08.07.2019 - 10:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Das Unsagbare im Unlesbaren erkennen

Sogar Gäste aus der Schweiz beleben die Vernissage von Evelyn Mulzer und Angela Steinkohl. Die von einigen Leerständen geprägte Ziegelgasse wird zum Kunst-Treffpunkt - gleich nach dem Bergfest.

Angela Steinkohl lässt ihre Geheimschrift für sich sprechen.
von Dagmar WilliamsonProfil

Sogar Gäste aus der Schweiz beleben die Vernissage von Evelyn Mulzer und Angela Steinkohl. Die von einigen Leerständen geprägte Ziegelgasse wird zum Kunst-Treffpunkt - gleich nach dem Bergfest.

Lose Blätter, die an einer Leine hängen, schwingen mit dem Lufthauch, der durch den Eingang gelangt. Sie bewegen sich mit ihren Betrachtern. Eine Umarmung, ein Winken und das Blatt beginnt zu beben. Dargestellt auf den Papieren ist das Urelement einer Zeichnung - der Punkt. Verbunden ergeben viele eine rauschende Welle oder sanften Wind.

Auf diese Weise verlässt Künstlerin Evelyn Mulzer den Weg der klaren Aussage, um das autonome Bild und dessen Eigengesetzlichkeit zu finden. Auch Platten vom Sperrmüll bekommen bei ihr eine neue Aufgabe. "Kunst liegt im Verborgenem - gleich neben dem Kühlschrank", erläutert Angela Steinkohl den Findungsprozess der Werke ihrer Kollegin. Blau sei Mulzers Farbe. Mit dieser setzt die Kunstlaborantin stilvolle Akzente passend zum Thema der Vernissage des Duos. "Punkt, Strich, Linie" ist das Ergebnis von Sprache. "Rhythmische Sprache der Natur" nennt Steinkohl das Handwerk von Evelyn Mulzer. Diese spricht im Gegenzug von der erfundenen Geheimschrift Steinkohls. Um die Lehrer zu foppen, um Strafen zu entkommen, um Peinlichkeiten zu ersparen oder um einfach nur geheime Botschaften unter der Schulbank weiterzugeben - der Grund der geheimen Schrift bleibt in seiner Eindeutigkeit ungeklärt. Nur, dass nach einigen Jahrzehnten eben minimalistische Gemälde daraus entstanden sind, die bereits viele Wände schmücken. Hin und wieder gibt sich ein Buchstabe zu erkennen, der doch eigentlich unentdeckt bleiben sollte. "Das Unsagbare im Unlesbaren", fasst Mulzer zusammen. Klein und sanft wie Angela Steinkohl selbst sind auch ihre Utensilien. Eine 0.03-Feder oder ein 0.05-Fineliner kommen zum Einsatz.

Ist es die Silhouette einer Stadt, die Welt im Fischaugen-Format oder das bunte Negativ einer Filmrolle? So mancher Besucher, die teilweise bis aus der Schweiz angereist waren, wünschte, die Kombination der Aneinanderreihung genauer unter die Lupe nehmen zu können. Einem zweiten Besuch mit Vergrößerungsglas in der Tasche steht nichts im Wege. Bis Samstag, 3. August, ist das Kunstlabor samstags und sonntags geöffnet.

Mit ihrer Farbe Blau setzt Evelyn Mulzer stilvolle Akzente. Ist hier ein Lachen zu erkennen?
Monika Schmidt (rechts) kennt sich aus im Netzwerken. So ist es kein Wunder, dass sie das Verbindungsstück von Evelyn Mulzer (links) und Angela Steinkohl ist. Das Resultat ist im Kunstlabor zu sehen.
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