Amberg
01.11.2019 - 10:41 Uhr

Student mit neun Vorstrafen schlägt Polizisten dienstunfähig

Zwei Polizisten wollen einen 32-Jährigen in Gewahrsam nehmen. Was dann geschieht, ist eine Orgie der Gewalt: Der Mann, völlig nüchtern, drischt zu. Die Uniformierten müssen sich 15 Minuten lang wehren und werden erheblich verletzt.

Symbolbild Bild: Jan Woitas
Symbolbild

Der Einsatz kam nach Mitternacht. Die Besatzung eines Streifenwagens wurde zur Jesuitenfahrt beordert, weil dort eine junge Frau sexuell belästigt worden war. Die Uniformierten trafen ein, verschafften sich ein Lagebild und erklärten dann dem mutmaßlichen Täter, dass sie ihn in vorläufigen Gewahrsam nehmen müssten.

Was Sekunden später über den Polizeiobermeister und seine Kollegin hereinbrach, gilt bis heute auf der Wache an der Kümmersbrucker Straße als Musterbeispiel für Gewalt gegen die Exekutive. "Er ist völlig ausgerastet", hörte jetzt Amtsrichterin Nadine Sand bei einem ganztägigen Prozess. Der 32-Jährige begann massiv zu schlagen, er war nicht zu bändigen. "Der Kampf dauerte eine Viertelstunde", wurde der Vorsitzenden berichtet und ergänzt: "So etwas vergisst man nicht."

Kein Einlenken, kein Aufgeben. Erst als Verstärkung eintraf, war der Kampf beendet. Die Beamtin bekam ein blaues Auge, erlitt Prellungen am ganzen Körper. Ihr Kollege wurde ebenfalls erheblich verletzt. Eine längere Dienstunfähigkeit schloss sich an. Beide hatten sich gegen die rüden Attacken gewehrt. Mit der Folge, dass auch der Täter Blessuren davontrug.

"Psychosomatischer Anfall"

Im Gerichtssaal verlangten die Polizisten jetzt Schmerzensgeld. Von ihrem Peiniger vernahmen die Beamten keine Entschuldigung. Wohl aber entfuhr dem Mann die Feststellung, dass genau genommen auch ihm ein solches finanzielles Trostpflaster zustehe. Denn schließlich sei auch er verletzt worden. Dann ließ der 32-Jährige durchblicken, er sei in jener Nacht durch Amberg geschlendert und habe wohl "einen psychosomatischen Anfall erlitten".

Es gab noch eine zweite Widerstandshandlung des Studenten, der mit neun Vorstrafen auf der Anklagebank saß. Auch dabei hatten zwei Amberger Polizeibeamte Prellungen und Schürfwunden davongetragen, als sie den Mann kontrollieren wollten. Zur Debatte stand ferner, dass er Rauschgift verkauft haben sollte. In den Unterlagen stand, er sei selbst seit seinem 15. Lebensjahr süchtig.

Keine psychische Erkrankung

Dem 32-Jährigen drohte Haft, und er bekam sie auch. Verteidiger Tobias Konze (Weiden) unternahm verbale Kraftanstrengungen, um für seinen Mandanten noch einmal eine Bewährungschance zu bekommen. Zuvor hatte die Richterin von einer Sachverständigen erfahren, dass keine psychische Erkrankung vorliege, zu einer Drogentherapie aber Anlass bestehe. Doch das mochte der Beschuldigte nicht.

Ein Jahr und neun Monate Gefängnis forderte die Staatsanwaltschaft. Richterin Sand stellte sich im Urteil voll hinter diesen Antrag.

"Polizisten haben es nicht verdient, dass man so mit ihnen umgeht", unterstrich die Vorsitzende und sah keinerlei Chance für den Täter, den Saal mit einer Bewährungsstrafe zu verlassen. "Wo sollte ich die Gründe dafür hernehmen?", fragte sie. Die beiden übel angegriffenen Polizeibeamten erhalten jeweils 500 Euro Schmerzensgeld.

Kommentar:

Ein Dank an alle Streifenpolizisten

In Amberg gab es einmal den Stadtpolizeibeamten Leonhard Wankerl. Wenn er in seiner blauen Uniform als Autorität auftrat, wurde Widerspruch nicht geduldet. Wankerl erteilte Order und die Leute, mochten ihre Gemüter auch noch so erhitzt sein, parierten auf der Stelle. Das ist lange her und die Zeiten haben sich geändert. In Richtung einer Position gegenüber der Exekutive, die oftmals jeglichen Respekt vermissen lässt vor denen, die eingreifen müssen, wenn etwas gegen das Gesetz geht.
Es ist an der Zeit, tief den Hut zu ziehen. Vor Streifenpolizisten im Land und ganz besonders in unserer Stadt. Männer und Frauen, die sich im Schichtdienst ihr Geld verdienen und rund um die Uhr mit Leuten zu tun haben, die aggressiv und unkontrollierbar ihren Frust an Uniformierten auslassen.
Da geht einer her und drischt auf die wegen ihm alarmierte Funkwagenbesatzung ein. Wie ein Berserker und nun vor Gericht mit der in seinen Augen aberwitzigen Frage konfrontiert, weshalb er das tat. Sein Gegenargument: Auch ihm stehe ein Schmerzensgeld für erlittene Blessuren zu.
Von dieser Stelle aus an die Adresse des Reviers an der Kümmersbrucker Straße: Danke, dass ihr ausrückt! Was sollte die friedfertige Bevölkerung ohne Euch tun? Und ganz bewusst die Bemerkung, dass knapp zwei Jahre Gefängnis, verhängt durch die Justiz, zu wenig sind für Unbelehrbare, die sich in dieser Art gegenüber der Polizei aufführen. Zu Zeiten des Leonhard Wankerl wäre das undenkbar gewesen.

Wolfgang Houschka

 
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