26.07.2020 - 14:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Von Thomas Müller fehlt noch immer jede Spur

Zur Fußball-EM 2012 schuf Marcus Trepesch Porträts von berühmten Kickern. Zwei der Bilder wurden gestohlen. Eines ist für immer verschwunden, ein anderes tauchte auf kuriose Art aber relativ schnell wieder auf.

Weil das Bild von Thomas Müller verschwunden ist, malte Marcus Trepesch dieses Exemplar als Ersatz.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Marcus Trepesch interessiert sich für Fußball normalerweise nur peripher: "Bundesliga finde ich sterbenslangweilig." Bei großen Turnieren allerdings, also Europa- oder Weltmeisterschaften, ist der Amberger dann doch gelegentlich vor dem Fernseher zu finden. Dann sieht er sich die Spiele der Deutschen oder der Portugiesen an. Einen Lieblingsspieler hat der aktuelle Vorsitzende des A.K.-T.-Kunstvereins: Luis Figo. "Weil er so richtig ackern konnte und nicht so operettenhaft nach jedem Kopfball geguckt hat, ob die Frisur noch passt."

Im Auftrag des Vaitl-Wirts

Als ihn Norbert Eichenseer, der damalige Wirt des Wild-Vaitls, gebeten hatte, zur EM 2012 Porträts von legendären Fußballern anzufertigen, war der ehemalige Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft natürlich in Trepeschs Team. Das Gleiche gilt für Oliver Kahn, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Günter Netzer, Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Franck Ribéry, Pele, Andrea Pirlo, Zinedine Zidane, Ronaldo und Diego Maradona. Da Eichenseer in seinem Lokal die Spiele live per Publicviewing übertrug, wollte er das entsprechende Ambiente in Form einer Ausstellung an den Wänden haben. Hinzu kamen, das gibt Marcus Trepesch offen zu, kommerzielle Gründe. Soll heißen: Wer wollte, konnte die Kunstwerke kaufen.

Porträts von "echten Typen"

Bei der Auswahl, welche Spieler er verewigen wollte, bediente sich Trepesch nicht an aktuellen Kaderlisten, sondern nahm eher andere Kriterien in die Wertung: "Es mussten schon interessante Gesichter sein, die sich gut malen lassen. Gesichter von echten Typen." Oliver Kahn, zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre im sportlichen Ruhestand, durfte da natürlich keineswegs fehlen. Dann kam der Tag, an den sich Markus Trepesch noch sehr gut erinnert. Bei einem Spiel der deutschen Elf war das Vaitl gerammelt voll, die Kunstwerke gerieten zur Nebensache und waren aufgrund der vielen Menschen nicht mehr zu sehen. Nach dem Spiel kam das böse Erwachen: Das Porträt von Oliver Kahn war weg, aber fast schon in Sekundenschnelle wieder da. Wie kam's? "Zwei 17-Jährige haben es in ihrem angetrunkenen Zustand einfach mitgenommen", erzählt der Künstler, der noch weiß, dass die Täter nicht weit gekommen sind. Weil sie das ein mal einen Meter große Werk offen bei sich trugen, fielen sie in der Seminargasse, also nur wenige Meter vom Tatort entfernt, zivilen Einsatzkräften der Polizei auf. "Sie erkannten das Bild sofort, weil sie den Bericht darüber einige Tage zuvor in der Amberger Zeitung gelesen hatten." Also stoppten die Beamten die Jugendlichen und fragten sie, ob sie das Kahn-Konterfei eventuell gekauft haben. Trepesch: "So weit ich weiß, sind die beiden Jungs relativ schnell eingeknickt und haben alles zugegeben."

Vater entschuldigt sich

Das Wort Diebstahl vermeidet der Künstler an dieser Stelle der Geschichte: "Mei, es hat ihnen halt gefallen, und dann haben sie es einfach mitgenommen. Die waren hacke dicht." Das Bild kam also postwendend wieder zurück ins Vaitl. Und Marcus Trepesch erhielt am nächsten Tag einen Anruf der Gesetzeshüter: "Sie haben mich gefragt, ob ich Anzeige erstatten will. Das habe ich nicht. In dem Alter baut man halt mal Scheiße. Das war ja auch kein Akt des Vandalismus und das Bild war auch nicht kaputt. Ich wollte nicht, dass die beiden als internationale Kunstdiebe gelten." Kurz darauf meldete sich der Vater eines 17-Jährigen: "Er hat angerufen und war ziemlich zerknirscht. Er hat sich für seinen Sohn entschuldigt und gesagt, dass er das Bild gern kaufen würde. Also nicht er, sondern sein Sohn. Das müsse der jetzt machen und selbst bezahlen."

Das Objekt der Begierde: Dieses Porträt von Oliver Kahn ließen zwei 17-Jährige mitgehen. Doch weit kamen sie damit nicht.

Schnelle Polizei

Schon ein paar Stunden später ging der Deal nun offiziell über die Bühne. Marcus Trepesch erinnert sich daran, dass er dem jungen Mann preislich sogar noch entgegenkam: "Ich hab's ihm relativ billig gegeben." Was aus dem Kahn-Konterfei danach geworden ist? Der Künstler weiß es nicht und kann nur vermuten: "Wenn sie es nicht übermalt haben, wird es schon noch irgendwo in einem Zimmer hängen." Eine Kuriosität am Rande: Der Vater des 17-Jährigen hatte regelmäßig beruflich mit Trepeschs Mutter zu tun. Man kannte sich also, was den Künstler entspannt mit dem Diebstahl umgehen ließ: "Ich habe damals schon darüber lachen können." Die Polizisten seien damals vermutlich froh gewesen, den Fall so schnell klären zu können. Zwei Jahre später gelang das den Ordnungshütern und dem zuarbeitenden Kommissar Zufall aber nicht.

Der nächste Kunstraub

Während der Fußball-WM 2014 verschwand das Porträt von Nationalspieler Thomas Müller. Bis heute gibt es keinen Hinweis auf den Verbleib: "Vielleicht kann man ja jetzt noch zur Fahndung aufrufen", sagt Marcus Trepesch und versteht das als Scherz, denn: "Letztlich sehe ich das als eine Art Kompliment und nicht als Kunstkritik, dass sich einer gedacht hat: ,Das Bild ist so schlecht, das muss unbedingt weg'."

Marcus Trepesch.

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