31.05.2020 - 20:53 Uhr
AmbergOberpfalz

LEO trifft ... Musiker Winni „Wonder“ Rudrof

Er ist ein echtes Amberger Musik-Urgestein. Winni „Wonder“ Rudrof alias DJ Dr. Love alias „Retter der guten Musik“. Im Interview erzählt er von Rap-Versuchen, großen Touren und warum vier Uhr morgens eine kreative Zeit ist.

Winni Rudrof ist ein wahres Multitalent: Musiker, Journalist - und veganer Show-Koch.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Nicht nur mit „Mindjuice“ prägte der heute 44-Jährige die Musikszene über Jahrzehnte. Heute mischt er die Clubs als DJ auf und rockt die Hallen mit seiner neuen Band „Wintermay“. Doch auch abseits der Musik arbeitet der Amberger an so manchem Projekt, wie er erzählt.

ONETZ: Musiker, Social-Media-Magager, Journalist, Event-Koch – an wie vielen Projekten arbeitest du?

Winni Rudrof: Da muss ich ehrlich nachdenken. Es sind so viele. Ich arbeite als PR-Redakteur, veranstalte vegane Kochkurse, habe Aufträge als Social-Media-Experte – und dann ist da natürlich noch die Musik. Aktuell singe ich in drei Bands – den Alternativ-Rockbands „Delicious“ und „The Grunge“ und „Wintermay“, die wir 2018 gegründet haben. Nebenbei lege ich als „DJ Dr. Love“ auf, jedenfalls vor Corona-Zeiten – und kümmere mich mit einer Freundin um die „Bienery“. Das ist eine Amberger Bienenvermietung – unter anderem an Unternehmen.

ONETZ: Wie managest du das alles?

Winni Rudrof: Da ich grundsätzlich absolut verpeilt bin, habe ich viele Notizbücher, Kalender und speichere mir alle Termine in mein Handy ein, das mich dann daran erinnert. Ja, das Konzept funktioniert.

ONETZ: Wie bist du zur Musik gekommen?

Winni Rudrof: Ich habe in der dritten Klasse geschwätzt. Zur Strafe ließ mich mein Lehrer auf den Stuhl steigen und vor der Klasse singen. Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe: Ich drücke anderen gerne etwas rein. Heute schmettere ich dem Publikum etwas von der Bühne entgegen. Die ersten musikalischen Versuche waren Rap. Meine großen Vorbilder: Run DMC und Ice T. Schon da habe ich eigene Texte geschrieben. Dann kam die 9. Klasse. Ich bin sitzengeblieben. Am ersten Schultag saßen drei Jungs mit Slayer-Shirts in der neuen Klasse. Fand ich cool. Ich habe mich in die Musik reingehört – und bin dabeigeblieben.

ONETZ: Erinnerst du dich noch an deine erste Band?

Winni Rudrof: Na klar, die „Space Cakes“. Der Name war Programm. Rock meets Rap. Ich habe gesungen, zwei Jungs gerappt.

ONETZ: Du warst 18 Jahre lang Frontmann der Band "Mindjuice" ...

Winni Rudrof: ... das war eine geile Zeit. Leben konnten wir davon nicht, aber wir haben dafür gebrannt. Wir waren Supportact unter anderem von Emil Bulls und Harmful. New Metal eben. Wir waren europaweit unterwegs. Nach drei Wochen Tour hängst du komplett durch. Die besten Auftritte – die kleinen ClubGigs in Italien oder im Osten.

ONETZ: 2016 habt ihr euch aufgelöst, 2018 mit Teilen der alten Besetzung "Wintermay" gegründet.

Winni Rudrof: Zwei Wochen nach der Auflösung haben wir uns zusammengerufen – es hat einfach gefehlt. Wir haben weiter Musik gemacht, aber eben nicht mehr als „Mindjuice“. Wir haben in den 18 Jahren viel erlebt. 2018 kam dann „Wintermay“. Aus der alten Besetzung sind Simon Thomas und Roland Hindl dabei. Neu ist Drummer Michi Mautz.

ONETZ: Warum nicht "Mindjuice 2.0"?

Winni Rudrof: Wir wollten einfach keine alten Kamellen. Wir sollten einen Neustart mit neuen Songs. Daran arbeiten wir gerade. Wir nehmen ein Album auf, dass noch vor Sommer 2020 fertig sein soll.

ONETZ: Woher nimmst du die Ideen für deine Songtexte?

Winni Rudrof: Ideen kommen mir oft beim Sport. Beim Radeln oder Schwimmen – oder wenn ich um 4 Uhr in der Früh heimgehe und einen im Seiher hab. Ich schreibe alles auf und wundere mich dann am nächsten Tag, was ich da gemacht
habe. 50 Prozent der Texte sind authentisch. Situationen aus meinem Leben.. Die anderen 50 Prozent handeln von fiktiven Figuren und Geschichten. Politische Statements halte ich grundsätzlich raus. Ich positioniere mich privat klar, aber in der Musik will ich das nicht.

ONETZ: Fallen dir die Auftritte noch so leicht wie vor 20 Jahren?

Winni Rudrof: Körperlich nicht. Deshalb mache ich viel Fitness vor den Konzerten. Eine eineinhalb-Stunden-Show ist anstrengend. Auf der Bühne merkt man das nicht. Aber sobald das Adrenalin weg ist. Nach den Auftritten geht’s dann erst mal aufs Sofa. Früher mit Bier, heute mit viel Wasser.

ONETZ: Wie passt das zusammen - Rock-Sänger und DJ?

Winni Rudrof: Das ist kein Widerspruch. DJ bin ich schon, seit ich 17 Jahre alt bin – besser gesagt Alternativ-Rock-DJ. Ich spiele viel, aber nicht unbedingt viel aus den Charts. Das ist nicht so meins. Tanzbar, aber nicht das, was man sonst in Clubs hört. Ich habe meine Bands, meine eigenen Texte, die Auftritte. Da ist es ein guter Ausgleich, manchmal aufzulegen.

ONETZ: Wieso der Name DJ Dr. Love?

Winni Rudrof: Dr. Love stammt aus dem Film „Detroit Rock City“, einem meiner Lieblingsstreifen. Ein paar Jungs wollen auf ein Rockkonzert von Kiss. Aber die konservative Mutter erlaubt es nicht. Also wollen die Jungs selbst Geld beschaffen. Als einer dafür einen Laden überfallen will, nennt er sich Dr. Love. Also habe ich mich so genannt. Dr. Love – Retter der guten Musik.

ONETZ: Gibt es in Amberg eine Dr.-Love-Fanszene?

Winni Rudrof: Eine Fan-Szene gibt es glaube ich nicht. Ich kenne viele Leute und noch mehr kennen mich. Klar sieht man bei Konzerten oft die Gleichen in der ersten Reihe stehen, aber denen gefällt einfach unsere Musik. Allgemein tue ich mich mit dem Begriff Fan schwer. Ich
kann nicht gut mit Lob umgehen. Mir ist konstruktive Kritik lieber, an der ich wachsen kann. Ich habe hohe Maßstäbe an mich. Erst, wenn ich zufrieden bin, ist alles gut. Ob es der Masse gefällt, ist mir egal. Ich laufe auch durch die Fußgängerzone mit Kopfhörer im Ohr und singe laut mit, um zu üben. Irritierte Blicke? Na klar. Aber die ignoriere ich.

ONETZ: 2013 startete deine Internet-Show "Amberg Pupille". Gibt es eine Neuauflage?

Winni Rudrof: Das haben wir tatsächlich für kommenden Sommer geplant. Das Konzept ist toll. Wir sitzen zusammen und philosophieren über alle Themen, die uns gerade einfallen. Events, neue CDs, Filme. Ungeschnitten und frei raus. Wir haben damals drei Staffeln produziert. Jetzt starten wir wieder. Bierchen – und los.

ONETZ: Neben all deinen Projekten gibst du vegane Kochkurse. Du selbst isst aber alles ...

Winni Rudrof: … Winni und vegan ist einfach so untypisch, dass es wieder funktioniert. Ich koche gern, auch für mich privat. Das entspannt mich. Es hat zwei Gründe, warum ich die Kurse gebe. Einer davon ist das furchtbare Backstage-Essen. Wir sind Musiker, wir brauchen richtiges Essen. Außerdem hat meine Mutter Zucker. Ich habe mich schon immer für Lebensmittel interessiert – und irgendwann hatte ich dann die Idee für die Kochkurse. Ja, und die kommen gut an.

ONETZ: Gibt es noch einen Winni hinter DJ Dr. Love, dem Show-Koch und dem Rock-Sänger?

Winni Rudrof: Musik ist in jeder Situation meines Lebens ein Teil von mir. Aber genauso liebe ich die Natur, die Ruhe, das Radeln. Ein Mal im Jahr fahre ich mit meiner alten Clique auf einen Zeltplatz nach Kallmünz. Grillen, Lagerfeuer. Da kann ich ganz Winni-untypisch auch mal die Klappe halten und einfach nur in den Himmel schauen. Ein Stück Freiheit – aber leider viel zu selten.

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