St. Martin feiert 600 Jahre. Dabei verband am Samstagabend der Tölzer Knabenchor Konfessionen und Jahrhunderte. Fast 50 Kehlen füllten die "Basilica minor" mit ausgewählten Auszügen aus dem "altbachischen Archiv". Diese Sammlung von Motetten, Chorliedern und Kantaten älterer Mitglieder der Familie Bach hatte man erst 2001 aus dem Staatsarchiv in Kiew zurückerhalten. Die anspruchsvollen, zum Teil achtstimmig vorgetragenen, Choräle begeisterten in der gut besetzten Stadtpfarrkirche.
Stadtpfarrer Thomas Helm begrüßte die zahlreichen Zuhörer und besonders den Leiter und Dirigenten Gerhard Jacobs zum "besonderen musikalischen Highlight". Seit 2015 ist der freiberufliche Dirigent Jacobs Stimmbildner und Korrepetitor bei den 170 Jungen in München. Dort entsteht mit Schülern verschiedener Schulen jener weltweit berühmte "Tölzer Klang". Auch die Amberger konnten sich nun von dessen besonderer Homogenität, den leuchtenden Höhen, der präzisen Intonation und der klaren Artikulation überzeugen.
Tröstende Wirkung der Musik
Am Orgelpositiv begleiteten Robert Schröter und Michael Schönfelder auf der Violone die mit traditioneller Gläubigkeit verbundenen gesungenen Bibelworte. Einnehmend eröffnete der Chor mit Johann Christoph Bachs "Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren", Johann Bachs "Unser Leben ist ein Schatten" und Johann Ludwig Bachs "Unsere Trübsal" den Reigen der Bach'schen Großfamilie über ein Jahrhundert hinweg.
Förmlich spürbar wurde hier bereits die tröstende und aufrichtende Wirkung der Musik, die den Blick vom schweren Weltlichen hin zum Unsichtbaren lenkt. Abwechslungsreich modellierend, respondierend und pointiert bewies der Chor von Anfang an sein zu Recht weltweit anerkanntes Renommee.
Mit Johann Michael Bachs achtstimmigen "Halt, was du hast" wurde die sehnsüchtige Stimmung zuversichtlicher. "Sey nun wieder zufrieden" von Johann Bach intonierte den "Dank der Geretteten", der überzeugend mit "Ich glaube! Darum rede ich." schloss. Stimmgewaltig verstärkte dies der Chor mit "Nun hab ich überwunden" von Johann Michael Bach.
Altmeister darf nicht fehlen
Die Schlussstücke von Altmeister Johann Sebastian Bach, "Lobet den Herrn, alle Heiden" und "Singet dem Herrn", besangen festlich ein sicheres Glaubenswissen. Das glaubenstiefe Credo feierte Gnade und Güte Gottes, war Gotteslob in seiner besten Form, das die große Hallenkirche förmlich zu ergreifen schien. Minutenlanger Applaus erfüllte die Kirche. Die Gäste dankten für 70 Minuten Ohrenschmaus, der die Seele mitschwingen ließ.
Das ist eine "Basilica Minor"
- St. Martin wurde 1980 von Papst Johannes Paul II. zu einer „Basilica Minor“, einer „kleineren Basilica“ erhoben.
- Kirchen mit dem Ehrentitel „Basilica Minor“ gibt es weltweit 1822.
- Voraussetzungen: hinreichende Größe, künstlerische und überregionale Bedeutung, herausragende Liturgie und Kirchenmusik, Kirche muss regelmäßig Schulungen für Gläubige anbieten.



















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