24.10.2021 - 18:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Verkaufsoffener Sonntag in Amberg: Eine Stadt zeigt zwei Gesichter

Am verkaufsoffenen Sonntag, 24. Oktober, war die Amberger Altstadt proppenvoll. Doch schon hinter der Stadtmauer zeigte sich ein anderes Bild. Nur wenige Läden hatten offen. Die Ausnahmen konzentrierten sich auf wenige Straßen.

Der Krüglmarkt fand zuletzt im April 2019 statt und sorgte nach der Corona-Zwangspause bereits am Sonntagvormittag für viel Frequenz.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Wer erfährt, dass es in Amberg einen verkaufsoffenen Sonntag und zeitgleich einen Krügelmarkt gibt, der denkt zwangsläufig an den April. Denn normalerweise gibt es diese Kombination rund um den 23. April anlässlich des Patroziniums der Pfarrei St. Georg. In Zeiten von Corona war aber wieder einmal alles anders. Weil es bis vor Kurzem keine Einkaufssonntage geben durfte, holte die Stadt den im April ausgefallenen Termin und den Krügelmarkt jetzt im Oktober nach, was dem Einzelhandel gleich zwei verkaufsoffene Sonntage innerhalb von nur drei Wochen bescherte.

Sehr zur Freude der Park- und Werbegemeinschaft (PWG ), bei der stellvertretende Vorsitzende Emilie Leithäuser Ansprechpartnerin für die Organisation und Umsetzung der Einkaufssonntage ist. Bereits im Vorfeld hatte sie davon gesprochen, dass am 24. Oktober noch mehr los sein werde als das am 3. Oktober beim ersten der beiden Shopping-Sonntage der Fall war. Leithäuser sollte richtig liegen. Den Autokennzeichen nach zu urteilen, kamen die Amberg-Besucher nicht nur aus der ganzen Oberpfalz in die Stadt, sondern teilweise sogar bis aus Bayreuth, Bamberg, Hof und München.

Wettbewerb mit anderen Städten

"Es geht ja darum, Leute aus anderen Städten anzulocken. Wir befinden uns in einem Wettbewerb mit vielen anderen Städten", sagte Andrea Frauendorfer vom gleichnamigen und vor den Toren der Altstadt ansässigen Möbelhaus am Sonntagnachmittag. Zu einem Zeitpunkt, an dem es direkt vor dem Haus längst keinen freien Parkplatz mehr gab. Ähnlich sieht es ihr Bruder, Geschäftsführer Markus Frauendorfer, der auch im Vorstand des Stadtmarketingvereins sitzt: "Wir haben einen Wettbewerb der Standorte und der Städte. Wir müssen schauen, dass wir Leuchtturmprojekte schaffen. Ob das nun ein verkaufsoffener Sonntag ist oder eine Luftnacht. Je mehr da mitziehen, desto besser."

Markus Frauendorfer meinte im Gespräch mit Oberpfalz-Medien damit die Tatsache, dass sich an einem Sonntag wie dem 24. Oktober das Leben zum Großteil in der Altstadt abspielt und nicht überall dort, wo es Geschäfte gibt. Im Dreifaltigkeitsviertel, an der Marien- und an der Fleurystraße hatten mit Ausnahme der Gastronomie und dem Testzentrum einer Apotheke alle Läden geschlossen, obwohl auch sie hätten öffnen dürfen.

Menschenmassen bei Flohmarkt

Gleiches gilt für die Sebastianspassage in der Oberen Hockermühle, wo Kerstin Münch einen Blumenhandel betreibt. Wer dort einkaufen wollte, stand am Sonntagnachmittag aber vor verschlossenen Türen: "Es rentiert sich eigentlich nur in der Altstadt. Zu uns kommt eigentlich keiner hoch." Wenn, dann würden sich Einheimische und Auswärtige maximal noch auf den Weg zu den Baumärkten an der Fuggerstraße machen.

Dem war am Sonntag tatsächlich so, doch außerhalb der Altstadt war nicht bei Dehner und Hagebau am meisten los, sondern auf dem Parkplatz rund um den Real-Markt an der Fuggerstraße, wo ein Flohmarkt für Menschenmassen wie zwischen Bahnhof und Malteser sorgte. Gut gefüllt waren zudem die Möbelhäuser an der Regensburger Straße und die Läden an den Franzosenäckern, die mit Ausnahme des Kauflands geöffnet waren. Von diesen Sonderfällen abgesehen, konzentrierte sich das Geschäft auf die Altstadt.

Laut Markus Frauendorfer ist das nicht ungewöhnlich: "Für den einen oder anderen Kleinen ist das vielleicht tatsächlich nicht ganz so attraktiv." Das bedeute aber nicht, dass das für immer so bleiben müsse: "Wir haben ja auch gewisse Mitzieheffekte. Wenn der eine oder andere offen hätte, würde er Leute sehen, die er sonst so vielleicht nicht sieht." Ziel müsse es sein, Aktionen wie die Einkaufssonntage "als gemeinsames Event der Stadt" zu sehen.

Auch Randlagen im Blick haben

Frauendorfer begründet das mit einem Beispiel. Am Sonntag parkten viele aufgrund der Altstadtnähe in der Fleury- und Marienstraße, standen dort aber mit Ausnahme der Gastro-Betriebe vor verschlossenen Türen: "Das ist eine Chance, die man da nicht nutzt." Aus Sicht des Stadtmarketings müsse es Aufgabe sein, Amberg möglichst attraktiv darzustellen: "Dass viele mitmachen." Außen- und Randlagen dürfe man dabei nicht aus den Augen verlieren: "Das ist ganz wichtig."

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Kommentar:

Alle Händler sollen profitieren können

Nur eine Frau, die eine FFP2-Maske trägt, dokumentiert, dass das Foto zu diesem Bericht aus dem Jahr 2021 stammen muss. Doch abgesehen davon, könnte es auch aus den Vorjahren sein, weil die Altstadt am Einkaufssonntag immer proppenvoll ist. Umgekehrt gilt das aber auch. In Außen- und Randlagen herrscht seit jeher an Shopping-Sonntagen tote Hose. Von Ausnahmen abgesehen. Hoffentlich lässt sich bald ein Weg finden, wie alle Händler dort miteinbezogen werden können. Am besten schon nächstes Jahr.

Thomas Kosarew

 

 

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