09.09.2019 - 11:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Vater der Alpenquerung ist tot

8. August, 8.08 Uhr, Marienplatz in München. Für Wanderer ist das ein magischer Code. "Erfunden" hat ihn der gebürtige Amberger Ludwig Graßler, der Vater der Alpenquerung zu Fuß. Jetzt ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Ludwig Graßler im Jahr 2011 auf Heimatbesuch in Amberg. Obwohl er sein Leben lang für die Berge geschwärmt hat, hat er seine Heimatstadt niemals vergessen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die Geschichte ist schon oft erzählt worden - Trekkingbegeisterte, wie Wanderer heutzutage heißen, können sie nicht oft genug hören. Ludwig Graßler, am 2. August 1925 in Amberg geboren, hatte als eines von zehn Kindern seiner Familie sehr viele Freiheiten. Und er hatte einen Erzieher, einen Salesianerpater, der seinen Schützlingen immer wieder von der Schönheit seiner Bergheimat erzählt hat. Ludwig Graßler wollte es genau wissen, lieh sich im Alter von 13 oder 14 ein Fahrrad aus und machte sich auf den weiten Weg in die Berge.

Alpen als Traum

Als er schließlich vor der Benediktenwand stand, war es um ihn geschehen: Er wollte diese Schönheit zu seinem Lebensinhalt machen. Folgerichtig verpflichtete sich Ludwig Graßler bei den Gebirgsjägern, danach machte er eine Ausbildung zum Gärtner, in den frühen 60er-Jahren kam er als Gartenfachberater nach Wolfratshausen und hatte damit seine geliebten Berge immer vor Augen. Doch Ludwig Graßler wollte mehr als nur den Anblick genießen. Er wollte diese Landschaft durchwandern. Zu diesem Zeitpunkt endeten die Wanderwege noch vor dem gewaltigen Alpenmassiv. Graßler fasste den Entschluss, es zu queren - mit dem Ziel Markusplatz in Venedig. Präzise Karten oder gar GPS gab es damals noch nicht, so musste sich Graßler Etappe um Etappe mühsam erarbeiten. 1972 startete er einen ersten Versuch, den er wegen des schlechten Wetters abbrechen musste. Zwei Jahre später klappte es schließlich.

Gemeinsam mit Sylvia Congost und Arnulf Killmann schaffte er in 28 Etappen die Überquerung der Alpen und legte damit den Grundstock für seinen Ruhm. Zunächst vereinzelt, dann immer geballter folgten Wanderer seinem Vorbild. Als Ludwig Graßler schließlich 1977 sein Standardwerk "Zu Fuß über die Alpen" veröffentlichte, setzte er eine wahre Lawine in Gang.

Nicht nur eine Wanderlawine über die Alpen übrigens, sondern auch ein Lawine der Popularität für den Autor selbst. Graßler war von nun an ein Star. Ein Star für Menschen, die sich gerne bewegen, und ein Star, der Interviews im Rundfunk und Fernsehen gab, der zu Vorträgen auf der ganzen Welt eingeladen war. Dabei war und blieb Graßler immer bodenständig. Seine Heimat Amberg hat er übrigens nicht vergessen. Er kehrte gerne und oft zurück, besuchte seine Familie und die Freunde, für die er sogar das "Heimatlied der ausgewanderten Amberger" gedichtet hat.

Immer der 8. August

Einen Termin hat Ludwig Graßler übrigens ungern und sehr selten versäumt. Eben jenen 8. August um 8.08 Uhr am Marienplatz in München. Er selbst hat die Wanderung über die Alpen zwar nur noch wenige Male in Angriff genommen, für die zahlreichen Wandersleute, die an diesem magischen Datum die Alpenquerung in Angriff genommen haben, stand er aber mit guten Ratschlägen und vielen wichtigen Tipps gerne zur Verfügung. Das Gruppenbild mit Graßler an der Mariensäule gehörte einfach dazu, bevor es in Richtung der Berge ging. Die Zahl Acht übrigens wählte Graßler nur aus dem Grund, weil sie die Zahl für die Unendlichkeit steht, die Graßler in den Bergen verwirklicht sah.

Aber nicht nur dort. Denn in späteren Jahren machte sich Graßler noch einmal auf zu einer Fernwanderung. Sein Ziel: Prag. Ebenfalls in 28 Etappen bewältigte er diese Strecke und schrieb ein Buch darüber. Seine große Liebe aber gehörte den Alpen. "Viele Wege führen zu Gott, einer davon über die Berge", steht über der Todesanzeige, die Verwandte und Freunde in der Amberger Zeitung geschaltet haben. Die Einsegnung und Urnenbeisetzung von Ludwig Graßler findet am Dienstag, 17. September, um 10.30 Uhr in der Kapelle am Halleranger in Tirol statt. So hat es sich Graßler gewünscht. Seine Asche soll in den geliebten Bergen ruhen.

Heimatlied der ausgewanderten Amberger:

Nach der Melodie des Lieds "Wir wollen zu Land ausfahren" von Kurt von Burkersroda dichtete Ludwig Graßler wohl zum Bergfest 2011 folgende Version für die Exil-Amberger:

Wir wollen nach Amberg fahren, nauf in die Oberpfalz

In das Land der Ahnen, zu Weihern, Kiefern und Sand.

Wolln schauen, was die Verwandtschaft so macht.

Ob Mare, der Franz und die Christa noch lacht.

Wie ist dies Land so schön! Wie ist dieses Land so schön!

Gleich hinter dem Haidweiher grüßt schon Mariahilf.

Fahr'n ma über Theiern, immer entland der Vils.

Sehn'g ma so manchen Bekannten dann steh'n.

Verweil' ma a bisserl und plaudern a weng

Von längst vergangner Zeit, von längst vergangner Zeit.

Wir sind nach Amberg gefahren zum Feste Mariahilf.

Auf den Berg wir stiegen, zu bitten um himmlische Hilf.

Genießen auch Bier und die Würste vom Grill.

Erleben vom Zauber der Altstadt sehr viel.

Wie ist die Stadt so schön, wie ist diese Stadt so schön!

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