18.10.2018 - 14:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Tajik-Rally-Fahrer haben ein Abenteuer mit Inga und Else erlebt

Knapp 10.000 Kilometer sind der Amberger Moritz Termer und seine Freunde unterwegs: Nach 22 Tagen erreichen sie bei der Tajik-Rally das Ziel Duschanbe. Zurück kommen sie mit vielen eindrucksvollen Erinnerungen.

Ein Ortsschild gibt es nicht - dafür ein "Ich-liebe-Tadschikistan". Das ist natürlich ein beliebtes Bildmotiv für die Tajik-Rally-Fahrer um den Amberger Moritz Termer.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Am Schluss fällt es den vier Studenten richtig schwer, von Inge und Elsa Abschied zu nehmen: So hatten die Studenten die zwei Rostlauben, einen Hyundai und einen Kia, getauft. "Sie sind uns mit der Zeit ans Herz gewachsen." Die Autos werden nun für gemeinnützige Projekte der Caritas in Tadschikistan versteigert. Kinder, die auf der Straße leben, Frauen, die Arbeit suchen, und Buben, die Fußball spielen wollen, freuen sich, dass die deutschen Studenten die beiden Fahrzeuge in ihr Land brachten.

Und wie sie die zwei Fahrzeuge ins so weit entfernte Tadschikistan transportiert haben: Bei der Tajik-Rally bringen die Teilnehmer selbst alte Autos mit, damit diese für caritative Zwecke am Ziel veräußert werden. Sie hat keinen rennsportlichen Charakter. Start für die vier Freunde war Anfang September im niederbayerischen Hohenthann. Die zwei Autos waren bepackt mit Matratzen, Ersatzreifen und Essen. "Es war eine faszinierende Reise, die sich gelohnt hat. Wir haben wunderbare Landschaften und Menschen kennengelernt", sagt Termer, nachdem er wieder in Amberg angekommen ist. Mit nach Hause gebracht haben die Freunde den Wunsch, noch einmal bei einer solchen Rallye mitzumachen.

Rumänischer Dschungel

Der erste Halt ist die ungarische Hauptstadt Budapest. Nach etwas Sightseeing geht es immer weiter Richtung Osten. Zur Stippvisite bei Graf Dracula, der in Schloss Bran gelebt haben soll, danach entscheiden sie sich für die Transalpina. "Es hat so stark geregnet, dass wir uns fast wie im Dschungel gefühlt haben", erinnert sich Termer. Wunderschöne Bergstraßen, auf denen den Studenten auch Kühe und Esel begegneten. "Rumänien ist ein Land, das ich definitiv wieder bereisen will."

Hier erlebten die jungen Leute zum ersten Mal, dass Gastfreundschaft in vielen östlichen Ländern ein hohes Gut ist: Ein Bub schenkte ihnen Gemüse aus dem eigenen Garten. "Der Opa hat uns seinen selbst gemachten Wodka mitgegeben." Auch bei den Reparaturen, die immer wieder auf der 9500 Kilometer langen Strecke nötig waren, halfen ihnen die Menschen gern. "Diese Gastfreundschaft ist ganz ungewohnt gewesen."

Ein besonderer Augenblick war auch, als ein Automechaniker die jungen Leuten in Tadschikistan zu sich nach Hause einlud, wo sie übernachten durften. Am nächsten Morgen teilten sie sich mit der Familie Brot und Tee. "Wir saßen mit Kissen am Boden." Doch vorher verließen Termer und seine Freunde die heißen Temperaturen und den Sonnenschein im rumänischen Konstanza am Schwarzen Meer. Um weiter in die Ukraine zu kommen, mussten die vier eine kurze Etappe über Moldawien nehmen. "Dort sind die schlimmsten Straßen meines Lebens", ist Freund Clemens entsetzt. Die bekannten Städte Odessa und Kiew haben sie natürlich auch besucht.

In die karge Wüste

Im russischen Wolgograd, das früher Stalingrad hieß, sahen sie sich unter anderem die Ruhmeshalle an. "Hier brennt eine ewige Fackel zu Ehren der Soldaten, die gefallen sind. Alle Namen sind in den Wänden eingraviert." Ein sehr bewegender Moment. Welcher Ort tatsächlich der schönste war, will Termer gar nicht beantworten. "Das ist zu schwierig", sagt er nach einer Denkpause. Die Reise sei auch deshalb so reizvoll gewesen, weil "wir vom grünen Dschungel in Rumänien, in die karge Wüste gefahren sind".

Die einseitige Landschaft erwartete die jungen Leute in Kasachstan. Dort war es genau so, wie es die Studenten befürchtet hatten: Die Straßen, die eher Schotterpisten mit großen Schlaglöchern ähneln, brachten Inge und Elsa an ihre Grenzen. So setzte unter anderem der Auspuff des Hyundai in einem Schlagloch auf. "Er hing noch am Wagen, aber das Auto klang sehr sportlich", erzählt Termer lachend. Es kam noch dicker: Auch der Kia hatte mit einem Schlagloch zu kämpfen. Dabei verbog sich der Querlenker. Die Folge: Das rechte Vorderrad stand fünf Zentimeter weiter hinten im Radkasten. "Beim Bremsen und Lenken hat das Rad geschleift."

Nicht viel anders sollte es in Usbekistan werden. Dort riss der Unterboden des Hyundai ab. Bei 40 Grad Hitze, ohne Schatten und während der Staub ins Gesicht blies, befestigten sie den Unterbau mit Lochband und Kabelbinder provisorisch. "Wir mussten das Auto auf Reifen aufbocken", erinnert er sich. "Wir fühlten uns wie richtige Rallye-Fahrer."

Wilder Autoverkehr

Begeistert sind die Studenten noch immer vom usbekischen Samarkand. "Es ist wunderschön. Der Verkehr ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Ständig wird gehupt." Die Zeit reichte auch, um sich den Registan, einen der prächtigsten Plätze ganz Mittelasiens, anzusehen. Es stand schließlich der letzte Grenzübergang nach Tadschikistan an: "Nach 22 Tagen haben wir die Hauptstadt Duschanbe erreicht. Fünf Tage hatten wir noch bis zum Rückflug, Der erste Gedanke nach der langen Zeit bei uns war: Das kann es nicht gewesen sein." Ein kleines Abenteuer erfüllten sie sich, indem sie noch zwei Tage den Pamir-Highway befuhren. "Eine wunderschöne, bergige Landschaft."

Als die jungen Männer wieder in Duschanbe ankommen, wartete schon eine Zielparty der Veranstalter auf sie. Auch die anderen Rallye-Teilnehmer bekamen sie wieder zu Gesicht. "Es war sehr interessant, sich über die Erlebnisse auszutauschen." An jenem Abend beschlossen die vier Freunde: "Wir werden das wieder machen."Mehr zum Thema im Internet: www.onetz.de/themen/tajik-rally-2018

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