20.03.2020 - 11:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Unser Traum vom Haus: Abenteuer Grundstückssuche

Die Lage auf dem Grundstücksmarkt im Landkreis ist angespannt. Bauherren und solche, die es werden wollen, erleben oft Abenteuer bei der Suche nach einem neuen Zuhause. Zwei von ihnen haben ihre Geschichte mit Oberpfalz-Medien geteilt.

Christina und Michael Attenberger verwirklichen sich in Schnaittenbach ihren Traum vom Haus. Der Weg dahin war durchaus steinig.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Schon von weitem hört man Bohrgeräusche. Es riecht nach frischem Holz. Der Boden ist lehmig vom Regen der vergangenen Tage. Ausgelegte Holzplatten führen zur Haustür. Im Inneren stapeln sich Baumaterialien und Arbeitsgeräte in jedem Raum. An der Arbeitskluft von Bauherr Michael Attenberger lassen sich Spuren der harten Arbeit am Neubau in Schnaittenbach ablesen, Farbspritzer und aufgescheuerte Knie deuten lange Arbeitstage an. "Das ist ein Haus in Holzständerbauweise. Die Wände stehen, jetzt bauen wir innen aus. Natürlich sind wir sehr froh, dass wir überhaupt ein passendes Grundstück gefunden haben", sagt der 32-Jährige, während er einen Arm um seine Frau Christina legt.

Keine Grundstücke verfügbar

Bis die beiden Landkreisbewohner ihren Traum vom Eigenheim in die Tat umsetzen konnten, vergingen rund sechs Jahre. Bereits 2014 begaben sich der Straßenwärter und die Kinderpflegerin auf die Suche nach einer geeigneten Baufläche. Am liebsten wollten sie damals in Freudenberg, Michaels Heimatgemeinde, bauen. "Ich bin dort sehr verwurzelt und wäre gerne dort geblieben. Aber leider gab es einfach kein passendes Grundstück", erklärt der 32-Jährige. "So wie mir ist es vielen anderen auch ergangen."

Hier findet Ihr eine Liste der aktuellen Bauplätze im Landkreis Amberg-Sulzbach

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Wie angespannt die Lage auf dem Immobilienmarkt im Landkreis ist, zeigt der Immobilienmarktbericht der Sparkasse aus dem Jahr 2019: Beim Bauland gibt es nur ein geringes Angebot bei gleichzeitig großer Nachfrage. Ähnlich sieht es auch bei gebrauchten Immobilien aus, wenn man die freistehenden Ein-/Zweifamilienhäusern betrachtet: mäßiges Angebot bei gleichzeitig großer Nachfrage. Das bestätigt auch Ruth Lobensteiner vom Immobilienservice der Volksbank-Raiffeisenbank: "Die Nachfrage ist nach wie vor um ein Vielfaches höher als das Angebot. Wobei man auch jahreszeitliche Schwankungen berücksichtigen muss. Im Januar/Februar ist es erfahrungsgemäß etwas ruhiger. Wenn es wieder in den Frühling rausgeht, steigen sowohl Nachfrage als auch Angebot wieder an." Ein Grund für die hohe Nachfrage liegt in den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Diese ermöglichen es vielen Menschen, sich eine Immobilie leisten zu können.

Infrastruktur und Familie wichtig

Für die Attenbergers kamen jedoch auch bestehende Häuser in Freudenberg nicht in Frage: "Wir haben schon einige angeguckt, aber die meisten waren viel zu teuer. Mit dem Neubau kommen wir auf den gleichen Preis." Ein weiteres Problem war, dass die älteren Häuser teilweise denkmalgeschützt sind. "Das macht große Veränderungen quasi unmöglich." Über die Situation in Freudenberg ärgert sich der Straßenwärter sehr: "Es ist einfach schade, weil viele junge Leute gerne bleiben würden. Ich muss nun meinen Freundeskreis zurücklassen. Im Bereich der Bauplätze tut sich leider nur sehr langsam was."

Nach sechs Jahren suchen und warten in Freudenberg, entschied sich das Paar schließlich dazu, ein Grundstück in Schnaittenbach zu kaufen, um dort ein Holzhaus zu bauen. "Für uns war die Nähe zur Familie das Wichtigste. In Schnaittenbach wohnen meine Schwiegereltern. Irgendwo ganz ohne Bezug wären wir nicht hingezogen." Im Juni dieses Jahres – zu Christinas Geburtstag – möchten die Attenbergers in ihr neues Zuhause einziehen.

Mit Flexibilität zum Wunschgrundstück

Nach ganz anderen Kriterien verlief die Grundstückssuche für Helena Grundstein und ihren Mann. Anders als die Attenbergers war das junge Paar, das zuvor in Burglengenfeld gewohnt hat, bei der Ortswahl flexibel. Vergleichsweise kurz gestaltete sich deshalb die Suche. Schon nach wenigen Tagen hatte Helena über die Websites der Gemeinden eine Baufläche gefunden. Dafür wagt sich das Paar aber auf unbekanntes Terrain: "Wir bauen nun ein Haus in Hohenburg. Wenn ich ehrlich bin, kannte ich die Gemeinde davor nicht", gesteht die 29-Jährige. Ihre Sichtweise auf die Grundsstückssuche ist eher pragmatisch: "Wenn man seine Ansprüche zwecks Preis und Größe unter einen Hut bekommen will, muss man in Gemeinden gehen, die abseits liegen." Beliebte Gemeinden könnten aus einem großen Pool an Bewerbern auswählen, wen sie als neue Bauherrn im Ort haben möchten.

Hürde Bebauungsplan

Drei wesentliche Aspekte kristallisierten sich für das junge Paar als entscheidend bei der Suche heraus: die Größe, der Preis und die Unabhängigkeit. Einige Gemeinden verkaufen ihre freien Grundstücke an Baufirmen, mit denen eine Zusammenarbeit zwingend ist, sollte man dort bauen wollen. In Hohenburg ist das nicht der Fall. Ein weiterer Faktor liegt in den Bebauungs- und Grünordnungsplänen der Gemeinden. Dort ist genau festgelegt und aufgelistet, welche Sträucher und Bäume gepflanzt oder welche Dachform gebaut werden darf. "In Absprache mit der Gemeinde kann der Landkreis Abweichungen vom Bebauungsplan zustimmen", erklärt Helena. Weniger angefragte Gemeinden wären dazu oft eher bereit, um Menschen für ihre Bauflächen zu begeistern. "Je weiter man aufs Land geht, desto einfacher ist es oft, ein für sich passendes Grundstück zu finden", so die junge Bauherrin. Im Fall von Helena Grundstein stimmte die Gemeinde und das Landratsamt einer Abweichung vom Bebauungsplan sowie der Zusammenführung von zwei Bauflächen zu, so dass sich das Paar seinen Traum von einem besonders großen Grundstück erfüllen konnte.

Schreibt uns Eure Geschichte!

Auch Ihr träumt gerade den Traum vom Eigenheim? Aber ein geeignetes Baugrundstück zu finden, ist gar nicht so leicht? Wenn Ihr Lust habt, erzählt uns doch von Euren "Abenteuern bei der Grundstückssuche". Meldet euch per Mail an redaz[at]oberpfalzmedien[dot]de.

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