Unterricht trotz Glasknochenkrankheit: Spendenaufruf für 14-jährigen Luca

Amberg
27.07.2022 - 14:57 Uhr

Der 14-jährige Luca aus Amberg leidet an der Glasknochenkrankheit. Um seine schulische Isolation zu beenden, soll ihm künftig ein Telepräsenzroboter die Teilnahme am Unterricht ermöglichen. Round Table 235 Amberg-Sulzbach sammelt Spenden.

Luca (vorne Mitte) wird auf seinem Weg zum Schulabschluss von den Amberg-Sulzbacher Tablern Philipp Koch (von links), Markus Legat und Sebastian Apfel unterstützt.

Der gemeinnützige Serviceclub Round Table 235 Amberg-Sulzbach hat einen Hilferuf erhalten: Der 14-jährige Luca aus Amberg sitzt im Rollstuhl und leidet an der seltenen Glasknochenkrankheit. Er möchte mithilfe eines Telepräsenzroboters den Unterricht der Schönwerth-Realschule besuchen, um so seine Mittlere Reife absolvieren und am sozialen Schulleben teilnehmen zu können. Doch ein solcher Roboter ist teuer, der Serviceclub bittet deshalb um Spenden.

Bei "Osteogenesis Imperfecta", umgangssprachlich auch als Glasknochenkrankheit bezeichnet, handelt es sich um eine seltene Erbkrankheit mit unvollständiger Knochenbildung. Daraus entstehen unterschiedliche Krankheitsbilder, deren gemeinsames Merkmal eine extrem hohe Knochenbrüchigkeit ist. Nur etwa 6000 Menschen sind in Deutschland davon betroffen, erklärt der Serviceclub in einer Pressemitteilung. Wie das Wort Glasknochen schon sagt, sind Lucas Knochen sehr instabil und können bereits bei nur kleinen Belastungen brechen. Durch die Erbkrankheit und die damit verbundenen großen Schmerzen könne Luca seit Längerem nicht mehr in die Schule gehen. Sein großes Ziel, die Realschule mit der Mittlere Reife abzuschließen und eine Ausbildung nach der Schulzeit zu starten, ist damit in Gefahr.

Roboter im Klassenzimmer

Auch in Zeiten von Corona und Home-Schooling sei eine reguläre Teilnahme am Unterricht von zuhause aus für Luca zuletzt nicht mehr möglich gewesen – aus unterschiedlichen Gründen und Hürden der schulischen Bürokratie. Damit Luca keine Ausgrenzung mehr erfahren muss und seinen Schulabschluss machen kann, benötige er nun einen speziellen Video-Roboter mit 360-Grad-Kamera. Der soll im Klassenzimmer stehen und es ihm ermöglichen, über eine App am Unterricht teilzunehmen. Luca könnte die Kamera des Roboters von zu Hause aus steuern, mit den Lehrern und Schülern kommunizieren und so den kompletten Lernstoff mitbekommen. Der Roboter AV1 der Firma “No Isolation” fungiere als Augen, Ohren und Stimme des betroffenen Kindes im Klassenzimmer – und gebe ihm somit ein kleines Stück Normalität zurück. Auch eine Teilnahme an Ausflügen oder anderen schulischen Aktivitäten sei damit möglich.

Die Schönwerth-Realschule Amberg begrüßt diese Lösung den Tablern zufolge sehr, jedoch seien die bisherigen Versuche, von den zuständigen Ämtern Unterstützung zu bekommen, seit einem Jahr erfolglos. Da sich die junge Familie den Roboter nicht leisten kann, hat sie sich mit der dringenden Bitte um Hilfe nun an die Amberg-Sulzbacher Tabler gewendet. Diese haben nun einen Online-Spendenaufruf gestartet, um mit der Unterstützung vieler Spender Lucas Wunsch erfüllen zu können.

Tabler hoffen auf Unterstützung

„Wir setzen uns für Chancengleichheit in unserer Gesellschaft ein", erklärt Philipp Koch von RT 235 Amberg-Sulzbach. "Luca ist krank, aber sehr tapfer. Er möchte unbedingt seine Mittlere Reife schaffen. Im regulären Schulbetrieb ist das leider nicht möglich. Wir möchten ihn bei seinem Ziel unterstützen." Die Mitglieder des Service-Clubs hoffen, dass Lucas schulische Isolation beendet werden kann und Inklusion mit diesem technischen Hilfsmittel auch für den 14-Jährigen möglich ist. "Nicht nur bei der Flutkatastrophe im Ahrtal und dem Krieg in der Ukraine haben die Menschen aus Amberg und Umgebung gezeigt, dass sie ein großes Herz haben. Gemeinsam können wir es schaffen und Lucas Wunsch erfüllen", zeigt sich Koch zuversichtlich.

Für den Kauf des Roboters werden 3500 Euro benötigt. Der Roboter soll vom Round-Table-Club angekauft und an Luca verliehen werden, so lange er diesen für Schule, Ausbildung oder Arbeit benötigt. Im Anschluss könnten mit dem Gerät auch weitere Betroffene in der Region unterstützt werden. Sollte mehr Geld bei der Spendenaktion zusammenkommen, wird dieses für laufende monatliche Kosten verwendet, wie Instandhaltung, Support, Updates und eine 4G-Karte, mit der Luca dann sogar an Ausflügen virtuell teilnehmen könnte. Als "Startschuss" spenden die Tabler 500 Euro und freuen sich über weitere Unterstützung via PayPal (www.rt235.de/serviceprojekte/spendenaktion-luca).

Hintergrund:

Der AV1

  • Der Telepräsenzroboter wird im Klassenzimmer auf der Schulbank platziert.
  • Der Schüler verbindet sich von zu Hause oder aus dem Krankenbett mit dem Avatar.
  • Der AV1 hat eine eingebaute Kamera und ein Mikrofon.
  • Per Live-Stream wird der Präsenzunterricht übertragen.
  • Über die AV1-App steuert der Schüler den AV1, dreht den Kopf, sieht und hört, was um den Avatar herum geschieht.
  • Für die Verwendung der App ist ein mobiles Endgerät, sprich ein Tablet oder großes Smartphone, nötig.
 
 

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