27.01.2021 - 13:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Soldaten im Corona-Einsatz im Pflegeheim

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Helfende Hände. Treffender könnte man die Unterstützung der Bundeswehr in der Pandemie in staatlichen Stellen und Pflegeeinrichtungen nicht beschreiben. Im Caritashaus St. Barbara in Sulzbach-Rosenberg geht nun ein Soldateneinsatz zu Ende.

Edith Schuhmann (links) ist mit 103 Jahren die älteste Bewohnerin im Caritasheim St. Barbara in Sulzbach-Rosenberg. Sie hatte dem "Ersatz-Pfleger", Hauptfeldwebel der Bundeswehr Marcus Raab, einiges zu erzählen.
von Hans BernreutherProfil

Im Landkreis Amberg-Sulzbach waren in den vergangenen Monaten Seniorenheime von den Auswirkungen der Coronapandemie stark betroffen. Im Caritashaus St. Barbara in Sulzbach-Rosenberg wurden am 13. November 2020 die ersten Infektionen bestätigt. Neben zahlreichen Bewohnern traf es besonders heftig auch Mitarbeiter des Hauses. Fast die Hälfte von ihnen steckte sich an. Bei leichteren Fällen waren sie 14 Tage in häuslicher Quarantäne, in schwereren sechs Wochen arbeitsunfähig. Es drohte ein Pflegenotstand.

Leiterin Marina Fink versuchte, Ersatz bei Zeitarbeitsfirmen und dem Caritas-Dachverband zu bekommen. Ihre Bemühungen blieben erfolglos. Der rettende Vorschlag kam dann vom Landratsamt Amberg-Sulzbach. Sie solle einen Antrag auf Unterstützung durch die Bundeswehr stellen, erklärte Fink heute. Rasch und unbürokratisch kamen wenige Tage später am 8. Dezember zehn neue "Pfleger" aus der Kaserne nach Sulzbach-Rosenberg. Die Tätigkeiten, die von ihnen geleistet werden dürfen, sind aus rechtlichen Gründen genau festgelegt: Es handelt sich nicht um Pflege, sondern um Fahrtätigkeiten, Ausgabe von Getränken und Speisen sowie Geschirrrücknahme, Bettmachen und Wäsche verteilen.

Soldaten erleben auch Tod

Besonders geschätzt waren die Soldaten, weil sie während des geltenden Besuchsverbots Hilfe gaben, Kontakt mit Angehörigen am Telefon oder über Videoanruf herzustellen. Eine starke und stützende Hand der Soldaten für einen Spaziergang in der Anlage wurde natürlich auch gern angenommen. Aber auch die Begegnung mit dem Tod gehörte zum Alltag der jungen Soldaten. Da die Angehörigen eines Verstorbenen das Haus wegen der bestehenden Pandemievorschriften nicht betreten durften, übernahmen die Soldaten die Räumung der Zimmer und das Verpacken der persönlichen Sachen.

Bundeswehrsoldaten helfen in der Coronapandemie

Amberg

Die acht Soldaten und zwei Soldatinnen stellte größtenteils die 1. Kompanie des Logistikbataillons 472 aus der Kümmersbrucker Schweppermannkaserne. Ihre Dienstzeit im Caritashaus ging offiziell montags bis freitags von 8 Uhr bis 17.30 Uhr. Übers Wochenende, die Weihnachtsfeiertage und zum Jahreswechsel leisteten sie teilweise freiwillig Dienst. „Wenn ich hier schon eingesetzt bin, hört für mich der Dienst am Wochenende nicht auf“, sagte Oberstabsgefreite Jeremy Reed.

Da das Stammpersonal nach Ablauf der Quarantäne und nach der Genesung mittlerweile wieder an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt ist, endete die Dienstzeit für fast alle Soldaten im Caritashaus am 15. Januar. Ein Soldat bleibt noch vier Wochen im Heim.

Mit Wehmut sahen etliche der 120 Bewohner dem Abzug der Soldaten entgegen. Blieb doch dem jungen „Aushilfspersonal“ meist etwas Zeit zu einem Plausch mit ihnen oder für gemeinsame Brettspiele. So hörte Hauptfeldwebel Marcus Raab interessiert den Erzählungen von Edith Schuhmann, der mit 103 Jahren ältesten Bewohnerin, zu. Sie hatte vor kurzem eine Infektion mit Corona ohne erkennbare Symptome überstanden. Oft hörten die Soldaten in den letzten Tagen den Satz: "Was, Sie gehen schon wieder? Schade, dass ihr nicht mehr da seid.“

"Sehr dankbar für Hilfe"

Mit ihrem Einsatz im Seniorenheim St. Barbara haben die Soldaten völliges Neuland betreten. Der Umgang mit den teilweise körperlich oder geistig eingeschränkten alten Menschen war für sie bisher weder alltäglich noch selbstverständlich.

Bei der Verabschiedung bescheinigte Fink den Soldaten: „Wir sind sehr dankbar, dass es so gut lief. Sie haben viele Koordinations- und Organisationstätigkeiten übernommen und uns ganz toll unterstützt. Mit Ihrer Hilfe haben wir die Krise gut überstanden.“ Hauptfeldwebel Raab betonte die unkomplizierte und reibungslose Zusammenarbeit zwischen Soldaten und dem zivilen Personal.

Oberstleutnant Sebastian Erbe, Kommandeur des Logistikbataillons 472, erklärt, dass sich „aktuell rund ein Viertel unserer Soldaten in der Amtshilfe zur Bekämpfung der Coronapandemie befinden". Dabei werden zwölf Einrichtungen in ganz Bayern unterstützt.

Hintergrund:

Bisher gingen bei der Bundeswehr deutschlandweit rund 3000 Amtshilfeanträge aus allen Bundesländern ein, mehr als 2400 wurden genehmigt. Allein in Bayern ist die Bundeswehr an über 130 Stellen eingesetzt.

Etwa 12.000 Soldaten verrichten derzeit im Zuge der Amtshilfe ihren Dienst.

Einsatzbereiche sind Gesundheitsämter zur Nachverfolgung von Infektionsketten und Abstrichentnahmen, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Impfzentren.

Die Bundeswehr leistet gemäß Artikel 35 Absatz 1 Grundgesetz nur Amtshilfe nach dem Prinzip der Subsidiarität. Das heißt: Sie darf öffentlich-rechtliche Aufgaben nur dann wahrnehmen, wenn die zuständige Behörde nicht schneller oder besser helfen kann. Bei der Übernahme der Aufgaben darf die Bundeswehr nicht in Konkurrenz zur Wirtschaft treten.

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