Tim ist gerade erst aufgestanden vom Mittagsschlaf und braucht ein bisschen Zeit, um aufzutauen. Dann aber will er von Mamas Schoß. Er schnappt sich seinen Kinderstaubsauger, um erst im Wohnzimmer sauber zu machen und dann auf der Terrasse. Dann bringt er ein Kinderbuch nach draußen. Dann das nächste. Ganz normal für einen Einjährigen, der gerade die Welt entdeckt. Doch Tim ist schwer krank. Im Februar hatte sich herausgestellt, dass der Bub Leukämie hat. Seitdem ist für die vierköpfige Familie aus Karmensölden, einem Stadtteil von Amberg, nichts mehr, wie es war.
Im Januar hatten alle noch fröhlich Tims ersten Geburtstag gefeiert. Doch dann wollte Tim, der gerade erst Laufen gelernt hatte, plötzlich nicht mehr laufen. Dass er Fieber hatte und quengelig war, führten seine Eltern auf alles mögliche zurück: auf die Impfung kurz zuvor, auf die vier Zähne, die gleichzeitig kamen. Als es sich nicht besserte und Wassereinlagerungen hinzukamen, gingen die Friedrichs mit ihrem Kind wieder zum Arzt. Der überwies sie ins Krankenhaus. Nach einer Stunde bekamen die Eltern dort die Schock-Diagnose: "Ihr Kind hat Leukämie." Ein Rettungswagen brachte Tim in Begleitung seiner Mama Katharina in die Regensburger Uniklinik. Lukas Friedrich fuhr nur kurz nach Hause, wo die Oma auf Tims großen Bruder Leon (9) aufpasste, und machte sich dann auch auf den Weg nach Regensburg. Nach dreieinhalb Wochen durfte Tim das erste Mal wieder nach Hause. "Gefühlt waren wir das letzte halbe Jahr durchgehend in der Klinik", sagt seine Mama.
Unvorstellbar für Nicht-Betroffene
Was die Familie durchmacht, können sich Nicht-Betroffene nicht vorstellen. Katharina und Lukas Friedrich kennen die Statistik bei Leukämie im Kindesalter: Rückfall-Quote von 30 Prozent und Fünf-Jahres-Überlebenschance von 90 Prozent. "Das hat man schon im Hinterkopf", sagt Lukas Friedrich. "Jeder Dritte kommt wieder und von zehn Kindern mit Leukämie schafft es eines nicht." Tims Krebstherapie wird insgesamt zwei Jahre dauern. In regelmäßigen Abständen muss er stationär in die Klinik. Im August ist Leon, sein großer Bruder, neun Jahre alt geworden und darf seitdem auch zu ihm ins Krankenhaus, um ihn zu besuchen.
Die Familie lebt seit der Krebsdiagnose ihres Jüngsten sehr isoliert. Weil die Chemotherapien sein Immunsystem schwächen, ist jeder Keim, den er sich einfängt, sehr gefährlich für ihn. Das reduziert die sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum. Die Großeltern können ihren kleinen Enkel nur besuchen, wenn sie "ganz sicher gesund" sind und Tims Blutwerte stimmen. "Und dann am liebsten draußen", sagt Katharina Friedrich. Auch Tim ist gerne draußen, "da ist er immer total happy, wenn er raus darf", sagt seine Mutter, die aber höllisch aufpassen muss, dass Tim nicht so in der Sonne ist. Während ihr kleiner Sohn mit seinem Mini-Staubsauger auf der Terrasse hantiert, huscht sie nach drinnen, um seinen Sonnenhut zu holen.
Vieles nicht mehr möglich
Verständlich, dass die Familie übervorsichtig geworden ist. Die zweifache Mutter erzählt, dass sie erschrickt, wenn sie beim Einkaufen ist, in eine Regalreihe will und dort jemand hustet. Dann schiebt sie ganz schnell mit dem Einkaufswagen weiter. Dass alle miteinander einkaufen, daran ist sowieso nicht zu denken. Ins Restaurant gehen, Feste besuchen, Ausflüge machen, mit Freunden feiern, Einladungen annehmen, andere zu sich einladen: All das ist nicht drin. Darunter leidet vor allem Leon. Dem Ehepaar tut es sehr weh, dass er wegen Tims Erkrankung so oft zurückstecken muss. Auch ist der Neunjährige alt genug, um zu begreifen, was die Diagnose Leukämie bedeutet.
Aktuell sammelt Tims Familie Spenden auf dem Internet-Portal GoFundMe www.gofundme.com/f/tim-kampft-gegen-leukamie-wir-kampfen-mit-ihm. Dort schildert sie ausführlich den Weg von der Schockdiagnose bis heute, erklärt, dass ihr Sohn seit März nach dem aktuellen Therapieprotokoll für Kinder mit akuter lymphatischer Leukämie behandelt wird. Inzwischen habe Tim bereits mehr als 30 einzelne Chemotherapien hinter sich – "dazu zahlreiche Untersuchungen, Blutabnahmen, Transfusionen und viele Tage und Nächte im Krankenhaus".
Spendenziel sind 35.000 Euro
"Wir wollten das eigentlich nie", betonen die Eltern über den Spendenaufruf. Lange haben sie mit sich gerungen, überhaupt um finanzielle Hilfe zu bitten, aber es gehe einfach nicht mehr anders. Die Eltern wechseln sich bei Tims Krankenhaus-Aufenthalten ab, die Ersparnisse seien aufgebraucht, beide können aufgrund der Situation (Krankenhausaufenthalte mit Tim, Betreuung seines großen Bruders, Ambulanztermine, Fahrten nach Regensburg etc.) derzeit nicht arbeiten – und vor der Familie liegt noch ein weiter Weg.
Das Spendenziel sind 35.000 Euro. Innerhalb von wenigen Tagen sind bereits 10.172 Euro für den kleinen Buben und seine Familie eingegangen (Stand 17. September), die sich aus 223 Einzelspenden zusammensetzen. Zwei mal 1000 Euro und einmal 500 Euro waren die bislang höchsten Einzelspenden. Wer die Spenden-Plattform GoFundMe nicht nutzen will, kann Tim und seine Familie auch per Überweisung auf das Konto seines Vaters Lukas Friedrich bei der VR-Bank Amberg-Sulzbach (Iban: DE88752900000042562588) mit dem Verwendungszweck "Spende für Tim" unterstützen.

























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