Amberg
16.12.2019 - 17:37 Uhr

Streit in Amberger Obdachlosenheim: Wegen vier Euro Machete gezückt

Es ist eine tobende Schlacht mit schwerer Bewaffnung. Einer zieht mit der Busch-Machete ins Feld, der andere rüstet sich zunächst mit einem Wischmopp und danach mit einem herausgerissenen Stück hölzernem Jägerzaun aus.

Symbolbild Bild: Peter Steffen
Symbolbild

Schwieriger Fall, diese vor einem Obdachlosenquartier im Amberger Stadtosten mit einem Heer von anrückenden Polizisten begleitete Schlägerei. Vor Monaten hatten die Turbulenzen stundenlang das Schöffengericht beschäftigt. Der damalige Vorsitzende brach die Verhandlung wegen neuer Beweiserhebungen ab. Beim zweiten Termin war der Angeklagte krank. Doch diesmal klappte es. Allerdings mit Verzögerungen. Erneut tagte das Schöffengericht. Jetzt unter der Führung von Richterin Kathrin Rieger, die schier endlos lange Geduld aufbringen musste. Erst nach und nach trudelten die Zeugen ein. Einen musste die Polizei vorführen. Doch dann wurde endlich Klarheit geschaffen zu einer spektakulären körperlichen Auseinandersetzung, die den Rahmen des Üblichen sprengte.

Auf der Anklagebank saß ein 59-Jähriger. Besitzer einer später konfiszierten Busch-Machete von knapp einem Meter Länge. Dieses Hiebinstrument aus tropischen Gefilden soll er eingesetzt haben, als es in einer Sommernacht vergangenen Jahres zu Unstimmigkeiten vor einem Obdachlosenheim kam. Es ging um schlappe vier Euro, die jemand dem anderen schuldete. Ein eher lausiger Anlass, der filmreife Attacken nach sich zog. Drei Männer waren in den Tumult verwickelt. Einer, so stellte sich jetzt heraus, blieb weitgehend passiv. Die beiden anderen droschen aufeinander ein. Der 59-Jährige holte eine Machete aus seinem Zimmer, der andere wehrte sich erst mit einem Wischmopp und dann mit Latten aus einem Jägerzaun, die er in der Nachbarschaft mit Kraftanstrengung herausriss. Von der Macheten-Klinge wurde der Zaunlatten-Kämpfer an der Hand getroffen. Blut tropfte, als Funkstreifenbesatzungen eintrafen. Später ermittelte auch die Kripo an diesem Ort, der seit Jahren für massives Einschreiten der Exekutive sorgt.

„Ich wollte ihn nicht verletzen“, sagte der 59-Jährige. Doch das war eher zweitrangig. Denn die Wunde war beim Geschädigten vorhanden. An seiner Hand zeigte der Mann eine Narbe. Und obwohl er sich („Wir hatten alle gesoffen“) nicht an die Geschehnisse erinnern mochte, nahmen die Richter seine sehr präzise Aussage vor der Polizei als Grundlage und verhängten ein Jahr Haft mit Bewährung gegen den Täter. Sie folgten damit dem Antrag von Staatsanwältin Manuela Zeller. „Wer mit einer Machete herumfuchtelt, nimmt Folgen in Kauf“, sagte Richterin Rieger und stellte sich nicht an die Seite von Verteidigerin Selina Riemer, die sechs Monate mit Bewährung für ausreichend gehalten hatte.

Von weiteren Auflagen sah das Schöffengericht in seinem Urteil ab. Der seit vielen Jahren in Deutschland lebende Mann hat fünf Kinder, er muss hohe Schulden abzahlen und fristet sein Dasein mit staatlicher Unterstützung. Die Machete ist jetzt eingezogen. Seine Nachkommen werden aber warten müssen, bis sie etwas von ihrem Vater kriegen. Der ist angeblich arbeitswillig, aber stark (wieder angeblich) von Allergien geplagt. Dass er vorher schon andere traktierte, wurde im Prozess vor dem Schöffengericht deutlich.

 
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