06.12.2019 - 17:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Stadt Amberg muss in die Höhe wachsen

Es ist ein sehr griffiges und inzwischen auch häufig verwendetes Schlagwort: Flächenfraß. Jedes Haus, das gebaut wird, jeder Gewerbegebiet verbraucht Boden. In Amberg soll das künftig schonender passieren. Mit einem neuen Konzept aus dem Baureferat.

Hier im Bereich des ehemaligen Amberger Lagerhauses bestünde beispielsweise die Möglichkeit, eine städtebauliche Lücke zu verdichten. Damit könnten wertvolle Wohn- oder Gewerbeflächen an anderer Stelle gespart werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Als vor Jahren im Industriegebiet Nord ein Unternehmen erweitert werden sollte, brachte der Grüne Stadtrat Hans-Jürgen Bumes zum ersten Mal und sehr vehement den Vorschlag ein, auch bei Gewerbebetrieben künftig nach oben statt in die Fläche zu bauen. Inzwischen ist das Stichwort Flächenfraß längst auch in der "großen" Politik angekommen. In Amberg kommt neben der ökologischen Komponente aber noch ein zweites "Problem" dazu: Die kreisfreie Stadt hat schlicht fast keine freien Flächen mehr. So wird die Erweiterung des Gewerbegebiets West an der Fuggerstraße wohl die letzte große Maßnahme dieser Art in der Stadt bleiben.

Die Ausweisung dieses neuen Gewerbegebiets war übrigens der konkrete Anlass, warum das Baureferat ein Konzept zum nachhaltigen Bauen in Amberg entwickelt hat. Das effiziente Ausnutzen von Gewerbeflächen nimmt darin eine zentrale Rolle ein. Wobei es beim Aufstocken im Bestand schon wegen der Statik ein Problem geben könnte, sagte Baureferent Markus Kühne bei der Vorstellung dieses Konzepts im Bauausschuss. Gerade bei Neubauten soll aber in Zukunft tatsächlich darauf geachtet werden, eine möglichst hohe Grundflächenzahl (GRZ) anzuwenden, also möglichst viel Gewerbe auf möglichst wenig Fläche unterzubringen.

Parken unter der Erde

Dazu gehört nach Ansicht von Markus Kühne beispielsweise auch das Parken unter der Erde. Ist das Abstellen der Autos doch sonst einer der zentralen Flächenfresser rund um einen Gewerbebetrieb. "Es gibt ja auch gute Tiefgaragen", merkte Kühne mit einem schelmischen Seitenblick auf die Diskussion um die geplante Tiefgarage auf dem Bürgerspitalgelände an. Darüber hinaus soll bei den Eigentümern leerstehender Baugrundstücke - egal ob für Gewerbe oder privat - nachgefragt werden, ob diese nicht verkauft werden könnten. In Wohngebieten wird es künftig eine verbindliche Anordnung zur Begrünung von Garagen- sowie Pult- und Flachdächern geben.

Möglichst keine Schottergärten

"Schottergärten sind einzuschränken", heißt es wörtlich im Entwurf des Konzeptes. Ein Thema, das nicht erst seit Mittwoch immer wieder in den städtischen Gremien diskutiert wird. Wobei es nicht so einfach sei, die grundsätzlich zu verbieten, schätzte Markus Kühne die Lage ein. "Die Bayerische Bauordnung sagt, dass freie Flächen gegrünt oder bepflanzt werden", hielt ihm Klaus Mrasek (ÖDP) entgegen. Es sei also relativ einfach und gesetzlich sogar vorgeschrieben.

Theoretisch ja, sagten die baujuristisch geschulten Expertinnen Jasmin Hannich und Elisa Kins. Tatsächlich sei es besser, diese Vorgaben über den Bebauungsplan festzuschreiben. Denn die Vorschriften der Bauordnung müssten eigens kontrolliert werden, im Bebauungsplan sei das Verbot schon Teil des Genehmigungsverfahrens und leichter zu kontrollieren.

Wie weit das flächensparende Bauen gehen kann, schilderte Markus Kühne am Beispiel der Metropole Regensburg. Dort werde heute schon keine Bebauung mit Einfamilienhäusern mehr genehmigt. Und auch in Amberg müsse man überlegen, ob nicht bei der ein oder anderen Nachverdichtung in diese Richtung gegangen werden solle. Helmut Weigl (CSU) konnte sich die davon ausgehenden Nachbarschaftsstreite schon ausmalen. Darüber hinaus war man sich im Ausschuss, der einstimmig für das Konzept votierte, ziemlich einig darin, dass man möglichst wenig der potenziellen Häuslebauer an Gemeinden im Landkreis verlieren will.

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