„Die Kirche ist an einem toten Punkt angelangt“, so die Analyse von Münchens Kardinal Reinhard Marx vor einiger Zeit. Die zahlreichen Besucher einer ganz besonderen liturgischen Vesper am Donnerstagabend in St. Martin hatten da wahrlich alles andere als den Eindruck von einer totgesagten Kirche. Das Feuerwerk an moderner, jazziger und mitreißender Musik war keine Begräbnisfeier einer müden und sterbenden Kirche. Dabei hatte der eigentliche Protagonist des Abends, Kirchenmusiker Bernhard Müllers, überhaupt keinerlei umstürzlerische Reformen liturgischer Traditionen im Sinn. Getreu der überlieferten jahrhundertealten Form und dem Ablauf des abendlichen Stundengebetes der Kirche, eben der sogenannten Vesper, komponierte er eine musikalische Gestaltung, die einfach begeisternd mitriss und zugleich in so meditativer Weise zum Innehalten führte. Die Vesper war die Masterarbeit und Live-Prüfung für seinen Abschluss des zweijährigen Studiums an der Hochschule für Kirchenmusik im Fach „Neue Kirchenmusik“. Es waren 4 Professoren der Hochschule als Jury anwesend.
E-Bass (Michael Straube), Schlagzeug (Ingrid Prechtl), Keyboard (Bernhard Müllers) und Saxophon (Martin Möpl Jungmeier) begleiteten und forderten einen so fein harmonisch abgestimmten Chor aus jugendlichen Stimmen (Studenten der Hochschule für Kirchenmusik Regensburg), der die Hymnen und Zwischengesänge zu einem wahrlich erhebenden Gotteslob werden ließen. Jahrtausendealte Psalmen einmal in fast Rap-artiger Weise dargeboten zu bekommen (Solisten Vinzenz Döring, Jana Zinnbauer), kann neue Sicht- und Verstehensweisen öffnen.
Der minutenlange stehende Applaus der Teilnehmer in der vollen Kirche war nicht nur als berechtige Anerkennung und Hochachtung für die hervorragenden Sänger und Instrumentalisten gedacht, es war wohl auch so etwas wie Hoffnung, dass eine Kirche, die solche modernen und zeitgemäßen Wege und Weisen liturgischer Formen zu den Bedürfnissen und Sehnsüchten der heutigen Menschen findet, neues Vertrauen und Zuversicht verdient.
Der einzige Wermutstropfen war, dass aufgrund der Platzbeschränkungen viele Besucher keinen Einlass mehr in die Kirche fanden.













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