20.09.2019 - 17:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Tipps für Pilze: Auf der Pirsch nach Schwammerln

Wer vom Pantherpilz gekostet hat, hat noch etwa eine Viertelstunde Zeit, um Hilfe zu holen. Danach wird's kritisch. Auch um dieses Schwammerl ging es bei einem Pilze-Seminar im Hirschwald.

von Carolin Maul Kontakt Profil

„Ob wir wohl ein paar Pilze finden…?“ Mit diesem Gedanken treffe ich am Samstag beim gemeinsamen Treffpunkt zum Pilz-Seminar am Waldhaus im Hirschwald ein und werde freundlich begrüßt. Herbert Baumanis, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, hat natürlich vorgesorgt. Bereits am Tag vorher ist er den Rundgang abgelaufen und hat nach interessanten Pilzen Ausschau gehalten.

Mit leeren Körben geht es über einen Waldweg hinein in den Hirschwald. Jeder kann den Spaziergang gestalten, wie er möchte. Man kann allein ausschwirren oder sich lieber in der Nähe von Baumanis aufhalten, um ein paar Insidertipps erhaschen. Das Ziel: Jeder sammelt etwa fünf verschiedene Pilze. Anschließend werden die Funde gemeinsam untersucht und besprochen. „Es gibt über 100 Arten von Pilzen hier im Wald“, erzählt Baumanis während wir den Waldweg entlanglaufen. Plötzlich bleibt er stehen. Er zeigt links neben sich in den Wald: Zwischen zwei Bäumen hat er ein paar Stockschwämmchen entdeckt. „Ein guter essbarer Pilz.“ Aber Vorsicht, es gibt ungenießbare Doppelgänger.

Die Bilder zum Expertenrundgang

Baumanis rät den Teilnehmern, keine essbaren Pilze mit giftigen Pilzen im gleichen Korb zu sammeln. Ein paar Meter weiter wächst schon das nächste Exemplar. „Das sieht ja verrückt aus“, denke ich mir. Es handelt sich um ein sogenanntes Hexen-Ei. Wie der Name schon verrät, sieht es aus wie ein kleines weißes Ei. Baumanis erklärt eifrig: Aus dem Ei wächst später erst der richtige Pilz, die Stinkmorchel. Das Hexen-Ei ist essbar, es riecht und schmeckt ähnlich wie Rettich. Die Stinkmorchel hingegen ist ungenießbar, was der unangenehme Geruch schon vermuten lässt.

Nachdem wir etwas weitergelaufen sind erreichen wir einen Baum, den Baumanis mit einer Schnur markiert hat und verlassen den Waldweg. Nun schwirren alle eifrig zwischen den Bäumen umher. Die 22 Teilnehmer geben ein gemischtes Publikum ab: Männer und Frauen, von jung bis alt sind alle höchst interessiert dabei. Das Seminar ist nicht nur für Anfänger geeignet, sondern auch ideal für Fortgeschrittene. „Die meisten Laien sammeln meist immer nur etwa fünf Pilzarten“, sagt Baumanis. Überall finden sich verschiedene Pilze. Eine Dame sammelt nur ungenießbare und giftige Pilze. „Ich möchte in Zukunft wissen, welche ich nicht mehr sammeln sollte“, lacht sie.

Die Äste unter unseren Füßen knacken während wir durch den Wald laufen und die Blicke schweifen eifrig über den Boden hin und her. Es riecht angenehm nach Moos und die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch die Äste. Nach einer Weile erreichen wir wieder einen Waldweg. Diese sind laut Baumanis ein guter Ort, um nach Pilzen zu suchen. Links und rechts davon staut sich das Wasser und wo es wasserreich ist, sind auch Pilze. Auch an ungeschützten Stellen wachsen oft Pilze, weil die Äste dort den Regen nicht so abfangen.

Die Teilnehmer sind sehr motiviert. Sie lesen Pilze auf und befragen Baumanis neugierig nach der Sorte. „Das weiß ich nicht. Genau hinschauen!“, antwortet er immer. Später erzählt er, dass er oft schon erkenne, um welchen Pilz es sich handelt, doch dass es sehr wichtig sei, die Pilze immer im Ganzen und genaustens unter die Lupe zu nehmen, um die Art sicher bestimmen zu können.

Nach etwa einer Stunde sind wir pünktlich am Waldhaus zurück. Dort erwarten uns Tische, die in U-Form aufgereiht sind. Kartons mit Pilzen als Beispiele sind darauf platziert. Nun sortieren alle ihre gesammelten Exemplare in den Kisten. Es wird eifrig spekuliert, welche der Pilze denn nun essbar wären. Denn darum geht es den meisten: Welche Pilze machen sich gut auf meinem Teller? Wenn es heißt: „den Pilz kann man essen“, dann ist das ein kleines Erfolgserlebnis für die Teilnehmer. Nachdem alle Körbe wieder leer sind erklärt Baumanis in einer Runde um die Tische die wichtigsten Fakten rund um die verschiedenen Pilze.

Als einer seiner Lieblingspilze an der Reihe ist, der Flockenstielige Hexenröhrling, staunt die Gruppe. Baumanis schneidet den Pilz in zwei Hälften und die gelbe Innenseite verfärbt sich sofort bläulich. „Oft verfärben sich Pilze, wenn sie an Sauerstoff kommen. Nachdem er gekocht wurde, verschwindet die blaue Farbe. Aber Vorsicht! Roh ist der Pilz giftig“, erklärt der Pilzsachverständige, „Niemals Pilze roh essen!“ Wir dürfen die Schwammerln anfassen, daran drücken und riechen. Der Geruch einer Sorte erinnert mich an den Kartoffelkeller meiner Oma und eine andere duftet lecker nach Anis. Drückt man mit den Fingern unten in Maronenröhrlinge, verfärbt sich die gelbliche Unterseite blau.

Baumanis zeigt einen Teil der wichtigsten Giftpilze: Der Pilz des Jahres 2019, der giftige grüne Knollenpilz mit seinem grünen Messingglanz, den weißen Lamellen und der leichten Schlangenhaut am Stiel duftet eigentlich angenehm nach Honig. Der Pantherpilz mit seinen weißen Flocken hat zum Verwechseln ähnliche essbare Doppelgänger und ist wegen seines Nervengiftes tödlich giftig. Sollte man aus Versehen einen Pantherpilz erwischt haben, setzen die ersten Anzeichen nach etwa 15 Minuten ein und man sollte sich schnell um das Gegenmittel bemühen. Hilfe bietet unter anderem die Giftnotrufzentrale (089/19240).

Den klassischen roten Fliegenpilz konnten wir natürlich auch begutachten. Ein Teil der Gruppe möchte die Erinnerungen festhalten und macht Fotos für den nächsten Ausflug in den Wald. Baumanis empfiehlt, sich im Zweifel nicht nur auf Fotos zum Beispiel in Büchern oder diversen Apps zu verlassen. „Wenn ihr euch nicht zu hundert Prozent sicher seid, lasst den Pilz lieber stehen. Es gibt so viele essbare Pilze, warum dann Russisch-Roulette spielen und etwas riskieren?“

Info:

Tipps vom Pilzsachverständigen

1. Rohe Pilze nicht essen! Einige Pilze sind nur durchgebraten genießbar.

2. Erstmal auf Röhrlinge beschränken – Keiner der Röhrlinge ist richtig gefährlich. Außer der

Satanspilz, aber der wächst bei uns nicht.

3. Finger weg von Lamellen, vor allem von weißen.

4. Sich über die wichtigsten Giftpilze informieren und diese gut kennen.

5. Nicht auf Bücher und Apps verlassen. Verwechslungsgefahr ist oft sehr hoch und nicht über Fotos zu erkennen.

6. Nichts riskieren! Wenn man sich nicht sicher ist, Pilze lieber stehen lassen.

7. Bekannte Zwiebelkoch- und Silberbesteckregeln sind Unsinn!

8. Gesammelte Pilze Experten zeigen und nachfragen.

9. Übung macht den Meister – Wanderungen mit ausgebildeten Pilzfachmännern machen.

10. Wo suchen? In den Wäldern um Waldhaus gibt es sehr vielfältige Pilze.

11. Unbekannte Pilze im Ganzen mitnehmen – nur so ist eine genaue Identifikation möglich.

Lieblingsrezept von Herbert Baumanis :

Saurer Pilztopf

Zuerst verschiedene frische Pilze verlesen. Nicht waschen - lieber mit einer Bürste oder einem feuchten Tuch säubern, falls nötig. Zwiebeln in einer Pfanne in heißem Fett andünsten lassen und die Pilzmischung dazugeben. Anschließend mit einer leichten Brühe aufgießen und für etwa 30 Minuten köcheln lassen. Etwas Essig dazu und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dazu leckere Knödel oder Kartoffelstampf. Guten Appetit!

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