13.11.2020 - 04:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Von Verweigerern und Hinterliegern in Ambergs Altstadt

"Hans im Glück" war sein letzter Geniestreich. Aber auch H&M, NanuNana, Bijou Brigitte, Jack&Jones, Vero Moda, C&A und einige mehr hat er nach Amberg gebracht. Am Freitag feiert der Immobilien- und Altstadt-Fan Ulrich Schmid 75. Geburtstag.

Der Blick ist oft kritisch, die Haltung zu Amberg stets konstruktiv: Ulrich Schmid feiert am Freitag seinen 75. Geburtstag.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Von Beruf ist Ulrich Schmid eigentlich Steuerberater und Rechtsbeistand, mit seinen top sanierten Gebäuden - in Amberg auch in weiteren Stadtteilen sowie in Nürnberg und in München - aber längst genauso Immobilien- und Einzelhandelsexperte. Oberpfalz-Medien führte mit dem Branchenkenner ein Interview zur Altstadt-Entwicklung, an der sein Herz schon immer sehr hängt.

Schon zum 70. haben Oberpfalz-Medien über Ulrich Schmids bemerkenswerten Lebensweg berichtet

ONETZ: Wenn Sie an Ihrem besonderen Geburtstag einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich wünschen (für Amberg)?

Ulrich Schmid: Da hätte ich einiges zu bieten: Zum einen würde ich mir wünschen, dass zum Wohle unserer wunderschönen Stadt wieder die wirklichen Probleme wie Leerstände, die Altstadt verlassende Ärzte, Notare, Rechtsanwälte sowie aufgebende Handwerksbetriebe, wie zum Beispiel Metzger, Bäcker etc. erneut stärker in den Fokus rücken. Es gibt auch kein Naturgesetz, dass eine Fußgängerzone so groß bleiben muss, wie es vor vielen Jahren einmal richtig war. Auch sollte die in den letzten Jahren bei nahezu jedem größeren Vorhaben erkennbare Verweigerungskultur einer konstruktiven Kritik weichen, um den an diversen Stellen erlebten jahrelangen Stillstand künftig zu vermeiden. Wir alle sind aufgerufen, an einer positiven Fortentwicklung unserer Stadt - nach den jeweiligen Möglichkeiten natürlich - mitzuwirken. Das heißt, konstruktive Kritik ja, Verweigerungshaltung nein.

ONETZ: Schmerzt es Sie, dass der von Ihnen damals zusammen mit der Stadtbau unterbreitete Vorschlag von Handelsmagnet und Wohnen fürs Bürgerspitalareal nicht zum Zuge kam?

Ulrich Schmid: Nein, absolut nicht. Ich darf daran erinnern, dass ich seinerzeit vehement die Auffassung vertreten habe, dass sich ohne einen entsprechend breiten und exklusiven direkten Zugang zur Bahnhofstraße kein den Zielen des Wettbewerbs "Belebung der Bahnhofstraße" fördernder Nutzer der EG-Fläche finden wird und damit das sogenannte Filet-Grundstück zu einem Hinterlieger-Grundstück mutiert. Genau so ist es jetzt leider gekommen.

ONETZ: War es also falsch, statt eines einheimischen Investors, der nachgewiesener Maßen ein besonderes Herz für seine Heimatstadt hat, einen auswärtigen (Konzern aus Holland) zum Zuge kommen zu lassen?

Ulrich Schmid: Man kann nicht generell sagen, dass die Vergabe an einen einheimischen Investor richtig und an einen auswärtigen falsch sei. Entscheidend ist etwas anderes: Handelt es sich bei dem Investor um jemand, der seine Objekte behält und demnach für viele Jahre mit seiner Immobilie verbunden bleibt oder handelt es sich um einen Bauträger. Im letzteren Fall wird regelmäßig Teileigentum geschaffen und wie man sieht, bundesweit an den Mann gebracht. Dass dadurch keine Bindung zur Heimatstadt entsteht, liegt auf der Hand. Es spielt im Ergebnis also letztlich so gut wie keine Rolle, ob Bauträger aus Amberg oder aus fernen Landen kommen.

ONETZ: Was halten Sie von den Ten-Brinke-Plänen und dem jüngst vorgestellten Aussehen des geplanten Gebäudes – was von der abgespeckten Form der Tiefgarage?

Ulrich Schmid: Ich mache mir weit weniger Sorgen um das von Ten Brinke vorgestellte Aussehen der geplanten Gebäude, als um die deutliche Verringerung der Stellplätze in der Tiefgarage. Die Fassade auf dem Hinterlieger-Grundstück Spitalgelände ist für die Entwicklung der Stadt Amberg nicht entscheidend und kann sicherlich im Dialog mit dem Bauamt gegebenenfalls verbessert werden. Von weitaus größerer Bedeutung ist der Verlust von altstadtverträglichen unterirdischen Stellplätzen, die für eine Belebung der Bahnhofstraße und des gesamten Altstadtteils dringendst notwendig wären.

ONETZ: Und das Ex-Kaufhaus Storg gegenüber? Ist das Hotel-Projekt das Richtige fürs Forum? Auch für die Altstadt an dieser Stelle?

Ulrich Schmid: Bei der ehemaligen Storg-Immobilie handelt es sich um einen seit Jahrzehnten landauf und landab bekannten Handelsstandort und wirklich um ein Filet-Grundstück mit breitem Anschluss an die Bahnhofstraße. Mit der Ansiedlung eines Hotels und einiger Läden wurde aus meiner Sicht die Chance vertan, den überaus bekannten Handelsstandort als Anziehungspunkt für das Umland wieder zu beleben. Der Blick nach Weiden zeigt - auch wenn ich keinesfalls einem Einkaufscenter an dieser Stelle das Wort reden möchte -, dass eine angemessene Belegung durch interessante Handelsfirmen auch für Amberg durchaus realistisch gewesen wäre. Ein Magnet mit Sogwirkung für die Amberger Umgebung ist das vorgestellte Projekt sicherlich nicht.

Heute ist Ulrich Schmid Ehrenvorsitzender der Projekthilfe Dr. Luppa und spendet immer wieder selber kräftig für die Philippinen

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