Der französische Schriftsteller Philippe Dijan sagte einmal: "Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler." In Amberg stellt sich mittlerweile nur die Frage: Wohin? Buchhandlungen gibt es in der Innenstadt inzwischen nämlich einige: Rupprecht, Brigitte Müller, Carl Mayr und Sabathil am Bahnhof. Mit Thalia ist nun eine weitere hinzugekommen.
Karlheinz Brandelik, der Chef der Amberger Wirtschaftsförderung, sagt: "Es ist zunächst vorteilhaft, wenn sich neue Unternehmen in Amberg niederlassen. Der Einzelhandel in Innenstädten wird zunehmend herausgefordert und verliert an Stärke." Die Tatsache, dass ein angesehenes Unternehmen wie Thalia sich hier ansiedele, zeuge von der Attraktivität Ambergs. "Dies führt zwar zu einer erhöhten Konkurrenz im lokalen Buchhandel, jedoch spiegelt dies die Prinzipien einer freien Marktwirtschaft wider."
Laufkundschaft ein Thema
Doch wie sehen die Buchhändler selbst diese Konkurrenz. Zuerst einmal betonen alle, dass sie etliche Stammkunden haben. Die werden nun wohl kaum den Buchhändler ihres Vertrauens wechseln. Brigitte Müller vom gleichnamigen Geschäft, das sie vor fast zehn Jahren eröffnet hat, sagt aber schon: "Einfacher wird es nicht." Durch den Online-Buchhandel werde der Umsatz schon geschmälert. Hinzu komme die Inflation, die vielen Menschen zu schaffen mache. Nun befürchtet sie, dass vor allem weniger Laufkundschaft den Weg in ihren Laden finden werde. Müller meint damit etwa die Ausflügler, die mit dem Zug in Amberg ankommen. Thalia hat für diese potenziellen Kunden einen enorm günstigen Standort: Direkt und gut sichtbar am Marktplatz.
Rosemarie Mayr hingegen sagt: "Ich denke, dass ich für Thalia viel zu klein bin, dass der mich sieht. Deswegen nimmt er mich gar nicht so wahr als Konkurrenz. Thalia ist auch für mich keine Konkurrenz." Die Einzelhändlerin erklärt, dass sie auch ein anderes Sortiment hat. Viele regionale Krimis etwa würden sehr gut gehen. Was sie ausdrücklich lobt, ist der Kulturpass. Der Bund stellte in diesem Jahr ein Budget von 200 Euro für alle zur Verfügung, die 2023 ihren 18. Geburtstag feiern oder feierten. Gekauft werden konnten davon Bücher sowie Karten für Festivals, Konzerte, Theater- oder Kino-Besuche. Über ihre Buchhandlung Carl Mayr sagt die Unternehmerin außerdem, dass sie mit den Auslagen im Schaufenster viele neugierig mache. Prinzipiell sei sie aber nicht auf Laufkundschaft angewiesen.
Maria Rupprecht hat in den vergangenen Jahrzehnten schon einiges in der Buchbranche durchlebt. Als Studentin wagte sie 1988 den Sprung in die Selbstständigkeit, eröffnete einen kleinen Laden von 33 Quadratmetern am Marktplatz in Vohenstrauß. Mittlerweile gibt es in Bayern und Baden-Württemberg über 50 Rupprecht-Filialen. Die Unternehmerin sagt über die Thalia-Eröffnung: "Veränderungen gibt es immer." Was verwundert: Rupprecht erzählt, dass es gerade "ziemlich gut läuft".
In Zeiten der Digitalisierung wachse die Sehnsucht nach dem Analogen. "Die Haptik und das Miteinander spielen da eine Rolle." Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 30 Jahren. Seit über einem Jahr stellt Rupprecht das vermehrt fest. "Die kaufen und informieren sich nicht nur, sondern die lesen auch", erklärt die Unternehmerin. Dabei ist es den jungen Kunden zunehmend egal, ob die Bücher auf Deutsch oder Englisch geschrieben sind – beides findet Absatz.
"Registriert und gespürt"
Rupprecht zeigt sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien selbstbewusst: "Im Internet gibt es kein Kauferlebnis. Der stationäre Buchhandel verschwindet nicht, sondern verändert sich." Dass in Amberg vor einigen Wochen Thalia eröffnet hat, findet Rupprecht nicht dramatisch: "In Amberg ist Platz für verschiedene Buchhandlungen. Wir arbeiten ja auch unterschiedlich." Sicherlich werde sich das bemerkbar machen. Als Hugendubel vor etwas über 15 Jahren direkt am Marktplatz eröffnet hat, habe man das auch "registriert und gespürt". Rupprecht vertraut aber auf ihr gewachsenes Unternehmen und ihre engagierten Mitarbeiterinnen.
Wohin künftig auch immer der Weg derjenigen führt, die gerne lesen. Sie haben in Amberg mittlerweile überhaupt keine Probleme mehr, wenn sie dem Glaubenssatz des Philosophen Friedrich Nitzsche folgen und ein Buch kaufen wollen: "Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."





















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