03.02.2019 - 16:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Statt Forensik ins Gefängnis

Der Mann ist körperlich und psychisch geschädigt. Aus Afrika nach Deutschland gekommen, ist er seit 2016 in betreuenden Einrichtungen untergebracht und sorgt dort für unliebsame Zwischenfälle. Nun muss der 25-Jährige ins Gefängnis.

Der Mann ist körperlich und psychisch geschädigt. Nun muss der 25-Jährige ins Gefängnis.
von Autor HWOProfil

Wenn es um Verfahren geht, bei denen womöglich eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet werden muss, ist das Landgericht als juristische Instanz zuständig. So hatte nun die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber über die Zukunft eines Afrikaners zu entscheiden, der sich ab 2016 in betreuenden Einrichtungen befand.

Der Mann, das zeigte sich bei der Verlesung einer aus 20 einzelnen Vorfällen bestehenden Anklageschrift, ist renitent und mag sich nur schwer einfügen. Am deutlichsten wurde das in einer Wohneinrichtung im nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach. Der heute 25-Jährige bedrohte Mitbewohner, er schlug zu, trat mit Füßen um sich und stahl, wenn er etwas unbedingt haben wollte. Manchmal auch Tabak für drei Euro.

13 Zeugen gehört

In dem Verfahren vor der Strafkammer wurden allein 13 Zeugen aus dem Heim im nördlichen Landkreis gehört. Die Richter vernahmen, dass es zu Beleidigungen kam, Geld in kleineren Beträgen fehlte und schließlich auch eine Bettdecke von ihm in Brand gesetzt wurde. Sie verkohlte auf dem Fußboden und hinterließ einen Schaden von 200 Euro.

Alles eher kleinere Vorkommnisse. Doch sie summierten sich und formten das Bild eines jungen Mannes, der an einem chronischen hirnorganischen Psychosyndrom leidet. Irgendwann verlegte man ihn als notorischen Querulanten ins Regensburger Bezirkskrankenhaus. Dort griff er im vergangenen Jahr einen Mitpatienten an und fügte ihm mit einem Brotzeitmesser eine Schnittwunde am Hals zu. Das war der gravierendste Vorwurf.

Einweisung keine Option

Bei dem zweitägigen Prozess stellte sich heraus: Der 25-Jährige, unter Betreuung stehend, ist nach ärztlicher Auffassung grundsätzlich in der Lage, das Unrecht seiner Übergriffe zu begreifen. Allerdings konnte er nach gutachterlicher Überzeugung nur sehr eingeschränkt nach dieser Einsicht handeln. Eine dauerhafte Einweisung in die Forensik kam für die Richter nicht in Betracht. Sie hielten den Mann für haftfähig und schickten ihn für insgesamt 25 Monate hinter Gitter.

Das entsprach auch seinem Wunsch, wobei nun nach einer Justizvollzugsanstalt gesucht werden muss, die Häftlinge mit psychischen Erkrankungen und körperlichen Schäden aufnimmt. Denn der 25-Jährige leidet auch unter Lähmungen. Eine menschliche Leidensgeschichte, die den Vorgang der Abschiebung nach deutschem Gesetz nicht möglich macht.

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