15.02.2019 - 16:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Ein unbelehrbarer Straftäter

Irgendwann hat der Richter die Faxen dick. "Wir können hier nicht die Rechtspflege demontieren", sagt er und schickt den Angeklagten hinter Gitter. Keine Chance auf Bewährung. Der Mann ist ein scheinbar unbelehrbarer Rechtsbrecher.

von Autor HWOProfil

Eigentlich eine Bagatelle. Im November 2017 fuhr ein heute 38-Jähriger im nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach per Motorroller zur Arbeit. Er geriet in eine polizeiliche Kontrolle und musste zugeben: "Führerschein ist nicht." Im Regelfall eine Angelegenheit, die zum Strafbefehl führt. Bei dem Familienvater aber nicht.

Sein Strafregister wies zehn Vorahndungen und zwei damals laufende Bewährungen aus. Die Staatsanwaltschaft ließ das von einer Amberger Amtsrichterin klären. Sie schickte den Mann im Sommer 2018 für acht Wochen hinter Gitter. Diese triste Behausung kannte er übrigens von früheren Aufenthalten her schon.

Jetzt musste sich die 3. Strafkammer des Landgerichts mit der führerscheinlosen Fahrt befassen. "Keine Chance auf Bewährung", befand der Vorsitzende Richter Peter Hollweck und riet dringend zur Rücknahme der Berufung.

Doch der 38-Jährige reagierte jammernd: Eine Familie ohne Vater, die ganztätig arbeitende Gattin dann völlig überfordert. Und außerdem: Seinen Job sei er wohl auch los. Hollweck verlas den Tenor früherer Urteile. Von Betrug war die Rede und vor allem: Der angeblich treusorgende Familienvater hatte seinen Sohn vor einigen Jahren übel misshandelt.

Mit einem Besenstil und gestelltem Bein als Hindernis, als der Gepeinigte flüchten wollte. Da fiel dann wohl endgültig der Vorhang. Der Rest war eigentlich vorhersehbar - und erhöhte genau genommen nur noch die Kosten.

Rechtsanwalt Andreas Taubmann erbat eine letzte Chance für seinen Mandanten. Staatsanwältin Manuela Zeller hielt die vom Erstgericht verhängten acht Wochen Haft für durchaus angebracht. "Bei ihm kann man nicht davon ausgehen, dass alles anders wird", unterstrich die Vertreterin der Anklage.

Die Strafkammer beriet sich genau zehn Minuten. Dann schickte sie den Familienvater für zwei Monate hinter Gitter. "Sie scheren sich nichts um die Rechtsordnung", schrieb Richter Hollweck dem Angeklagten ins Stammbuch. Auf persönliche Befindlichkeiten könne dann die Justiz auch keine Rücksicht nehmen. Der Rest sei sein Problem.

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