17.03.2019 - 12:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Stechen bis zum Umfallen bei der Tattoo-Convention

„Wer schön sein will, muss leiden“ besagt ein altes Sprichwort. Kreislaufzusammenbruch inklusive – auch das passiert auf der Tattoo-Convention im ACC.

von Dagmar WilliamsonProfil

Die Anzahl der Tätowierer hat sich im Vergleich zur Premiere im Vorjahr fast verdoppelt. Veranstalter Helmut Ziegler ist zufrieden. "Jeder hat Arbeit, die Stimmung passt - alles beim Alten", sagt er nickend und widmet sich seinem Papierstapel. Wer sich mittags noch für ein großes Motiv entscheidet, bekommt abends die Chance, an der Preisverleihung teilzunehmen.

Darunter auch Tyler Morea. Fünf Stunden muss er dafür Schmerzen ertragen. Der 26-Jährige möchte sein rechtes Bein komplett der Marvel--Superhelden-Thematik widmen. Seine Faszination für Spiderman und Co. begann im Kindergartenalter, als Cartoons nur am Samstagvormittag im Fernsehen gezeigt wurden.

Sein erstes Motiv am Oberschenkel, der Groot aus der Comic-Helden-Serie von Stan Lee, sticht der Gast-Tätowierer Alin Rotunjeanu aus Rumänien. Ein schüchterner Ausnahme-Künstler der Szene mit einer Affinität für feine Linien und präzise Schattierungen. Seine bisherigen Werke beinhalten unter anderem das Gemälde von Michelangelo "Die Erschaffung Adams". Mit seinem Groot sahnt der Wander-Tätowierer auch noch glatt den ersten Preis in der Kategorie Black & Grey ab.

Während die Jury auf der Bühne über die Feinheiten diverser Motive fachsimpelt, kollabiert ein Kunde nach acht Stunden Bearbeitung seines Oberarms. Auch das passiert - zwar selten, aber nach einer knappen Minute ist der muskelbepackte junge Mann wieder gut drauf, trinkt Cola, isst Schokolade und besteht darauf, dass sein Arm fertig gestochen wird. Etwa 30 Minuten würde er noch ausharren müssen, bis er vom Schmerz erlöst wird. Hin- und hergerissen setzt die Tätowiererin nach der Pause die Nadel wieder an.

Fünf Sitzungen dauerte sein bisher größtes Motiv: Die New York Skyline auf einem männlichen Rücken. Robert Anderson tätowiert seit 14 Jahren. Auf der Expo arbeitet der Nürnberger an einem weiblichen Gesicht auf dem Oberarm - Porträts sind immer mehr gefragt. "Aber niemand will einen Mann, den er nicht kennt, auf seiner Haut." An einem Pokal hat er kein Interesse und auch nicht daran, Stammkunden zu animieren, damit er bei einem Wettbewerb teilnehmen kann. Das sei nicht sein Stil. Vielmehr will er zufriedene Kunden und für sie einfach sauber arbeiten.

Dass die Preise auf einer Tattoo-Convention ansteigen, müsste jedem Besucher bewusst sein. Für einen fünf Zentimeter kleinen Rosenstil hinter dem Ohr muss eine Ungeduldige etwa 150 Euro berappen. Zehn Minuten dauert diese Sitzung. Etwas zerknirscht gibt die Amerikanerin zu, dass sie sich Termine schlecht merken kann und auch keine Lust hat, sechs Monate zu warten. Deswegen besucht sie regelmäßig Tattoo-Messen in der Region, um ihre Lieblingsblume auf ihrer Haut verewigen zu lassen. Kleine Schriftzüge über dem Ellbogen, Erweiterung einer 15 Jahre alten Tätowierung oder die vertikale Aneinanderreihung von Zahlen auf der Wade - das sind Wunschmotive, die auch am Sonntag im ACC noch fertiggestellt werden sollen.

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