29.06.2020 - 15:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Tod von Katze auf Straße: Alt-Eglseerin geht gegen Raser vor

Eigentlich ist Alt-Eglsee eine dörfliche Idylle am westlichen Amberger Stadtrand. Wenn dort nur die Autos nicht so schnell unterwegs wären, sagt Anna Gansel. Der Verkehr hat jetzt auch ihren Kater Nelson das Leben gekostet.

Aus Richtung Amberg kommen oft Autos, die zu schnell durch Alteglsee fahren, sagt Anna Gansel.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Klagen der Einheimischen, dass die Autos in der kurvigen Ortsdurchfahrt von Alt-Eglsee – auf einer Straße ohne Gehsteige – viel zu schnell unterwegs sind, sind nicht neu. 2018 führten sie dazu, dass die Stadt in der ganzen Ortschaft eine Tempo-30-Zone einrichtete.

Zur Einrichtung der Tempo-30-Zone in Alt-Eglsee

Amberg

Aber immer noch seien dort viele Raser unterwegs, die sich nichts um die Geschwindigkeitsbegrenzung scherten, sagt Anna Gansel. Die 75-Jährige wohnt direkt an der Ortsdurchfahrt und hat durch den Verkehr jetzt auch ihren Kater Nelson verloren.

Am 6. Juni war es, da wurde die ein Jahr alte norwegische Waldkatze von einem Auto erfasst. Sie überlebte die Kollision nicht. Was Anna Gansel wütend macht, ist aber vor allem das Verhalten des Autofahrers nach dem Zusammenstoß mit dem Tier: Er stieg aufs Gas und brauste davon.

"Wirklich schlimm"

"So etwas ist wirklich schlimm", sagt die Seniorin, die sehr an der Katze hing ("sie war ein Findelkind, meine Tochter hat sie gefunden"). "Da fährt jemand einfach weiter und gibt nicht einmal Bescheid, dass was passiert ist." Es hätte jedem klar sein müssen, dass die Katze zu einem der umliegenden Häuser gehört. Und es wäre nicht zu viel verlangt gewesen, sich kurz zu erkundigen, findet sie. In der Nachbarschaft wisse man sehr wohl, welche Katze zu welchem Haushalt gehört.

Anna Gansel will die Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen. Sie hat schon bei der Verkehrsüberwachung angerufen und von dort die Zusage erhalten, dass man bei Gelegenheit in Alt-Eglsee ein Blitzgerät aufstellen werde. Außerdem hat sich die 75-Jährige über die rechtlichen Folgen kundig gemacht und herausgefunden, dass jemand, der eine Katze überfährt und anschließend einfach verduftet, wegen Fahrerflucht angezeigt werden kann.

Bitte Schale wieder zurückbringen

Fast genauso wie über den Tod ihrer Katze ärgert sich Anna Gansel über das, was später folgte: Die Seniorin hatte ihrer Trauer um Nelson nämlich mit einer Gedenkschale am Ort des Unfalls Ausdruck gegeben. "Die haben wir in einem Baumstamm integriert – aber sie ist dann geklaut worden."

Sie appelliert an den oder die Täter: "Sie sollen die Schale wieder zurückbringen, bitte, bitte." Das sei kein Abfall gewesen, sondern eine Erinnerung an Nelson. Darum gehe es ihr, nicht um den materiellen Wert. "Sie sollen die Schale bitte einfach wieder hinstellen, ich will auch gar nicht wissen, wer es war", sagt Anna Gansel. Irgendwo glaubt sie doch noch an das Gute im Menschen.

Nachgefragt:

Unfallflucht nach Kollision mit Tier?

Macht man sich tatsächlich der Unfallflucht schuldig, wenn man auf der Straße eine Katze überfährt und das weder der Polizei noch dem Besitzer meldet? Ja, sagt Erster Polizeihauptkommissar Hans-Peter Klinger von der Polizeiinspektion Amberg. Die Bestimmungen des Paragrafen 142 im Strafgesetzbuch (Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort) seien auch auf so einen Fall anzuwenden.

Vereinfacht ausgedrückt, besage diese Regelung: Wer mit seinem Auto einen Schaden anrichtet, ist verpflichtet, die Art seiner Beteiligung an dem Vorfall kundzutun. Dann stelle sich die Frage, ob es eine schuldhafte Beteiligung gewesen sei.

Andersherum könne auch der Besitzer eines Haustiers zu Schadenersatz verpflichtet sein, wenn durch den Zusammenstoß ein Schaden am Auto entstanden sei. In der Praxis der PI spielten aber Anzeigen, nachdem eine Katze die Kollision mit einem Kraftfahrzeug nicht überlebt habe, keine große Rolle, sagt Klinger: "Das kommt nur ganz selten vor." (ll)

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Hans Weber

Ende 2017 verloren wir unsere Katze und Familienmitglied nach 10 Jahren, gestorben eines "natürlichen Todes".

Als ich dann letztes Jahr im Landkreis morgens auf den Weg zur Arbeit eine Katze auf der Bundesstraße überfuhr, wendete ich ich kümmerte mich um das tödlich verletzte Tier in seinen letzten Minuten.

Der Tod unseres Vierbeiners kam dann wieder hoch vor dem geistigen Auge.

Ich rief die Polizei um diesen Unfall zu melden.

Zwei mal bekam ich am Handy die Aussage: "was, wegen einem Katzenunfall sollen wir extra vorbeikommen ? ". Da kann man sich schon denken, wie man dort auf eine PI so "tickt", wegen dieser Bagatelle.

Die beiden Polizisten haben dann ohne große Bemühungen sich dann wieder von dannen machen wollen, ich forderte eine ordentliche Unfallaufnahme und den Namen des Beamten zu Sicherheit. Ich hatte zudem nur ein Tastenhandy und konnte keine Foto für die Versicherung machen, die Beamten verweigerten ein Foto zu machen, und ich konnte extra nochmals nach Hause zurückfahren, um einen Fotoapparat zu holen. Soweit zum "dein Freund und Helfer".

Erstens wurde mir nicht geholfen, zweitens suche ich mir meine "Freunde" selber aus.

Zu dieser Zeit wusste ich noch nicht, dass "Schäden am Pkw durch Tiere aller Art" über die Teilkasko abgedeckt waren.

Am Nachmittag bin ich dann alle Häuser an diesem kleinen, benachbarten Ort und auch am Nachbarort abgefahren, mit einem Foto von der Katze, und teilte die Umstände jedem mit, dass wenn man so eine Katze vermisse, diese beim Landwirt "XY" liege und dort entsorgt wurde.

Was mich jedoch richtig auch erzurnt hat, dass am Abend, als ich für meine Versicherung ein Aktenzeichen beibringen sollte, ich erneut die PI kontaktieren musste und nach Darlegung vom Unfallgeschehen, mich erneut der Beamte am Telefon angegangen ist, "dass dies kein Wildunfall sei, und deshalb kein Aktenzeichen erforderlich sei", was sich im Nachhinein als "Falschaussage" darstellte.

Da holt man sich einmal im Leben wegen eines Tierunfalls die Polizei dazu, und hat mit dieser mehr Ärger als Hilfe am Hals.

Ich würde jederzeit wieder natürlich so handeln, aber das Verhalten der Polizei in diesem Unfallgeschehen hat für mich eine "deutliches Gschmäckle" hinterlassen.

Hier dann im Artikel wird von Fahrerflucht gesprochen, wenn´s dann drauf ankommt wird man im Regen stehen gelassen.

Bitte auch ´mal als Beamter sich an die eigene Nase fassen, man hat als Bürger Verständnis für die schwere Arbeit der Polizei, aber eindeutige Vorfälle sollten mit mehr Elan angegangen werden.

01.07.2020