21.03.2019 - 15:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Studiengang Hauswirtschaft sucht Bewerber

Gesunde Ernährung ist hip. Eine ökologische und nachhaltige Lebensweise auch. Selbst das Gärtnern kommt wieder in Mode. Das alles lernen die Studenten der Landwirtschaftsschule im Studiengang Hauswirtschaft. Allein die Bewerber fehlen.

Behördenleiter Wolfhard-Rüdiger Wicht, Absolventin Ingrid Götz und Schulleiterin Ursula Eckl stellen den Studiengang Hauswirtschaft vor.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

"Es ist ein Hilferuf", beschreibt Wolfhard-Rüdiger Wicht, Behördenleiter im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die aktuelle Situation. Im September soll im Gebäude an der Hockermühlstraße 53 in Amberg der einsemestrige Studiengang Hauswirtschaft wieder starten. "Wir müssen kämpfen, um die Mindest-Studentenzahl zu erreichen." Wie in allen Landwirtschaftsschulen werden dafür 16 Leute benötigt. "Der Beruf ist hochspannend und aktuell. Absolventen sind gefragt", sagt Wicht. Der Mangel an Bewerber stehe dazu in einem krassen Widerspruch.

Eine der erfolgreichen Absolventinnen ist Ingrid Götz. Die 39-Jährige ist eigentlich Krankenschwester. Am Klinikum St. Marien hatte sie von 1997 bis 2000 ihre Ausbildung gemacht. Bis 2013 arbeitete sie in der Chirurgie, war stellvertretende Stationsleiterin und zuständig für die praktische Ausbildung auf Station sowie der Abnahme der Staatsexamen. "Also eigentlich hatte ich alles. Es war ein geerdeter Beruf." Eine Krebserkrankung "kam dazwischen", sagt Ingrid Götz und sie merkte, dass ein dauerhafter Schichtdienst für ihr Leben nicht mehr in Frage kommt. Die junge Frau wollte mehr Zeit mit Familie und Kindern verbringen. "Freilich hat mir mein Beruf Spaß gemacht, aber mit eigener Familie wollte ich nicht länger auf drei Schichten arbeiten." Die gesellschaftlichen Entwicklungen brachten sie auf die Idee, Pflege und Hauswirtschaft zu kombinieren. "Das war meiner Meinung nach ein gutes Standbein für die Zukunft." Sie sah darin eine Aufgabe, die ihr familienfreundlichere Arbeitszeiten bieten konnte - und wurde nicht enttäuscht. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter begann sie 2015 mit dem Studiengang Hauswirtschaft. Noch während der Schule bekam sie ein Stellenangebot von der AOVE, die eine Krankenschwester für die Seniorenberatungsstelle im Projekt "Alt werden zu Hause" suchte. Diesen Job nahm sie im Dezember 2015 an. Sie habe schnell gemerkt: "Während der Beratungen wurde immer nach hauswirtschaftlicher Hilfe gefragt. Die Leute suchen, und es gibt fast niemanden, der es anbietet." Zum 1. Januar 2019 startete die AOVE dazu ein entsprechendes Angebot, "Wir haben noch keine Werbung geschaltet und sind ausgebucht mit Warteliste. Nur mit dem Thema Hauswirtschaft." Zwei weitere Mitarbeiterinnen wurden eingestellt.

Schulleiterin Ursula Eckl bekräftigt die Beobachtungen aus der Praxis: "Die Nachfrage ist da. Wir suchen händeringend nach Fachkräften." Die Hauswirtschaft als Begriff allein sei vielleicht ein bisschen verstaubt. Doch ihrer Meinung nach ist lediglich das Wort nicht in Mode, die Inhalte dafür umso mehr. Die Absolventinnen arbeiten nach der Schule im hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbereich, in Großhaushalten, Gemeinschaftsverpflegungen, Bildungshäusern, in der Schul- oder Kita-Verpflegung. Dazu kommen landwirtschaftliche Betriebe, Direktvermarktung, Erlebnisbauernhof - auch hier werde auf fundierte Kenntnisse in der Hauswirtschaft aufgebaut. "Für unsere Absolventinnen gibt es Zukunftsperspektiven. Sie schaffen sich ihren eigenen Arbeitsplatz", erklärt Eckl.

Ziel des Studienganges ist es auch, die Familien zu stärken und den Beruf damit in Einklang zu bringen. Im Unterricht erarbeiten sich die Studierenden Möglichkeiten, es sich zu Hause leichter zu machen. Nach dem Motto: "Bestimmte Dinge mag ich zwar gar nicht, aber wenn ich sie gut kann, geht es schneller und dann hab ich wieder Zeit für etwas anderes." Frauen und auch wenige Männer, die sich für die Hauswirtschaft bislang eingeschrieben hatten, kamen aus den unterschiedlichsten Branchen: Friseurin, Bäckereifachangestelle, Schreinerin, Sonderschulpädagogen, Bankkauffrauen oder auch eine Elektroingenieurin. "So unterschiedlich alle sind, bisher hatte jeder Studiengang eine unbeschreibliche Gemeinschaft erlebt", sagt die Schulleiterin.

Der Weg zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung:

Bei einem Info-Abend am Mittwoch, 10. April, um 19.30 Uhr, an der Hockermühlstraße 53, wird die Schule vorgestellt. Der Unterricht verteilt sich auf 660 Stunden über etwa eineinhalb Jahren. Die Studierenden haben Fächer wie Ernährungslehre, Unternehmensführung, Haus- und Textilpraxis oder Hausgartenbau. Zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Haushalt und Berufstätigkeit wird der Studiengang in Teilzeit angeboten. Zugangsvoraussetzung sind ein Berufsabschluss außerhalb der Hauswirtschaft. Absolventen tragen den Titel "Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung".

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