder noch früher aufstehen müssen. Aber ich weiß, dass es auch wichtig ist, uns in Kutte hier auf dem Berg zu zeigen. Die Leute sehen, dass die Franziskaner da sind und hier wohnen. Die Berg-Gemeinschaft lebt, nicht nur während der Bergfestzeit. Wir sind auch Teil der weltlichen Seite.

ONETZ: Wann ist Ihre Zeit für diese Besuche?

Pater Seraphin: Normalerweise am Abend, wenn alles fertig und sauber ist für den nächsten Tag. Wir kommen oft erst kurz vor 22 Uhr. Außer wir haben nachmittags frei, dann machen wir auch da die Runde. Wir finden das immer toll, wenn wir auch nur ein paar Minuten ein freundliches Gespräch erleben dürfen. Für ein Lächeln machen wir das gern. Das ist gar nicht so bekannt, aber nach jedem Bergfest organisieren wir eine Messe nur für Fieranten. Daraus ergibt sich eine gute Beziehung zueinander.

ONETZ: Bergfest ist für Amberger die Zeit der Heimatbesuche. Vermissen Sie Ihre Heimat?

Pater Seraphin: Ich habe Heimweh. Das ist klar. Aber es ist wichtig, dass ich mache, wozu meine Oberen mich entsenden. Christus hat gesagt: Geht und verkündet. Und diesen Satz nehme ich mir zu Herzen. Wenn wir hier gebraucht werden, dann finde ich das toll und sehr wichtig, dass wir hier eine gute Arbeit für das Bistum und besonders für alle Gläubigen leisten.

ONETZ: Wollten Sie gerne ins Ausland, oder musste man Sie davon erst überzeugen?

Pater Seraphin: Das größte Fundament unseres Ordens, allgemein in der katholischen Kirche, ist Gehorsam. Das ist für mich wichtig. Als Diakon war ich in Bonn. Dort hatte ich im franziskanischen Missionszentrum einen Sprachkurs gemacht. Jeden Tag sechs Stunden Deutsch. Mit Pater Provinzial habe ich mich vor der Priesterweihe kurz getroffen und ihm gesagt: Wohin er mich sendet, dahin gehe ich. Deshalb habe ich die Entscheidung akzeptiert.

Zum Interview "Auf a Mass am Berg" trafen wir uns mit Pater Seraphin Bartosz Broniowski, Guardian und Rektor der Kirche.

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