09.12.2018 - 09:52 Uhr
AmbergOberpfalz

"Viele falsche Behauptungen"

Wenn sie das Wohl von Tieren gefährdet sieht, kann Sabine Falk ungemütlich werden. In diese Kategorie fällt auch das, was sie über die Diskussion in den Gemeinderäten zur Forderung nach einer höheren Fundtierpauschale liest.

76 Prozent aller im Amberger Tierheim versorgten Tiere fallen in die Kategorie Fundtiere, für die Kommunen zuständig sind. Die bisher dafür erhobene Pauschale ist deutlich zu niedrig angesetzt. Die nötige, gravierende Erhöhung stößt bei den Gemeinden auf wenig Gegenliebe.
von Markus Müller Kontakt Profil

"Viele falsche Behauptungen" würden da aufgestellt, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins für Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach. Sie frage sich, wie man von einer Fundtierpauschale in Höhe von 3,10 Euro reden könne oder davon, dass im Teil-Neubau des Tierheims 40 Hundezwinger geplant seien. "Mir ist das schleierhaft." Tatsächlich gehe es um 2,10 Euro und 21 Zwinger. Das habe sie den Kommunen auch schriftlich mitgeteilt.

Um zu erklären, was es mit der Fundtierpauschale auf sich hat, muss Sabine Falk die grundsätzliche Dreiteilung des Gebildes aus Tierschutzverein und Tierheim erläutern: Man sei 1. ein Verein, 2. ein Zweckbetrieb mit Verträgen mit den Kommunen, dass man sich um deren Fundtiere annehme, und bestehe 3. aus dem ideellen oder gemeinnützigen Bereich. Letzteres bedeutet, dass das Heim sich auch um "Sozialtiere" kümmert, für die sonst niemand zuständig ist bzw. von deren Besitzern kein Geld zu holen ist. Für die hier anfallenden Kosten muss der Verein selbst aufkommen. Dafür nimmt man die Einnahmen, die durch Spenden, Erbschaften oder die Mitgliedsbeiträge entstehen.

Die Fundtierpauschale liegt bei einem Euro pro Bürger und Jahr. Die zahlen die Gemeinden seit dem 1.1.2017 in dieser Höhe. Dafür können sie sicher sein, dass sich das Tierheim um die in ihrem Gebiet aufgegriffenen herrenlosen oder vernachlässigten Tiere kümmert. Das zählt eigentlich zu den Aufgaben der Kommunen, kann aber per Vereinbarung auf eine andere Einrichtung übertragen werden.

Anteilig berechnet

Beim Tierschutzverein hat man nun festgestellt, dass die 2017 von 50 Cent auf einen Euro erhöhte Fundtierpauschale immer noch nicht ausreicht, um die durch diese Tiere tatsächlich entstehenden Kosten zu decken. Der neue Ansatz war daher, sich von einem Steuerberater die gesamten Betriebskosten eines Jahres ausrechnen zu lassen und den zur Quote der Fundtiere in Relation zu setzen. Konkret: 76 Prozent aller im Tierheim versorgten Tiere sind Fundtiere, deshalb soll auch die Fundtierpauschale einen Anteil von 76 Prozent der Ausgaben abdecken. Dafür müsste sie auf 2,10 Euro pro Gemeindebürger ansteigen.

Zweimal eingeladen

Das habe sie Anfang Oktober an alle Vertrags-Kommunen geschrieben, sagt Sabine Falk. Akzeptiert habe das bisher noch niemand, meist sei gar keine Reaktion gekommen. Ebermannsdorf und Ammerthal hätten sie aber eingeladen, um die Situation im Gemeinderat zu erläutern. Dort erklärte die Vereinsvorsitzende die Grundlage ihrer Berechnung: "Wir wollen ja nicht dran verdienen, sondern nur unsere Kosten decken."

Solange der Tierschutzverein nicht weiß, ob die Kommunen die geforderte Fundtierpauschale von 2,10 Euro bezahlen, befindet er sich in einem Schwebezustand: die finanzielle Zukunft unklar, die Pleite mal mehr, mal weniger in Sichtweite. Was Sabine Falk daran besonders wehtut: "Die Verlierer sind die Tiere."

Der Neubau:

Das Tierheim – es liegt zwischen Amberg und Ursensollen, aber auf Landkreisgebiet – ist ein Bau aus den 70er Jahren. Dazu kam 1992 ein Anbau, der laut Sabine Falk wegen kaputter Rohre unter Wasser steht und nur noch zweckentfremdet zu nutzen ist. „Der muss abgerissen werden.“ Gleiches gelte für den alten Hundebau, in dem man etwa nichts mehr desinfizieren könne.

Der Neubau dieser Teile wird seit vielen Jahren geplant. Als Sabine Falk 2015 zur Vorsitzenden des Tierschutzvereins gewählt wurde, lag bereits ein Konzept vor, das auf 3,5 Millionen Euro Baukosten und einen jährlichen Unterhalt von etwa 800 000 Euro gekommen wäre, erklärt sie. „Wir haben dann einen neuen Plan machen lassen, weil wir das nicht unterhalten können und weil uns klar war, dass die Gemeinden das bestimmt nicht zahlen.“

Die neue Variante lag dann bei 2,1 Millionen Euro Baukosten und einem geschätzten Unterhalt von 400 000 bis 450 000 Euro. Die ursprünglich vorgesehenen 27 Zwinger wurden auf 21 reduziert (wie für ein zu betreuendes Gebiet mit rund 150 000 Einwohnern empfohlen), statt dreier Gebäude war nur noch ein einziges vorgesehen, was weniger Fläche, weniger zurückzulegende Wege und weniger Personalkosten bedeutete.

Sabine Falk hat aus der Diskussion in den Gemeinderäten den Eindruck gewonnen, dort nehme man an, die 2,1 Millionen Euro seien die Baukosten nur für den Hundetrakt. „Das stimmt aber nicht. Bei dem Neubau geht es auch um Sozialräume, Mehrzweckräume, einen Lagerplatz – derzeit lagern wir beim Mieter nebenan im Keller.“ Ganz dringend seien zudem Toiletten und Duschen. Zurzeit gibt es im Tierheim eine einzige Toilette, die Frauen und Männer gemeinsam benutzen müssen, und keine Dusche. Zur Notwendigkeit vernünftiger Sozialräume sagt Sabine Falk lediglich eines: „Derzeit können die Mitarbeiter nur neben dem Käfig für die Ratten Brotzeit machen.“

Der Tierheim-Teilneubau, so seine Umsetzung denn irgendwann genehmigt wird, finanziert sich übrigens aus einer Sonderumlage, die die Kommunen entrichten, nicht über die Fundtierpauschale. (ll)

Sonderfall:

Warum hat der Tierschutzverein mit allen Kommunen in der Region Amberg-Sulzbach einen Vertrag, dass er sich um die Fundtiere kümmert, die aus ihrem Gebiet kommen, aber nicht mit Schmidmühlen? Laut Sabine Falk bestand der Vertrag früher auch mit der Gemeinde Schmidmühlen, doch die habe ihn 2016 zum 1.1.2017 gekündigt (also zu dem Zeitpunkt, ab dem die anderen Kommunen von 50 Cent auf einen Euro Fundtierpaushale erhöhten). „Seitdem schreiben wir die Gemeinde an, wer zuständig sein soll, wenn ein Tier von dort bei uns gemeldet wird“, sagt Sabine Falk. „Aber wir bekommen keine Antwort.“ (ll)

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