09.07.2018 - 18:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Therapie oder Verwahrung?

Der Angeklagte hat Grund zur Vorfreude. Denn statt in Sicherungsverwahrung wandert er möglicherweise in eine zweijährige Drogentherapie. Für eine Tat, die von krasser Brutalität gekennzeichnet ist.

Der Angeklagte wurde am ersten Prozesstag in Fußfesseln vorgeführt.

(hwo) An diesem zweiten Prozesstag gegen den 36-Jährigen, der am 11. Oktober vergangenen Jahres seine damalige Lebensgefährtin misshandelte und der Frau in deren Wohnung am Stadtrand schwerste Verletzungen beibrachte, beschäftigte sich die Erste Strafkammer des Landgerichts mit dem Vorleben des Mannes. Was dabei zutage trat, war ebenso unglaublich wie das jetzt zur Debatte stehende Verbrechen.

Seit seiner Jugend hinterließ der Angeklagte eine Blutspur. Wann immer er glaubte, Leuten eine Tracht Prügel verabreichen zu müssen, drosch er zu. Mit Fäusten, Füßen, Hiebwaffen. Menschen mussten notoperiert werden, erlitten Brüche, wurden wie Vieh behandelt. Manche leiden unter Dauerfolgen. Elf Vorstrafen. Eine im Tatbestand schlimmer als die andere. Dafür saß der heute 36-Jährige über Jahre hinweg im Gefängnis. Doch immer, wenn er herauskam, wurde er sofort wieder zum brutalen Schläger.

Drückende Beweislast

So wie am 11. Oktober 2017, als er seine Freundin ansatzlos so malträtierte, dass die wehrlose Frau (33) wie ein wandelnder Bluterguss aussah. Das alles ist erwiesen. Aber der 36-Jährige blieb auch am zweiten Prozesstag dabei: "Sie ist an diesem Abend schon mit den Verletzungen heimgekommen." Und die drei Steckdosenleisten, die er auf ihrem Körper in Einzelteile zerdrosch? "Die Reste lagen schon so da, als ich die Wohnung betreten habe."

Die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber gab ihm mehrfach Gelegenheit, unter drückender Beweislast zu gestehen. Doch sie stieß auf Granit. Im gleichen Zusammenhang erfuhr man auch, dass der Mann selbst während Knastaufenthalten aggressiv wurde und andere angriff. "Ein Problemhäftling", hieß es in einem verlesenen Bericht. Einer, der wahllos zuschlägt.

Und nun? Die Sicherungsverwahrung schwebte wie ein Damoklesschwert über ihm. Doch sie wird wohl nicht verhängt werden. Denn da ist seine Drogensucht. Und genau hier stellt der Gesetzgeber das Wohl eines Beschuldigten über den dauerhaften Schutz der Öffentlichkeit. Von dem Sachverständigen Thomas Lippert wurde die Rauschgiftabhängigkeit bestätigt und verdeutlicht, dass bei erfolgreicher Therapie die Gefahr weiterer Übergriffe minimiert werde.

Keine Geiselnahme

Das war ein deutlicher Hinweis auf das Urteil. Der zweite kam durch die Strafkammer. Sie ließ wissen, dass der Anklagevorwurf einer Geiselnahme im Hinblick auf die beängstigende und ausweglose Zwangslage des Opfers nicht haltbar sei. Was dann? Die Gewaltorgie sei wohl, so hörte man, "versuchte Nötigung mit Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung" gewesen.

Würde es zur Verhängung einer den Steuerzahler etwa 200 000 Euro kostenden Drogentherapie kommen, müsste der 36-Jährige zudem auch noch mit einer zeitlich begrenzten Haftstrafe rechnen. Doch deren Verbüßung könnte nach erfolgreichem Entzug zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Entscheidung fällt am Dienstag.

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Kommentare

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Roland Ruppert

Dieser Mann ist nicht therapierbar das hat er zur Genüge bewiesen
die Polizei hat ihre Arbeit getan und dann lässt man ihn wieder auf die Menschheit los
Sollte dies der Fall sein wird man in nächster Zukunft über einen Totschlag oder gar Mord verhandeln
Mein Mitleid gilt den Opfern

10.07.2018