17.09.2019 - 13:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Vergewaltigung nach der Kirwa

Nach dem Kirchweihbesuch kommt es zu einem Verbrechen. In der elterlichen Wohnung vergewaltigt ein 20-Jähriger eine Bekannte. Vor dem Jugendschöffengericht legt er nun ein Geständnis ab und erhält 15 Monate Haft zur Bewährung.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Es hätte ein langer Prozess werden können. Mit zahlreichen Zeugen und Sachverständigen. Doch der Angeklagte gab alles zu. Das verkürzte die Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht am Montag auf knapp drei Stunden und ersparte der Geschädigten (19) dadurch eine unangenehme Vernehmung. Auch alle anderen, die zur Klärung hätten aussagen sollen, wurden nicht gehört.

Was mit dem Geständnis des Täters als aufgeklärt fest stand, war ein Sachverhalt, den Verteidiger Jürgen Mühl in seinem Plädoyer so beschrieb: "Ein Ausfluss des Wahnsinns, der sich jede Woche bei Kirchweihfesten abspielt. Erst Bier, dann Barbesuch, später das Zurückziehen in die Privatsphäre." Am 1. Juli 2018 gab es am Amberger Stadtrand eine Kirwa. An ihr nahmen auch ein 20-Jähriger und seine 19 Jahre alte Begleiterin teil.

In Wohnung der Eltern

Zu später Stunde ließen sich beide von einem Verwandten des 20-Jährigen in dessen elterliche Wohnung fahren. Der Verwandte blieb einige Zeit, trat aber später den Heimweg an. Was dann im Zimmer des 20-Jährigen geschah, war ein übles Sexualdelikt. Der schwer angetrunkene Mann fiel über die 19-Jährige her und vergewaltigte sie. Die Frau wehrte sich offenbar. Deutlich wurde das in Ausführungen, die der Erlanger Rechtsmediziner Peter Betz machte. Er sprach von "Kratzern und Bissen."

Ob und in welchem Grad das Opfer alkoholisiert war, wurde im Prozessverlauf nicht detailliert erörtert. Denn während der relativ kurzen Beweisaufnahme blieb der 19-Jährigen eine Aussage erspart. Die junge Frau sagte nur: "Ich wollte danach nicht mehr auf die Straße gehen." Sie unterzog sich einer therapeutischen Behandlung und leidet nach eigenen Angaben "bis heute".

Der bis dahin nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommene Täter entschuldigte sich im Gerichtssaal. Er hatte im Vorfeld bereits 2000 Euro Schmerzensgeld bezahlt und muss nun, wie Jugendschöffengericht anordnete, weitere 1500 Euro überweisen. Außerdem bekam er 15 Monate Jugendhaft, die das Gericht zur Bewährung aussetzte. Staatsanwältin Barbara Tutsch hatte 18 Monate verlangt, Anwalt Jürgen Mühl hielt ein Jahr Gefängnis für ausreichend. Beide empfahlen den Richtern, die Ahndung zur Bewährung auszusetzen.

Opfer geht zur Polizei

Bei Erwachsenen hätte der für ein Verbrechen der Vergewaltigung geltende Strafrahmen bei zwei Jahren ohne Bewährung begonnen. "Sie haben Vertrauen grob missbraucht", schrieb Richter Jung dem 20-Jährigen ins Stammbuch. Das Opfer hatte sich relativ zeitnah nach dem Verbrechen an die Polizei gewandt und damit die Ermittlungen ausgelöst.

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