19.07.2020 - 08:55 Uhr
AmbergOberpfalz

So war das damals mit Nicolas Cage im Café Zentral

Nein! Doch! Schon! Ich glaub' nicht! Echt jetzt? Nö, oder? Das Personal im Café Zentral war ziemlich irritiert, als am 18. Februar 2006 ein noch nie zuvor gesehener Gast das Lokal betrat. War das tatsächlich Hollywood-Star Nicolas Cage?

Oscar-Preisträger Nicolas Cage war von 2004 bis 2016 mit der 19 Jahre jüngeren Alice Kim verheiratet. 2006 waren sie gemeinsam in Amberg.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Steffi Renner, die damals noch ihren Mädchennamen Ruppert trug und im Amberger Cefé Zentral bediente, erinnert sich an diesen verregneten Samstag, als ob es gestern gewesen wäre: "Ich habe im ersten Stock an der Theke gearbeitet, als plötzlich meine Kollegin Maria zu mir kam und sagte: ,Das ist doch der Hollywood-Star!'" Sie hatte wenige Augenblicke zuvor die Bestellung eines Mannes entgegengenommen, der ihr bekannt vorkam: "Das ist doch der Schauspieler aus dem Film ,Stadt der Engel'." Maria, Steffi und die anderen aus der Schicht wagten zaghafte Blicke ums Eck und waren sich nicht sicher. "Uns ist der Name nicht eingefallen", sagt Steffi Renner und muss mit dem Wissen von heute lachen, wenn sie erzählt, dass Kollegin Maria damals ihren Bruder Paul anrief, um Licht ins Dunkel zu bekommen.

Paul wusste sicher, dass Nicolas Cage gemeint war, der 1996 den Oscar als bester Hauptdarsteller in "Leaving Las Vegas" gewonnen hatte. Doch Steffi zweifelte damals zunächst am Promi-Faktor des Mannes und der drei Begleitpersonen, die sie noch nie zuvor gesehen hatte: "Die waren total unauffällig, hatten nicht reserviert und haben sich einfach so in die Menge gesetzt" - was völlig unüblich für Stars dieses Kalibers sei. Denn weitaus weniger bekannte Darsteller, die am Amberger Stadttheater engagiert und Gäste im Café Zentral sind, würden schon mal deutlich zu erkennen geben, um wen es sich bei ihnen handelt: "Das kannst du die Bestellung nur aufnehmen, wenn die gerade Redepause einlegen."

Nicolas Cage am 18. Februar 2006 im Café Zentral: Von dem Besuch existiert nur dieses Handy-Foto.

In einfachen Gummistiefeln

Nicht aber Nicolas Cage, dessen damalige Frau Alice Kim ebenfalls mit von der Partie war. Die damals 22-Jährige habe aber nicht wie die Frau eines absoluten Weltstars gewirkt. Steffi Renner erinnert sich: "Sie hatte ganz einfache Gummistiefel an", und nicht etwa sündhaft teure Designermodelle: "Das war ja so irritierend." Und noch eine Begebenheit verstärkte den Eindruck, es könnte sich um Gäste handeln, die nicht unbedingt regelmäßig mit der Hautevolee auf den Roten Teppichen dieser Welt unterwegs sind.

Als die Frau aus der Gruppe im ersten Stock auf die für nur eine Person konzipierte Toilette ging, habe sie vergessen, die Tür zu verriegeln. Das konnte der Gast danach, der ebenfalls mal musste, nicht wissen. Und so kam es auf engstem Raum zu einer unerwarteten Begegnung. Für viele wäre das eine peinliche Situation gewesen, laut Steffi Renner aber nicht für Alice Kim: "Die war da auch total entspannt." Als ihr Begleiter seine bestellten sauren Bratwürste bekam, sorgte Bedienung Alex endgültig für Klarheit: "Er ist es! Das ist Nicolas Cage." Alex sei es auch gewesen, der sich als einziger traute, nach einem Autogramm zu fragen - Cage kam der Bitte nach und wurde vom Personal danach weitestgehend in Ruhe gelassen: "Wir wollten ja, dass er sich wohlfühlt und nicht von allen bombardiert wird."

Angemessenes Trinkgeld

Allmählich sprach sich aber herum, wer da zu Gast war: "Es ist plötzlich immer voller geworden und die Leute sind immer aufmerksamer, fast schon aufdringlich geworden. Er ist aber immer nett geblieben. Andere wären da ausgeflippt." Doch Nicolas Cage habe sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen: "Er war nett, ruhig, zuvorkommend und hat uns auch angemessen Trinkgeld gegeben." Nach über einer Stunde sei der Spuk aber schon wieder vorbei gewesen: "Wie er gekommen ist, so ist er gegangen. Keine Security, keine Bitte, einen Hinterausgang benutzen zu dürfen, nichts." Steffi Renner bringt es aus ihrer Sicht auf den Punkt: "Er war wirklich total sympathisch und hat null Aufhebens um seine Person gemacht. Er hatte nicht mal Autogrammkarten dabei."

Warum sich Nicolas Cage vor 14 Jahren in Deutschland aufhielt, ist längst geklärt. 2006 erwarb er das Schloss Neidstein bei Etzelwang, in das er aber nie einzog. Nur drei Jahre später verkaufte der Schauspieler das Anwesen wieder. Was Steffi Renner stutzig macht: In seinen drei Jahren als Schlossherr schaffte es Nicolas Cage aber nur dieses eine einzige Mal ins Zentral: "Wir haben ihn danach nie wieder gesehen."

Ganz banaler Grund?

Vielleicht, so vermutet die zweifache Mutter, die immer noch in dem Café tätig ist, hat es für diesen Amberg-Besuch am 18. Februar einen ganz banalen Grund gegeben: "An dem Tag hat's geregnet. Vielleicht waren sie ja tatsächlich in Amberg, um Gummistiefel zu kaufen. Wer weiß das schon?"

Jetzt kann sie’s ja erzählen: Als Nicolas Cage am 18. Februar 2006 im Zentral auftauchte, wussten die Bedienungen um Steffi Renner nicht, wie ihnen geschieht.

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