23.02.2020 - 15:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Vermummte Männer wollen 100 Euro

Der Mann hat 15 Jahre Haft abgesessen. Ein weiteres Jahr steht nun bevor. "Sie kamen mit einem Komplizen als Rollkommando", sagt der Richter und schildert, wie zwei Maskierte in eine Amberger Wohnung vordrangen, um Schulden einzutreiben.

Zwei Männer wollten einer Bekannten einen Gefallen tun. Sie wollten für sie die 100 Euro eintreiben, die ihr ein Amberger schuldet.
von Autor HWOProfil

Was die 3. Strafkammer des Landgerichts über mehrere Stunden hinweg beschäftigte, war ein abendliches Intermezzo der heftigen Art. Es geschah im Januar 2018 im achten Stockwerk eines Amberger Hauses und ging damit einher, dass zwei Männer als Schuldeneintreiber tätig wurden. Die Hintergründe deckte Richter Peter Hollweck durch die Anhörung zahlreicher Zeugen auf.

Bekannte wartet auf Geld

Eine junge Frau hatte über längere Zeit hinweg erfolglos versucht, 100 Euro von einem Bekannten zu bekommen, die sie ihm wegen einer mutmaßlichen Drogenbeschaffung in der Tschechischen Republik gegeben hatte. Sie bekam aber weder die georderte Ware noch das Geld zurück. Was sie dann tat, brachte ihr später vor dem Amtsgericht eine Geldstrafe ein. Die 26-Jährige erzählte zwei Kumpels von ihrem Problem und bekam noch am gleichen Tag Unterstützung.

Uhr als Pfand

Zu dritt fuhren sie an ein mehrstöckiges Haus, in dem sich der säumige Schuldner bei seiner Lebensgefährtin aufhielt. Während die Auftraggeberin eher im Hintergrund blieb, verdeckten ihre Begleiter die Gesichter mit Schals und Jackenkragen. Dann wurde geklingelt und nach dem Öffnen zur Tat geschritten. Das Opfer fiel, offenbar von der Tür erfasst, zu Boden und hörte, dass "100 Euro fällig sind". Der 36-Jährige hatte kein Geld bei sich. Also bot er an: "Nehmt meine Uhr mit." Die Männer, beide mit stämmiger Figur, nahmen sie quasi als Pfand und gingen.

Richter Hollweck erfuhr: "Das alles hat etwa fünf Minuten gedauert." Außerdem hörte er, dass ein Raub nicht stattfand. So wertete das später auch die Staatsanwaltschaft. Sie ging von Nötigung aus. Allerdings in einer sehr massiven Form. Die Uhr bekam der mittlerweile Besitzer zurück.

Gegen einen der Täter ist das Verfahren unterdessen beendet. Es wurde mit Blick auf weitere von ihm begangene Straftaten und daraus resultierenden Ahndungen eingestellt. Vor die Strafkammer wurde der 39-Jährige nun von Polizisten aus der Haft vorgeführt. Von ihm hörten die Richter: "Wir wollten ihm nur einen Schrecken einjagen, damit er die 100 Euro herausrückt." Sein auf der Anklagebank sitzender Komplize äußerte sich ähnlich. Es sei eigentlich nur ein kurzer Besuch gewesen, um der Frau zu ihren 100 Euro zu verhelfen. Die Gesichter seien nicht vermummt gewesen. Einen festgelegten Plan habe es nicht gegeben.

Mehrfach vorbestraft

Richter Hollweck sichtete Unterlagen und las vor: "Bisher 15 Jahre im Gefängnis, verurteilt wegen massiver Straftaten." Darunter ein Tankstellenraub in Sulzbach-Rosenberg und eine Verfolgungsjagd mit der Polizei unter Benutzung einer Schusswaffe bei Wernberg-Köblitz. Außerdem Vergewaltigung und sexueller Missbrauch. Vor dem Amtsgericht hatte der Mann wegen Nötigung sechs Monate ohne Bewährung erhalten. Dagegen stemmte sich nun im Berufungsverfahren sein Anwalt Jürgen Mühl. Der Vorfall sei keine Nötigung gewesen. Da seien eben "zwei gestandene Mannsbilder" erschienen und hätten im Namen der Frau daran erinnert, dass noch eine Schuld offen sei. Kein strafbarer Vorgang also und damit Freispruch.

Keine Kleinigkeit

Staatsanwältin Barbara Tutsch war völlig anderer Ansicht. "Es gab einen Tatplan", sagte sie und verlangte ein Jahr Haft. Diese zwölf Monate wurden von der Strafkammer dann auch verhängt. Mit einer deutlichen Beschreibung des Richters. "In dem Haus erschien ein Rollkommando", unterstrich Peter Hollweck und sah keinen Anlass, "das alles hier als Kleinigkeit abzutun".

Der 51-Jährige wurde nach dem Urteil in seine Haftzelle zurückgebracht. Demnächst kommt er wieder zum Landgericht. Dann wird es in der Berufung um einen Raub in Amberg gehen, für den er in erster Instanz knapp vier Jahre Gefängnis bekam. Würde das Urteil bestätigt, wäre er insgesamt für weitere knapp fünf Jahre hinter Gittern.

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