12.12.2018 - 14:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Taktisches Schweigen

Wer will schon gerne für Jahre hinter Gitter? Die drei Männer aus Litauen bevorzugen das große Schweigen. Kein Wort zu der Frage, ob sie mit in Amberg waren, als im Sommer 2017 der Juwelier Ioannis Tsavaris überfallen wurde.

Drei Angeklagte, Dolmetscherinnen, Strafverteidiger: Der Platz im Schwurgerichtssaal des Landgerichts auf der Seite der Beschuldigten ist gut gefüllt.
von Autor HWOProfil

Die drei Räuber kamen am 31. Juli 2017. Sie stürmten in den Juwelierladen von Ioannis Tsavaris in der Unteren Nabburger Straße, malträtierten den Mann auf übelste Weise und fügten auch dessen Ehefrau erhebliche Verletzungen zu. Dann türmte das Trio und wurde bei einer Großfahndung festgenommen. Zwei wertvolle Damenuhren, die aus dem Laden abhanden kamen, wurden später am Bahnhof gefunden.

Die mit Waffe, Handschellen und Klebeband ausgerüsteten Verbrecher wurden unterdessen von einer Jugendkammer des Landgerichts zu teilweise langjährigen Haftstrafen verurteilt und sitzen momentan in Strafanstalten. Von dort werden sie am heutigen Donnerstag nach Amberg vor die Erste Strafkammer gebracht und sollen gegen ihre auf der Anklagebank sitzenden Landsleute aussagen. Das dürfte spannend werden. Denn mutmaßlich sitzen da führende Mitglieder einer hoch kriminellen Vereinigung. Seltsam: Unterdessen haben europaweit verübte Raubüberfälle auf Schmuckgeschäfte ihr Ende gefunden.

Im Hintergrund

Dieser zweite Prozess in gleicher Sache sieht erneut drei litauische Männer auf der Anklagebank. Vladimiras K. (29), Vitalijus M. (33) und Dovidas S. (29) sollen ihre am 31. Juli 2017 bei Tsavaris in Aktion tretenden Komplizen nach Amberg gebracht und sie an den Tatort geschickt haben. Zwei dieser Verdächtigen waren mit europaweitem Haftbefehl in Litauen festgenommen und ausgeliefert worden. Sie wurden unmittelbar danach zum Prozess gegen die Räuber als Zeugen vor die Jugendkammer gebracht. Von einem hat man noch im Ohr, dass er die lange Reise von Litauen in die Oberpfalz sehr wohl einräumte. Der andere sagte damals nichts. Der dritte Verdächtige wurde erst längere Zeit danach in seiner Heimat verhaftet und überstellt. Jetzt schweigen alle drei. Ein sicher taktischer Schachzug mit dem Hintergrund: Man muss die Mittäterschaft bei einem besonders schweren Raubverbrechen erst nachweisen. Dass diese drei Litauer mit dabei waren, konnte der Juwelier Ioannis Tsavaris am ersten Verhandlungstag nicht sagen. Wie auch? Doch an eines erinnerte er sich und ließ das erst anklingen, als man ihn nicht danach fragte: "Vor meinem Geschäft stand in den Tagen zuvor zwei Mal ein Opel Zafira mit litauischem Kennzeichen." Um einen Wagen solchen Typs handelte es sich, in dem sechs Männer nach Deutschland einreisten.

Noch einmal vernommen

Ioannis Tsavaris (68) und seine Ehefrau wurden von Richterin Roswitha Stöber noch einmal zu allen Details des Verbrechens vernommen. Beobachter fragten sich, warum das unbedingt sein musste, obwohl sie doch die jetzigen Beschuldigten bei dem eigentlichen Überfallgeschehen gar nicht hätten sehen können. Die Antwort hat rechtliche Gründe: Jetzt sitzen Anwälte neben ihren Mandanten, die all diese Abläufe in ihren Einzelheiten bisher nicht kannten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.