20.08.2018 - 09:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Vom Tellerstapler zum Wagenschieber

Sommerferien - das ist nicht nur wochenlang schulfrei. Viele Schüler nutzen die Zeit, um sich etwas Geld dazu zu verdienen. Doch diese Arbeit ist nicht immer ein Zuckerschlecken - AZ-Redakteure erinnern sich an ihren schlimmsten Ferienjob.

Vor der Reise quer durch Europa heißt es im dunklen Kellerverlies: Teller stapeln.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Große Teller, kleine Teller, tiefe Teller, flache Teller - alle weiß und zweite Wahl. Eine ganz neue Erfahrung für einen 18-Jährigen, der bisher nur in der Glasindustrie Ferienerfahrung gesammelt hat. Jetzt also Bauscher Weiden, führende Marke in Hotelporzellan. Das Abitur ist in diesem Frühsommer 1981 erfolgreich bestanden, das Leben - oder vielmehr die Reise mit dem Interrail-Ticket quer durch Europa liegt noch vor dem Autor. Diesmal also Bauscher, der Porzellanriese, der zahlt ein paar Pfennig mehr in der Stunde als die Glashütte in Windischeschenbach. In einem dunklen Kellerverlies sollen für die nächsten vier Wochen Teller gestapelt werden. Immer vier Stapel nebeneinander, nach etwa 20 Tellern folgt eine Lage rostbraunes Packpapier.

"Hält garantiert", sagt der korpulente Abteilungsleiter. Hält garantiert nicht, lernt sehr schnell der Ferienarbeiter. Nur wenn super akribisch gestapelt ist, schafft man es bis zur niedrigen Kellerdecke. Ansonsten ergibt sich sehr schnell der Supergau in Porzellan und der nachfolgene Anschiss durch den korpulenten Abteilungsleiter. Der hat sehr helle Haut und wird immer so schön rot, wenn er sich aufregt, stellen die drei Ferienarbeiter fest, die sich im Keller ihr Zubrot verdienen.

Nach drei Wochen allerdings erfolgt die Versetzung an den Tunnel-Ofen. Nun heißt es, tonnenschwere Wagen auf Eisenbahnschienen quer durch ein große Halle schieben, damit das darauf gestapelte Porzellan gebrannt werden kann. Was zunächst als willkommene Abwechslung aus der Stapelhölle empfunden wird, erweist sich sehr schnell als verschärftes Straflager, das sich der korpulente Abteilungsleiter für den Ferienarbeiter hat einfallen lassen. Am ersten Abend danach tun alle Knochen weh, über den zweiten verlieren sich die Erinnerungen. Es ist der erste und einzige Ferienjob, den der Autor jemals in seinem Leben kündigt.

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