09.08.2019 - 11:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Storg zieht immer noch

Wenn sich schon einmal die Gelegenheit bietet, das ehemalige Storg-Gebäude zu besichtigen, dann strömen die Menschen. Kein Wunder, dass beim Ortstermin der CSU-Fraktion mit den neuen Eigentümern von Bauart reger Andrang herrschte.

Eigentümerwechsel auf einem Bild. Im Vordergrund stehen die beiden Vertreter von Bauart (von links) Wolfram Buegger und Kostja Künzel. Dahinter schaut sich Karlheinz Brandelik, der Geschäftsführer der Gewerbebau GmbH noch einmal an, was er den beiden da verkauft hat.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Neben Vertretern der CSU wollten unter anderem auch Repräsentanten der neuen Fraktion "Für Amberg", der Grünen, der FDP und von der IG Menschengerechte Stadt wissen, was aus dem ehemaligen Storg-Gebäude, der Alten Münze, wird, nachdem es von Bauart gekauft worden ist. Die Tinte unter dem Notarvertrag war kaum trocken, da liefen auch schon die Planungen an, machten Kostja Künzel und Wolfram Buegger von Bauart deutlich. Beide sind sie in Amberg aufgewachsen, schon allein aus diesem Grund wollen sie natürlich, dass das Projekt am Ende etwas wird.

Handel und Hotel

Das Konzept hatte Wolfram Buegger ja schon im Vorfeld vorgestellt. Natürlich soll es auch wieder Handel geben im ehemaligen Einzelhandelszentrum der Stadt. Aber sehr kleinteilig, wenig Filialisten, hauptsächlich kreative Leute aus der Stadt. Daneben zwei oder drei Praxen oder Rechtsanwaltskanzleien, Gastronomie, um den dann überdachten Innenhof nutzen zu können. Zentrum der Neuen Münze wird aber ein Hotel sein. Ein "Mariandl", wie es die Bauart-Leute erst vor kurzem auf Rügen eröffnet haben. Dazu im denkmalgeschützten West-Bau eventuell Wohnungen, die möbliert an Leute vermietet werden sollen, die ein paar Monate oder länger beruflich in Amberg wohnen müssen.

Bevor es ins Gebäude ging, gab es aber erst einmal warme Worte rund um das Gebäude, das seit nunmehr 14 Jahren leer steht. Das als Kaufhaus Storg bis in die 90er Jahre hinein seine Blüte erlebt und dann untergegangen war. Das als Forum noch ein paar Jahre überdauert hatte und schließlich eine Bruchlandung statt eines Neuanfangs hingelegt hat. Das wieder Kaufhaus werden sollte und noch doch keins mehr wird. "Es war ein guter Beschluss des Stadtrats, hier kein Einkaufszentrum mehr zu schaffen", sagte OB Michael Cerny mit Blick auf die denkmalgeschützte Fassade, die jetzt vollständig erhalten bleiben wird. "Und wir möchten jetzt niemand mehr aus ...", betonte er den Verzicht auf fremde Investoren.

Die Neuen von Bauart kennt man in Amberg schon lange. Kostja Künzel und Wolfram Buegger sind Amberger, ihr Partner Thomas Helm stammt aus Hirschau. "Was die freie Wirtschaft kann, muss die öffentliche Hand nicht können", zitierte Wolfram Buegger Karlheinz Brandelik, den Geschäftsführer des Alteigentümers städtische Gewerbebau GmbH, zur Motivation, warum sein Unternehmen der städtischen Tochter das Objekt abgekauft hat. Obwohl es mit Sicherheit keine einfache Entwicklung werde. "Das ist schon die höhere Mathematik des Bauens", sagte Wolfram Buegger mit Blick auf den kunterbunten Stil- und Materialmix im Objekt.

Grundstruktur steht

Wie bunt es dort zugeht, davon konnten sich die Teilnehmer der Exkursion anschließend ein lebhaftes Bild machen. Holzbalken und Stahlträger treffen hier auf Beton und Ziegel sowie nicht mehr genau zu definierende Baustoffe. "Da müssen wir dann auch erst einmal schauen, ob wir die statisch noch verwenden können", machte Kostja Künzel die Schwierigkeit deutlich, eine schlüssige Planung für das Areal zu schaffen. Die Grundstruktur steht aber, das machten die beiden Bauart-Leute sehr deutlich. So wird sich im Erdgeschoss eine Ladenpassage durch das ehemalige Kaufhaus ziehen und im rechten Winkel im Innenhof münden, der überdacht und teilweise geheizt werden soll. Gesucht ist die ideale Mischung, abgelehnt wird die ideenlose Monostruktur.

Ein relativ großes Hotel - das braucht auch Stellplätze. Rund 40 bis 50 will die Bauart im Keller des Gebäudes installieren. Dort, wo die Amberger früher Lebensmittel gekauft und ihren Lottoschein aufgegeben haben. Erschlossen wird diese Tiefgarage über die Obere Nabburger Straße, nicht über die bisher geplante zentrale Einfahrt in der Bahnhofstraße. Der Grund: "Wir wollen völlig autark sein und nicht von jemand auf der anderen Seite abhängig sein", so Kostja Künzel. Sehr zur Freude der Leute, die ohnehin gegen eine Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße sind.

Hintergrund:

Auch auf Rügen gibt es ein Mariandl

Obwohl es ein Amberger Unternehmen ist, ist die Bauart nur wenigen Ambergern auch bekannt. Gegründet von Wolfram Buegger, Kostja Künzel und Thomas Helm sitzt das Unternehmen seit einigen Jahren in der Werner-von-Siemens-Straße, im ehemaligen Sportheim des TV Amberg. 92 Frauen und Männer arbeiten für das Unternehmen, das nicht nur baut und saniert, sondern auch verwaltet. Neben der Zentrale in Amberg unterhält die Bauart noch Büros in Leipzig und auf der Ostsee-Insel Rügen. Hier, in Binz-Prora, steht auch das Referenz-Hotel, wie es ähnlich auch in der Neuen Münze zu finden sein wird. Das „Mariandl am Meer“ ist im von den Nazis geplanten und begonnenen Seebad Rügen untergebracht, dessen Reste sich heute noch über rund 2,5 Kilometer an der Küste erstrecken. Hier sollten ursprünglich einmal rund 20 000 Menschen auf einmal urlauben können,doch wurde die Anlage nie fertig. Heute gilt der Komplex, der inzwischen zum größten Teil saniert worden ist, wieder als attraktives Reiseziel.

Der Innenhof des Gebäudekomplexes soll überdacht und damit zum Anziehungspunkt auch außerhalb der warmen Jahreszeit werden.
An diesem Konferenztisch pflegte Heiner Storg seine Mitarbeiter auf die bevorstehenden Aufgaben einzustimmen. Heute liegen dort – auch schon verstaubte – Pläne für ein Einkaufszentrum, wie es der niederbayerische Investor Manfred Reichholf Anfang der 2000er Jahre schaffen wollte.
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