15.12.2019 - 09:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Unfall bei OTV-Kreisel: Fragen nach Alkohol und drittem Opfer

Zwei Senioren starben. Der wohl schwerste Verkehrsunfall in Ambergs jüngster Vergangenheit geht am Dienstag, 17. Dezember, weiter. Zum Verhandlungsauftakt kamen einige wesentliche Fakten und noch nicht bekannte Details ans Tageslicht.

Auf der Katharinenfriedhofstraße war es am 26. November 2016 zu dem tragischen Unfall gekommen.
von Autor HWOProfil

Der Richter wird mit einer Flut von Informationen bedient. Dazu gehört im Prozess um den verhängnisvollen Unfall am Kreisverkehr beim Katharinenfriedhof auch, dass es bei dem 68-jährigen Angeklagten eine Blutentnahme gab. Sie ergab 0,16 Promille. Ein niedriger Wert, der aber darauf hindeutet, dass Alkohol im Spiel war.

Am ersten Verhandlungstag drehten sich die Debatten zum Tod zweier Menschen auch um Alkoholgenuss. Der Beschuldigte verneinte. Er will weder am Abend vor dem Unglück noch kurz vor der Fahrt herein in die Stadt etwa getrunken haben. Von seiner Ehefrau erfuhr Richter Ludwig Stich: "Er nimmt nur Kaffee und Wasser zu sich." Zur Sprache kam ferner, wohin das Paar wollte. Vom Frühschoppen in einem Wirtshaus war da die Rede.

Fahrer hat Epilepsie

Der Mann leidet an Epilepsie. Eine Krankheit, die von Ärzten nicht an Behörden weitergemeldet werden darf. Seit vielen Jahren war sie bei dem heute 68 Jahre alten Rentner vorhanden. Mit einer Reihe von Besuchen in Praxen diverser Fachmediziner und wiederholt wechselnden Medikamenten. Deren Dosis, so erfuhr der Amberger irgendwann, könne bei länger ausbleibenden Anfällen halbiert werden. Das hatte er offenbar getan, als sich am 26. November 2016 das Unglück beim Katharinenfriedhof ereignete.

Die von der Polizei angestellten Ermittlungen füllen Aktenordner. In ihnen befinden sich auch Unterlagen zu drei Verkehrsunfällen, die im Vorfeld des Unglücks am Kreisverkehr aufgenommen wurden. Einer war besonders markant. Am 23. Juli 2012 kam es auf der Kreuzung beim Hockermühlbad zu einem Geschehen, das aus dem Rahmen üblicher Karambolagen fiel.

An einer auf Rot geschalteten Ampel wartete ein Amberger mit seinem Auto. Plötzlich wurde der Pkw von hinten gerammt. Der Verursacher ging nicht vom Gaspedal. So kam es zu zwei weiteren Rammvorgängen. Das beobachteten zwei zufällig mit einem Zivilfahrzeug vorbeikommende Polizisten. Einer stieg sofort aus und wollte dem bizarren Ereignis ein Ende setzen. Als er die Tür des Pkw öffnete, stieß er auf einen Fahrer, der wild schimpfte und "verwirrten Eindruck machte." Es war der jetzige Angeklagte.

Danach ging eine Meldung an die Verkehrsbehörde. Der heute 68-Jährige wurde zum Eignungstest einbestellt, erschien aber nicht und verwies auf seinen Rechtsanwalt. Unabhängig davon, so berichtete jetzt ein Mitarbeiter der Behörde, sei das Gutachten eines Internisten angeordnet worden. Der Arzt, der von einer Epilepsie ebenso wie die Führerscheinstelle nichts wusste, prüfte mögliche Herzprobleme und attestierte Fahrtauglichkeit. Allerdings mit der Maßgabe, eine solche Untersuchung im Abstand mehrerer Jahre zu wiederholen.

Fortsetzung am Dienstag

Am zweiten Prozesstag am Dienstag, 17. Dezember, wird ein Nervenfacharzt sein Gutachten erstatten. Er meldete sich bereits in der ersten Runde zu Wort und ließ erkennen: "Sie hätten einen Neurologen beauftragen müssen". Dieser Vorhalt wurde zurückgewiesen. Das Gegenargument lautete sinngemäß, die Verkehrsbehörde müsse stichhaltige Gründe für einen solchen Verdacht auf dem Tisch haben. Das sei nicht der Fall gewesen.

Zwei Amberger Senioren waren bei dem durch einen Epilepsie-Anfall ausgelösten Unglück getötet worden. Es habe noch ein drittes Opfer gegeben, merkte unterdessen ein Mann über Facebook an. Er ist der Großneffe einer Frau, die in das Unglück verwickelt worden war. Die betagte Seniorin saß am Steuer eines VW Polo, der auf der Katharinenfriedhofstraße vom Unfallverursacher am Heck gerammt und zur Seite geschleudert worden war. 118 Meter entfernt vom Kreisel.

Die 1929 geborene Frau war nach dem Rammvorgang mit erheblichen Verletzungen ins Klinikum gebracht worden. "Sie ist zwischenzeitlich verstorben", sagte Richter Stich im Prozess und verlas ihre Aussage vor der Polizei, bei der sie sich an nichts erinnern konnte. Muss sie als drittes Opfer gelten? Ihr Großneffe hat das mitgeteilt. Auf Anfrage ließ der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch erkennen, dass die Seniorin im Krankenhaus lag, dann entlassen und später wieder eingeliefert wurde. Zu ihrem Ableben hätten auch altersbedingte Umstände beigetragen. "Wir haben das geprüft", unterstrich Diesch.

Der Bericht über den ersten Verhandlungstag

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