Das Schmierenstück, aufgeführt von drei zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilten Räubern, spielte sich am zweiten Prozesstag ab. Da wurde ein Geständnis auf nahezu hanebüchene Weise geändert. Belastende Angaben wurden mit einem reuigen Schlag an die eigene Brust aufgehoben. Nein, sage ein 20-Jähriger, er müsse endlich mit den Belastungen gegenüber drei ehrenwerten Landsleuten aufhören.
Dieses Trio gilt als Auftraggeber für einen bewaffneten Raub, der am 31. Juli vergangenen Jahres auf das Schmuckgeschäft von Ioannis Tsavaris an der Unteren Nabburger Straße in brutaler Weise verübt wurde.
Wer sind diese Männer, die im Verdacht stehen, Drogen- und Kreditschulden aufnotiert und damit Leute erpresst zu haben, als sie in ihrem Heimatland Litauen mutmaßlich den im Rückstand befindlichen Zahlern befahlen, sie hätten Handlangerdienste bei Überfällen zu leisten? Sie selbst machten sich die Hände vermutlich nicht schmutzig und ließen ihre nach Deutschland gebrachten Schuldner die Drecksarbeit leisten. Weiße Westen? Harmlose Osteuropäer? Nur zu Zwecken des Vergnügens den weiten Weg nach Amberg gereist und ahnungslos im Hinblick auf ein Verbrechen, das bei Juwelier Ioannis Tsavaris in Szene gesetzt wurde?
Schwer zu glauben. Auch wenn die mutmaßlich von ihnen in den Laden geschickten Räuber nun haben anklingen lassen, dass man zu sechst und über drei Tage samt Zwischenübernachtungen nur eine Reise in die Oberpfalz unternommen habe, bei der die einen das Verbrechen im Schilde führten und die anderen eine provinzielle Nacht- und Bierszene erkunden wollten. Ahnungslos, ehrenwert, anständige Kumpels halt. Und "vielen Dank" für die freundliche Begleitung. Nach der fast schon atemberaubenden Märchenstunde am zweiten Prozesstag kehrte bei den bis dahin fröhlich lächelnden Angeklagten im Alter zwischen 29 und 33 Jahren in der dritten Verhandlungsrunde ein wenig Ernüchterung ein.
"Schulden abarbeiten"
Denn da erschien ein Amberger Ermittlungsrichter, der nach dem Raub bei Tsavaris die festgenommenen Täter vor seinem Tisch sitzen hatte. Der Jurist schilderte, wie bei Vernehmungen Namen ins Gespräch kamen. Und zwar die der jetzt auf der Anklagebank sitzenden angeblichen Touristen. Der Untersuchungsrichter bekam nach eigenen Angaben erpresserisch ausgenutzte Notlagen geschildert, in denen es hieß: "Du kannst deine Schulden abarbeiten." Nicht nur in Amberg. Auch ein Überfall in Österreich stand zur Debatte.
Offenkundig wurde auch: Der Tatort bei Tsavaris wurde nach damaligen Einlassungen der aktiv gewordenen Räuber am Tag davor ausspioniert und auch das zum Überfall benötigte Material wie Soft-Air-Waffe, Klebeband, Handschellen und ätzendes Pfefferspray bekamen sie quasi mit auf den Weg zur verbrecherischen Aktion. In einer Stofftasche.
Im Sitzungssaal haben sich unterdessen merkwürdige Beobachtungen vollzogen. Die Anwälte der drei noch immer schweigenden mutmaßlichen Bandenköpfe werden nicht müde in ihren Fragestellungen, ob denn nun eine Dolmetscherin alles wortgetreu übersetzt und man die Litauer zu ihren Rechten belehrt habe. Vor einer TV-Kamera sagte einer der Advokaten, da müsse man schon einen Freispruch in Erwägung ziehen.
Fortsetzung nächste Woche
Ein solches Szenario der mutmaßlichen Schuldübernahme mit gleichzeitigem Verdacht der Entlastung hat es bisher nie gegeben in diesem Gericht. Dahinter steckt: In einem Rechtsstaat wie Deutschland muss man die Täterschaft zweifelsfrei nachweisen. Nächste Woche stehen drei weitere Verfahrenstage bevor. Genügend Zeit für die Richter, sich ein Bild zu machen. Kommentar













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