22.09.2018 - 11:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Stühlerücken bei den Oberpfälzer Abgeordneten

Zuletzt waren vier Parteien im Bayerischen Landtag vertreten. Nach den jüngsten Umfragen können zusätzlich bis zu drei Parteien auf den Einzug ins Maximilianeum hoffen, allen voran die AfD. Nicht nur das dürfte die Riege der Oberpfälzer Mandatsträger deutlich verändern.

Der Bayerische Landtag
von Albert Franz Kontakt Profil

Viele neue Gesichter aus der Oberpfalz wird es nach der Landtagswahl am 14. Oktober im bayerischen Landtag geben. Nicht nur, weil die AfD mit aller Macht ins Parlament drängt, auch weil langjährige Mandatsträger nicht mehr für den Landtag kandidieren.

Fünf der zuletzt 16 Oberpfälzer Mandatsträger werden im 18. Bayerischen Landtag nicht mehr vertreten sein, darunter die langjährige Europa-, Wirtschafts- und Sozialministerin Emilia Müller (CSU) aus Bruck, sowie Franz Schindler (SPD) aus Schwandorf, der dem Parlament 28 Jahre angehörte. Aber auch die CSU-Abgeordnete Petra Dettenhöfer aus Thurndorf (Landkreis Neustadt/WN), der SPD-Abgeordnete Reinhold Strobl aus Schnaittenbach und von den Freien Wählern Karl Vetter aus Cham werden dem Landtag nicht mehr angehören.

Vor fünf Jahren war der Wahlausgang noch relativ übersichtlich. Die CSU kam in der Oberpfalz auf stattliche 49,9 Prozent, die SPD auf 19,5 Prozent, die Freien Wähler auf 12,4 und die Grünen auf 5,7 Prozent. Alle anderen Parteien blieben landesweit, aber auch in der Oberpfalz unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Stimmenmagnet Füracker

Für die CSU bedeutete dies, dass sie alle acht Direktmandate in der Oberpfalz holte. Außerdem zog die damalige Spitzenkandidatin Emilia Müller aus Bruck (Landkreis Schwandorf) über die Liste in den Landtag ein. Das beste CSU-Ergebnis erzielte bei den Erststimmen im Bezirk Albert Füracker im Stimmkreis Neumarkt mit 56,6 Prozent vor Tobias Reiß in Tirschenreuth mit 54,5 Prozent. Am schwächsten schnitt damals mit 44,1 Prozent Alexander Flierl im Stimmkreis Schwandorf ab. Er sicherte sich damit aber das Direktmandat ebenso wie Harald Schwartz (Stimmkreis Amberg-Sulzbach), Petra Dettenhöfer (Stimmkreis Weiden), Gerhard Hopp (Stimmkreis Cham), Sylvia Stiersdorfer (Regensburg-Land) und Franz Rieger (Regensburg-Stadt). Den insgesamt neun CSU-Mandaten standen 4 SPD-Mandate, zwei Mandate für die Freien Wähler, und ein Mandat für die Grünen gegenüber. Für die SPD zogen Bezirkschef Franz Schindler (Schwandorf), Annette Karl (Neustadt/WN), Reinhold Strobl (Schnaittenbach) und Margit Wild (Regensburg) in den Landtag ein. Für die Freien Wähler lösten Tanja Schweiger (Pettendorf) und Karl Vetter (Cham) das Ticket nach München ein und für die Grünen Jürgen Mistol aus Regensburg.

Nach dem Trend der bisherigen Umfragen dürfte die Oberpfälzer CSU ihr neuntes Mandat, das Emilia Müller über die Liste in den Landtag brachte, verlieren. Sehr wahrscheinlich aber wird die CSU wieder alle acht Direktmandate für sich gewinnen. Direktkandidaten sind wie schon 2013 Bezirkschef und Finanzminister Albert Füracker (Stimmkreis Neumarkt), Tobias Reiß (Tirschenreuth), Harald Schwartz (Amberg-Sulzbach), Alexander Flierl (Schwandorf), Gerhard Hopp (Cham), Sylvia Stiersdorfer (Regensburg-Land) und Franz Rieger (Regensburg-Stadt). Neu unter den Oberpfälzer CSU-Direktkandidaten ist nur Stephan Oetzinger, der im Stimmkreis Weiden für Petra Dettenhöfer antritt, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um ein Mandat bewarb.

Unklar ist, ob es bei den 16 Oberpfälzer Mandaten bleibt. Schneidet die CSU deutlich schlechter ab als 2013, verteidigt aber ihre acht Direktmandate, könnte es rein rechnerisch erstmals auch zusätzlich ein oder zwei Ausgleichsmandate für die Parteien jenseits der CSU geben.

Großes Zittern bei der SPD

Bestätigen sich die Trends der bisherigen Umfragen muss die Oberpfälzer SPD mindestens mit dem Verlust eines ihrer vier Listenmandate rechnen. Gesichert sein dürfte der Einzug von Spitzenkandidatin Annette Karl (Stimmkreis Neustadt/WN). Weiter im Rennen sind Uwe Bergmann aus Schnaittenbach (Stimmkreis Amberg-Sulzbach), die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild und Peter Wein aus Burglengenfeld, der im Stimmkreis Schwandorf für den scheidenden Landtagsabgeordneten Schindler antritt.

Aus dem Stand hofft die AfD, die 2013 bei den Landtagswahlen in Bayern nicht angetreten war, sich im ersten Anlauf auf den Landtag bis zu drei Mandate zu sichern. Nach den jüngsten Umfragen liegt die AfD landesweit immerhin bei 10 bis 11 Prozent. In der Oberpfalz kam sie zuletzt bei den Bundestagswahlen 2017 bei den Zweitstimmen auf 14,1 Prozent.

Bis zu drei AfD-Mandate?

Spitzenkandidat der Oberpfälzer AfD und damit gesetzt ist Roland Magerl aus dem Stimmkreis Weiden. Berechtigte Hoffnungen können sich außerdem Benjamin Nolte aus Regensburg auf Platz zwei der Bezirksliste und Stefan Löw aus dem Stimmkreis Tirschenreuth auf Platz drei machen. Bei den Freien Wählern sind Spitzenkandidat Joachim Hanisch (Stimmkreis Schwandorf) und der Zweitplatzierte auf der Oberpfalz-Liste, Tobias Gotthardt aus dem Stimmkreis Regensburg-Land die ersten Anwärter auf ein Mandat. Für Hanisch hatte es 2013 zunächst nicht mehr für den Einzug ins Maximilianeum gereicht, er rückte dann aber nach als Bezirkschefin Tanja Schweiger Landrätin das Landkreises Regensburg-Land wurde. Falls die Freien Wähler ein drittes Mandat hinzugewinnen, könnte dies auf Robert Riedl aus dem Stimmkreis Cham entfallen.

Für die Grünen kann Jürgen Mistol mit seinem Wiedereinzug rechnen, erste Anwärterin auf ein zweites grünes Mandat in der Oberpfalz wäre Anna Tomann aus dem Stimmkreis Tirschenreuth.

FDP und Linke wackelig

Falls die FDP landesweit die Fünf-Prozent-Hürde schafft und nach fünf Jahren Pause wieder in den Landtag einzieht, wäre Listenführer Christoph Skutella aus Weiden der erste Anwärter auf ein Oberpfälzer Mandat. Schafft die Linke erstmals den Einzug ins Maximilianeum, dann könnte der Oberpfälzer Spitzenkandidat Marius Brey aus Chamerau das Ticket nach München lösen. In der Oberpfalz kam die FDP vor fünf Jahren aber nur auf 3,1 Prozent und die Linke nur auf 2,1 Prozent.

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