16.08.2018 - 15:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Stunde Null beim FC Amberg

Der FC Amberg soll wieder sympathisch werden. Und er soll auf soliden wirtschaftlichen Füßen stehen. Einen neuen sportlichen Leiter und die Stärkung des Ehrenamts gibt der Mutterverein, der TV 1861, als weitere Devise für die Zukunft aus.

Im Stadion am Schanzl hat jetzt der TV Amberg das Regiment übernommen. Der Hauptverein, zu dem auch der FC Amberg gehört, ist nach eigenen Angaben wieder für die Vermarktung zuständig.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Sven Metzler ist vor einigen Monaten nach Amberg gekommen, um hauptamtlicher Geschäftsführer des TV Amberg zu werden. Er sollte sich hauptsächlich um den Betrieb im neu erworbenen Fitnessstudio Balance am Sportpark kümmern. Der Rest seiner Arbeitszeit war für die Verwaltung der insgesamt 17 Abteilungen des Vereins vorgesehen. Inzwischen aber nimmt die Sparte Fußball, die unter dem Namen FC Amberg firmiert, allein schon einen breiten Raum ein.

Metzler sitzt gemeinsam mit TV-Vize Wolfgang Wrosch bei einem Eiscafé und erzählt, wie sehr der FC Amberg sein Leben bestimmt. Nach dem Abstieg der Fußballer aus der Regionalliga ging es nicht nur sportlich steil bergab - derzeit kickt der Verein in der Bezirksliga. Finanziell, so sagen es Metzler und Wrosch, ist es ein Desaster. "Das Geld hätte schon in der Vorsaison nicht mehr für die Rückrunde gereicht", schildert Sven Metzler den Rahmen, in dem sich der FC Amberg bewegt, ohne konkrete Summen zu nennen.

Im März habe der TV die Nutzungsvereinbarung mit der Spielbetriebs KG gekündigt, inzwischen hätten vor allem die Rechtsanwälte das Sagen, wenn es um die Zeit geht, als noch Helmut Schweiger, Hubert Kirsch, Eddy Breiter oder Wolfgang Gräf die Köpfe des FC Amberg gewesen seien. "Viele unserer Sponsoren haben gekündigt", sagt Metzler und schildert vergebliche Kontaktaufnahmen von Firmen mit der Sportpark GmbH, die unter anderem für die Vermarktung des Stadions zuständig gewesen sei.

Nichts eingehalten

"Es sind Termine und Vereinbarungen mit Sponsoren nicht eingehalten worden, die daraufhin ihre Leistungen gekündigt haben", sagt Metzler unmissverständlich. Die Geschäftsführer der GmbHs aber seien für die Kunden und auch für ihn oder der Vorstand des TV sehr oft nicht greifbar, obwohl konkrete Termine mit ihnen ausgemacht würden. "Der TV 1861 könnte mit seinen Forderungen die sofortige Insolvenz des FC Amberg hervorrufen", macht Metzler deutlich. "Wir tun das aber nicht, weil wir nicht der Totengräber des FC sein wollen." Stattdessen geht der Blick in die Zukunft. Die mit der erneuten und vorübergehenden Übernahme der Verantwortung durch Werner Aichner schon begonnen habe. "Wir müssen dem Werner Aichner sehr dankbar dafür sein", so Wrosch und Metzler. Ohne den alten Haudegen, so sagen sie, würde es die Fußballsparte des TV wohl nicht mehr geben. "Laut Satzung übernimmt nun der Vorstand", machen die beiden deutlich. Was nichts anderes bedeute als einen Neustart unter der reinen Ägide des TV, ohne Ausgliederung und solche Ideen der Vergangenheit. "Und als erstes muss dieser dämliche Slogan 'Die Macht an der Vils' weg." Über den Mann oder die Frau, die künftig an der Spitze des FC stehen werden, wird in der Öffentlichkeit schon munter spekuliert. Endgültig ist da aber noch nichts, gibt Metzler zu verstehen. "Bis dahin wird Matthias Schmien weiterhin die 1. Mannschaft organisieren." Für den Jugendbereich haben die Verantwortlichen des TV Andreas Werner, Daniel Rohr und Danny Graf rekrutiert, um den steten Schwund an Spielern und Mannschaften aufzuhalten und ins Gegenteil zu verkehren.

FC geht es nicht gut

Denn der FC Amberg steht nicht gut da im Augenblick. Eine zweite Mannschaft existiert nicht mehr ("das war ein Fehler"), Schüler- und Jugendmannschaften umfassen gerade noch sieben Teams. "Da wollen wir wieder auf zwölf kommen." Wichtig ist Wolfgang Wrosch, dass die Finanzen wieder in Ordnung kommen. Das sei erste Voraussetzung für den Neustart. "Es herrscht ein Stück weit die Stunde Null", ergänzt Sven Metzler. "Denn es gibt nur noch zwei Möglichkeiten: Wir drehen den Schlüssel um und Ende oder wir bauen den FC nach und nach wieder auf." Diese Variante würde der Vorstand des TV bevorzugen. Angemerkt

Neuanfang mit TV 1861:

Der FC in der Zweiten Bundesliga - Wolfgang Wrosch erinnert sich noch sehr gut an die großen Worte, die nach dem Aufstieg der FC-Fußballer in die Regionalliga gesagt wurden. Doch statt einem Derby gegen den Jahn Regensburg geht es nun ein paar Nummern kleiner gegen den SV Raigering. Trotzdem sieht Sven Metzler den FC in der Zukunft als "soliden Bayernligisten". Erste Sponsoren hätten schon wieder zurück gefunden, so erzählt er. Beispielsweise, die Volks- und Raiffeisenbank, die allerdings ausschließlich in die Jugendabteilung investiere. Wichtig ist Metzler, dass die Vermarktung des Stadions jetzt in Händen des TV 1861 liege. Die Sportpark GmbH sei nicht mehr zuständig, der TV künftig im Namen aller Sparten tätig. (ass)

Hintergrund:

Was wird aus der Anzeigetafel?

Wäre da noch die Anzeigentafel. 2015 vom Jahn Regensburg gekauft und erweitert, steht sie im Stadion. Ob sie nicht funktioniert oder ob sie niemand bedienen kann - darüber gehen die Meinungen auseinander. Auch zum Thema, wem sie gehört. Die einen sagen, der damalige FC-Sponsor Helmut Schweiger habe sie bezahlt, andere reden von 50 Prozent Schweiger und 50 Prozent Sportpark GmbH. Anders sieht das Thema aber aus, wenn man annimmt, dass sie über ihr Fundament fest mit dem Stadion verbunden ist. In diesem Fall ist das Zivilrecht eindeutig: Dann ist die Stadt Amberg als Eigentümer des Stadions auch Eigentümer der Tafel. Klären wird diese Frage wohl irgendwann ein Gericht.

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