(anv) An diesem Abend war alles anders. Die Zuschauer saßen auf der Bühne, die Vortragenden vor ihnen. Nicht die Journalisten stellten die Fragen, sondern das Publikum. "Danke, dass wir bei Ihnen zu Gast sein dürfen", sagte Sebastian Beck, stellvertretender Ressortleiter München/Region Bayern. Kein Moderator, der ihn oder seine Kollegen Katja Auer und Wolfgang Wittl begrüßte. Verdrehte Welt im Stadttheater.
Ein bierernster Söder
Genau dieser Charakter hat am Montagabend aber zu einer angeregten Diskussionsrunde geführt. Mal zwischen Redakteuren und Publikum, mal nur auf der Bühne. In drei Etappen lasen die Journalisten kurze Texte, die sie in den vergangenen Monaten verfasst haben. Darunter Kommentare, Essays und Berichte - oft mit einem süffisanten Unterton. Wolfgang Wittl begann mit der ersten Lesung und einer Geschichte über Markus Söder. "Die ist aber net bierernst - auch wenn's um Bier geht", warnte er. Eigentlich trinke der Ministerpräsident nur Wasser. Bei einem Vereinsjubiläum in einem vollen Bierzelt mit potenziellen Wählern fragte er aber ins Mikrofon, ob er nicht "was Gscheids" haben könne. Schon wurde das Wasser durch eine Mass ersetzt. Söder prostete ins Publikum und erntete dafür Zuspruch. Schade ums Bier, denn Söder nippte einmal und ließ es stehen. Die Sympathie der Zuhörer aber hatte er.
Nach jedem Leseblock war das Publikum dran. Eine der Fragen, die immer wieder aufkam: Wie sollen Berichterstatter mit der AfD umgehen? Die Zuschauer waren gespaltener Meinung. Da gab es die, die sich wünschten, diese Partei komplett rauszuhalten, also auch nicht über Gegendemonstrationen zu berichten, da im Artikel die AfD erwähnt würde. Und dann gab es die, die sich mehr inhaltliche Auseinandersetzung wünschten, so dass jeder verstehen würde, was das wahre Ziel der AfD sei. Die Vertreter der Süddeutschen hatten eine klare Antwort: "Ich halte es für einen Fehler, die AfD totzuschweigen", sagte Sebastian Beck. Die Zeitung als Medium sei nur ein Bruchteil der existierenden Öffentlichkeit, und die Bühne der AfD sei ohnehin das Internet. Nicht zu berichten, sei sinnlos, da die Partei die Menschen trotzdem erreiche.
Tatsächlich beschäftigte die AfD die Gäste am meisten. Doch sie interessierten sich auch für den Umgang mit Fake News, warum der Bayernteil der SZ geschrumpft sei und wer die Korrekturseite bestückt. Auer: "Oft bemerken wir es selbst am nächsten Tag. Aber oft schreiben uns auch Leser. Das ist natürlich sehr nett." Beck fügte hinzu: "Und anstrengend."
Tapfer durchgehalten
Mit lockerem Schwank aus dem Alltag würzten die Journalisten das ernste Thema Politik. Vom Handwerker, der Beck fragte, von wem er jeden Tag seine Meinung diktiert bekomme - Antwort: Nein, Frau Merkel rufe nicht morgens an, um die Themen vorzugeben - bis zur Mama von Beck, die für eine Schwarz-Grüne Koalition wäre, aber damit schon fast die Einzige in Bayern sei. Am Ende sind beide Seiten beeindruckt: die Zuschauer von den Antworten, Beck, dass "wir schon eine halbe Stunde nicht mehr über die AfD gesprochen haben", und seine Kollegen, dass über zwei Stunden eine gute Diskussion zustande gekommen ist.
Sebastian Beck war nicht zum ersten Mal in Amberg. Er hatte die Vilsstadt schon zuvor mit seinem Sohn besucht. Krampfhaft war er auf der Suche nach einem Friseur und etwas zum Essen für den Bub. Er hatte Glück und traf einen netten Friseur, der gleich beiden einen neuen Schnitt verpasste und auch noch eine Restaurantempfehlung gab. Er schloss den Abend mit den Worten: "Amberg ist einfach eine ganz normale Stadt. Und des gfallt ma so."













Die "Bierscene" ist symptomatisch für Söder, Seehofer und die CSU. Beispiel: Zurückweisung der Flüchtlinge an der Grenze. Der ganze Streit wegen zwei Flüchtlinge im Monat (off. Zahlen aus dem Innenministerium). Der Eindruck und die Schlagzeile ist wichtiger als die Lösung der realen Probleme.
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