16.04.2019 - 17:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Statuen aus Notre Dame werden bei Périgueux restauriert

Das Entsetzen über den Brand in Notre Dame ist auch in Périgueux riesengroß. In der Nähe von Ambergs Partnerstadt werden derzeit 16 Statuen der Pariser Kathedrale restauriert. Sie hatten den eingestürzten Spitzturm geschmückt.

von Kristina Sandig Kontakt Profil

"Es ist eine Katastrophe", sagte Catherine Gorse am Montagabend, als die ersten Bilder von der in Flammen stehenden Pariser Kathedrale Notre Dame um die Welt gingen. "Das ist einfach nur schrecklich": Die Präsidentin des Freundschaftsvereins "Amis d'Amberg" (Freunde von Amberg) in Périgueux ist genauso geschockt wie viele ihrer Landsleute.

Sie erzählt, dass erst am Freitag Statuen von Notre Dame in Marsac-sur-l'Isle, einer knapp fünf Kilometer entfernten Gemeinde von Périgueux, eingetroffen waren. Dort sollen die zwölf Apostel und vier Evangelisten restauriert werden. Die mit Grünspan überzogenen Kupfer-Statuen, jede nach Angaben der in Périgueux ansässigen Tageszeitung Sud-Ouest rund drei Meter hoch und rund 250 Kilo schwer, waren am Donnerstag vom Dach von Notre Dame geholt worden - erstmals seit 1857. Am Montagabend zeigten Fernsehsender nicht nur die Bilder, wie die Flammen im Dachstuhl der Kathedrale wüteten. Die TV-Stationen spielten immer wieder Sequenzen ein von den an einem gut 100 Meter hohen Kran baumelnden Aposteln und Evangelisten, als sie vom Dach von Notre Dame gehievt wurden.

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Freitagmorgen gegen 10 Uhr trafen diese Kunstschätze bei der Société de conservation et restauration archéologique (SOCRA) in Marsac-sur-l'Isle ein. Vier Spezialisten der Gesellschaft für archäologische Konservierung und Restaurierung sollen die Figuren nacheinander renovieren. Die zwölf Apostel und vier Evangelisten, denen die Luftverschmutzung arg zugesetzt hatte, schmückten den Fuß von "La Flèche", jenen 96 Meter hohen Spitzturm, der am Montag einstürzte. Wie die Sud-Ouest weiter berichtete, hätten die ersten beiden Statuen bereits im Juni nach Paris zurückkehren sollen. Sie wären im Chorraum von Notre Dame bis zu ihrer endgültigen Rückkehr auf das Dach der über 850 Jahre alten Kathedrale ausgestellt worden. Das Flameninferno am Montagabend machte all diese Pläne zunichte. So sehr Catherine Gorse entsetzt war über das vernichtende Großfeuer in Paris, so froh war sie auch, dass das furchtbare Unglück keine Menschenleben forderte.

Périgueux' Tageszeitung Sud-Ouest hatte am Dienstagmorgen getitelt: "Ein kleines Wunder in einer ungeheuerlichen Katastrophe". Gemeint waren damit die Statuen, die mit dem Turm eingestürzt wären, hätte man sie nicht vor wenigen Tagen wegen der Restaurierung demontiert. SOCRA-Direktor Patrik Palem äußerte gegenüber der Sud-Ouest die Befürchtung, dass mit dem Einsturz des Spitzturms von Notre Dame auch dessen Dachreiter, ein kupferner Hahn, zerstört worden sei. Er enthielt Reliquien der Schutzpatrone von Paris, Saint Denis und Sainte Geneviève sowie der Überlieferung nach eine der 70 Dornen aus der Dornenkrone Christi. "Das ist wirklich dramatisch", so Palem gegenüber Périgueux' Tageszeitung.

Deren Redakteur Hervé Chassain berichtete, dass am Abend zuvor die Menschen in Périgueux - wie im ganzen Land - fern gesehen hätten, "um dieses Drama von Paris zu verfolgen." Am Dienstag um 18 Uhr versammelten sich die Priester des Départements Dordogne in Périgueux' Kathedrale Saint-Front, um für Notre Dame zu beten und zu singen. Außerdem läuteten zum Gedenken die Glocken lange. Wie Chassain erzählt, stammt Saint-Front wie Notre Dame aus dem zwölften Jahrhundert, wurde aber im 19. Jahrhundert umfassend renoviert. Die Dachkuppeln des Wahrzeichens von Périgueux seien aus Stein gemauert. "Bis auf den Glockenturm ist nichts aus Holz."

Info:

Auf Statuen spezialisiert

Die SOCRA (Société de conservation et restauration archéologique) nahe Périgueux ist spezialisiert darauf, Statuen zu restaurieren. Die Gesellschaft für Konservation und archäologische Restauration hat in ihren Ateliers bereits Statuen, die sich auf der Place de la Concorde in Paris befinden sowie welche aus Schloss Versailles und den berühmten Erzengel von Mont St. Michel in der Normandie restauriert.

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