22.05.2019 - 16:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Verbrechen vor Gericht nicht nachweisbar

Wer Rauschgift an Minderjährige abgibt, begeht ein Verbrechen und muss mit Haft rechnen. Doch vorher ist eine lückenlose Beweiskette vor Gericht notwendig. Sonst schaut es schlecht aus mit der Verurteilung.

Die Abgabe von Drogen an Minderjährige ist ein Verbrechen. Aber das muss vor Gericht lückenlos nachgewiesen werden. In einem aktuellen Fall am Amtsgericht Amberg war dies nicht möglich.
von Autor HOUProfil

Der Fall hatte das Schöffengericht vor ein paar Monaten schon einmal beschäftigt. Damals setzte Richter Markus Sand das Verfahren aus, weil er alles genau klären wollte und deshalb weitere Zeugen brauchte. Nun saß ein 25-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis erneut auf der Anklagebank. Eigentlich alles kleinere Anschuldigungen. Es ging um 23 Gramm Haschisch und um dessen Verkauf.

Kuriose Geschichte

Die Debatten im Sitzungssaal drehten sich ferner um eine eher kuriose Geschichte. Der 25-Jährige hatte mit einem Kumpel den Versuch gestartet, aus zehn Gramm getrocknetem Cannabis eine berauschende Flüssigkeit zu kochen und in Flaschen abzufüllen. Das endete für Drogenkonsumenten mit einem eher enttäuschenden Ergebnis: Das seltsame Gebräu hatte so gut wie keine Rauschwirkung.

Die dritte von Staatsanwältin Raphaela Etzold vorgetragene Begebenheit war vom Gesetz her als Verbrechen eingestuft. Der auf der Anklagebank sitzende Arbeiter stand im Verdacht, vorsätzlich an einen Minderjährigen Crystal Meth abgegeben zu haben. Doch das bestritt der Mann entschieden. Mit einer zu Schluss nicht eindeutig zu widerlegenden Erklärung.

Auf Schlingerkurs

Er sei, so berichtete der 25-Jährige, von der Arbeit heimgekommen, als ein zehn Jahre jüngerer Bekannter vor seiner Wohnungstür stand. "Ich musste erst unter die Dusche", hörten die Richter und vernahmen ferner, dass sich der Schüler mit dem irgendwo in den Räumen herumliegenden Crystal Meth selbst bedient habe. War das wirklich so? Ihm sei die Portion Metamphetamin zum Konsum angeboten worden, ließ der Schüler wissen. Doch irgendwie geriet der junge Mann auf Schlingerkurs. Erinnerungslücken zum genauen Hergang und das Argument: "Alles schon länger her." Keine Stütze also für eine lückenlose Beweisführung hin zur Verurteilung.

Die Staatsanwältin wollte in ihrem Plädoyer eine zur Bewährung ausgesetzte Haft verhängt sehen. Doch das Schöffengericht blieb weit darunter. Es kam nach längerer Beratung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 25 Euro (2250 Euro). Das Verbrechen der Abgabe von Drogen an Minderjährige sei zwar irgendwie sehr naheliegend, argumentierte Richter Sand. Aber klar beweisen könne man es nicht. Die Geldstrafe beziehe sich deshalb auf die anderen beiden angeklagten Drogendelikte.

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