10.06.2020 - 10:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Das Vermächtnis von Walter Gropius

Die Glaskathedrale eröffnet vor 50 Jahren am 9. Juni 1970. Das Jubiläumsprogramm mit einer Sonderausstellung wird verschoben auf nächstes Jahr.

Im Mai 2019 wurde in der Glaskathedrale ein Dokumentationsraum eingerichtet.
von Externer BeitragProfil

Das Amberger Glaswerk - die Glaskathedrale, wie es im Volksmund schon lange genannt wird - ist im Zuge des Bauhaus-Jubiläums 2019 wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. In diesem Jahr feiert der Industriebau mit seiner besonderen Architektur runden Geburtstag, denn vor 50 Jahren - am 9. Juni 1970 - wurde er eingeweiht.

Nach nur zweijähriger Bauzeit konnte das neue Glaswerk am Bergsteig offiziell eröffnet werden. Zu diesem Anlass waren zahlreiche Gäste gekommen. Der Architekt des Glaswerks, Bauhaus-Gründer Walter Gropius, konnte diesem Ereignis nicht mehr beiwohnen, denn er war bereits ein Jahr zuvor am 5. Juli 1969 verstorben. Jedoch waren seine Frau Ise Gropius und sein Architekten-Kollege aus Boston, Alexander Cvijanovic, der am Bau der Glaskathedrale maßgeblich beteiligt war, angereist. Ise Gropius sah das Glaswerk sogar als das "Vermächtnis ihres Mannes". Denn es ist nicht nur das einzige Werk von Walter Gropius in der Oberpfalz, sondern es war zugleich sein letztes.

Tatsächlich in Betrieb war das neu erbaute Glaswerk schon deutlich früher. Es wurde 1967 geplant und ab 1968 in zwei Abschnitten gebaut. Als der erste Teil im Norden des Areals 1969 fertig errichtet war, lief darin bereits die Produktion an. Der zweite, unmittelbar daran anschließende Gebäudeabschnitt wurde nach dem Abriss der deutlich kleineren Vorgängerhütte fertiggestellt. Zu dieser Zeit erfolgte die Herstellung des vorwiegend mundgeblasenen Glases an mehreren Glasöfen. Bis heute wird dort Glas produziert, in einem Gebäude, das nicht nur aufgrund seiner Dachform architektonisch bestens auf die Glasherstellung ausgelegt ist.

Die aufragende Dachform des Mittelschiffs mit den flankierenden Flachbauten war es auch, die schon in den 1960er Jahren zu Äußerungen wie "ein Novum im Industriebau", "Glasmacher unterm Beton-Sonnenzelt", der Bezeichnung als "Gropius-Zelt" oder dem bekannteren Begriff der "Glaskathedrale" führten.

Im Mai 2019 wurde in der Glaskathedrale ein Dokumentationsraum eingerichtet. Interessierte haben so nach Voranmeldung im Stadtmuseum Amberg die Gelegenheit, bei einer multimedialen Führung der Entstehungsgeschichte und Architektur dieses einmaligen Baus näher zu kommen.

Zahlreiche Aktionen waren für dieses Jahr anlässlich "50 Jahre Glaskathedrale" geplant. Ein Großteil davon musste auf das kommende Jahr 2021 verschoben werden. So unter anderem   die thematisch anknüpfende Sonderausstellung im Stadtmuseum, Vorträge, ein landkreisweiter Schülerwettbewerb sowie ein Aktionstag.

Die Sonderausstellung "Der Arbeit Paläste bauen - Die erste und die letzte Fabrik von Walter Gropius", die in Kooperation mit dem Unesco-Welterbe Fagus-Werk entstanden ist, wird nun im Juni 2021 eröffnet. Sie beleuchtet in sechs Themenschwerpunkten Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden herausragenden Beispiele deutscher Industriearchitektur. Arbeiten des Fotografen Clemens Zahn ergänzen die Ausstellung. Weiterhin sind für 2021 ein Symposium zur Glaskathedrale sowie eine Buchpublikation zur Architektur dieses besonderen Baudenkmals geplant.

In Verlauf diesen Jahres werden ein Museumskoffer zur Glaskathedrale für Schulen und ein Virtual-Reality-Film vorgestellt. So soll die Wartezeit bis zum Programm, das nun 2021 stattfinden wird, etwas verkürzt werden.

Besucher-Information:

Öffnungszeiten und Führungen

Die derzeit ausgesetzten Führungen im „Erlebnis Glaskathedrale“ werden sobald es die Bedingungen zulassen wieder aufgenommen. Informationen erhalten Interessierte auf www.stadtmuseum.amberg.de, unter Telefon 09621/101284 oder direkt im Stadtmuseum Amberg (Zeughausstraße 18, 92224 Amberg) sowie per E-Mail an stadtmuseum[at]amberg[dot]de.

Geöffnet hat das Museum aktuell dienstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr.

Die Sonderausstellung „Der Arbeit Paläste bauen – Die erste und die letzte Fabrik von Walter Gropius“, die in Kooperation mit dem Unesco-Welterbe Fagus-Werk entstanden ist, wird nun im Juni 2021 eröffnet.
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