13.07.2020 - 15:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Spray-Attacke auf Nazi-Gegner

Für Winni Rudrof eindeutig "eine politische Tat": An seinem Lupo und dem VW-Bus einer Freundin haben sich in der Amberger Altstadt Sprayer zu schaffen gemacht. Die Schmierereien deuten auf die rechte Szene hin.

In der Nacht auf Montag ist der Lupo von Winni Rudrof mit Spraydosen verunstaltet worden.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Winni Rudrof ist jemand, den viele in der Region kennen. Der Amberger hat sich vor allem als Winni Wonder in der Musikszene einen Namen gemacht. Er war etwa 18 Jahre lang Frontmann der Band "Mindjuice". Außerdem ist der 44-Jährige nie um eine starke Meinung verlegen. Auch jetzt nicht, nachdem Unbekannte seinen Lupo und den VW-Bus einer Freundin mit Spraydosen besprüht haben.

Winni "Wonder" Rudrof im Interview

Amberg

"Aktion, die echt nervt"

An beiden Fahrzeugen war ein Anti-AfD-Aufkleber angebracht. Vielleicht die Triebfeder für den oder die Täter, die Fahrzeuge zu verunstalten. Für Rudrof eindeutig das Werk von Menschen mit rechtem Gedankengut. "Das war ganz klar politisch motiviert. Das ist eine blöde Aktion, die echt nervt. Ich bin zwar kein extrem Linker, mache mich aber stark gegen Rechts." Das tut der Amberger nach der Tat umso mehr: "Es ist schlimm, dass die Rechten nicht bloß schreien, sondern nun auch solche Dinge geschehen." Zumal Rudrof davon ausgeht, dass es sich um eine geplante Aktion handelte.

Seiner Meinung nach ist es schon sehr unrealistisch, dass irgendwer zufällig so viele Sprühdosen dabei gehabt habe und es gerade auf Fahrzeuge abgesehen habe, die in einer abgelegenen Seitenstraße geparkt waren. Auf dem VW Bus ist unter anderem "Antifant" zu lesen. Wohl eine im rechten Spektrum gängige beleidigende Bezeichnung für Antifaschisten, wie eine Recherche im Internet ergab. Als der oder die Täter an dem Lupo zugange waren, schienen ihm oder ihnen die rechtschreiberischen Fähigkeiten abhanden gekommen zu sein. Denn neben einem Smiley und einer Blume ist auf dem Auto der Schriftzug "Antifanft" angebracht geworden. Eindeutig ein "f" zu viel.

Ex-Sprayer gibt Tipps

Die Tat hat sich in der Nacht auf Montag ereignet. Als Rudrof am Sonntag gegen 22 Uhr nach Hause gekommen war, hatte sich noch niemand an seinem grünen Lupo zu schaffen gemacht. Am Montag erhielt er schließlich gegen 11 Uhr einen Anruf von seinem Nachbarn, der ihn über die Attacke informierte. Auch wenn sich der 44-Jährige über die Schmierereien ärgert, umso mehr freuen ihn nun positive Rückmeldungen. "Ich habe einen unglaublichen Zuspruch aus der Bevölkerung." Ein Ex-Sprayer habe sich bei ihm gemeldet und ihm Tipps gegeben. "Es gibt Graffiti-Entfernungs-Gels. Irgendwie kriegen wir das schon weg", sagt Rudrof. Die Polizei schätzt den Schaden an beiden Fahrzeugen auf rund 5000 Euro. Die Ermittlungen laufen. Wie Rudrof noch verriet, ist in einer Mülltonne nahe des Tatorts eine rote Sprayermaske gefunden worden.

In der Nacht auf Montag haben es Sprayer auf den Lupo von Winni Rudrof abgesehen.
Auch am VW Bus einer Freundin von Winni Rudrof haben sich ein oder mehrere Unbekannte zu schaffen gemacht.
Kommentar:

Mit Gesicht und lauter Stimme gegen Rechts

Beschmierte Fahrzeuge, 5000 Euro Schaden. Das klingt erst einmal nach einer Tat, wie sie in aller Regelmäßigkeit in den Pressemitteilungen der Polizei aufgeführt wird. Allerdings ist die Spray-Attacke in diesem Fall tatsächlich besorgniserregender, als sie auf den ersten Blick erscheint. Der oder die Täter haben es wahrscheinlich wegen ihrer rechten Gesinnung auf das Auto und den Bus mit den Anti-AfD-Aufklebern abgesehen.
Es ist der Rechtsruck der vergangenen Jahre, der einem zu denken gibt. Die AfD ist mittlerweile in allen Landtagen vertreten. Antisemitische Äußerungen und Übergriffe häufen sich bundesweit. Rechtsextreme brüllen nicht nur ihre Parolen hinaus, sondern schreiten zur Tat. Beispiele für Übergriffe gibt es viele. Winni Rudrof macht nach der nächtlichen Spray-Aktion auf sein Auto das einzig Richtige: Er zeigt mutig Gesicht und positioniert sich laut- und meinungsstark gegen Rechts. So wie es jeder Bürger tun muss, dem Freiheit und Demokratie am Herzen liegen.

Christopher Dotzler

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