14.05.2020 - 15:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Vier unvergessliche Monate in Gambia

Zwei junge Frauen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach haben für vier Monate die gewohnte Heimat verlassen und sind für ein Praktikum nach Westafrika. Im Interview sprechen sie über ihre Erlebnisse in Gambia.

Julia Dennerlein (links) hat während ihres Praktikums in Gambia viele Freundschaften geschlossen.
von Externer BeitragProfil

Nach dem Abitur ins Ausland, das ist der Plan vieler Schulabsolventinnen in Deutschland. Zwei junge Frauen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach haben dabei – in der Zeit vor Corona – ein besonderes Abenteuer gewagt und für vier Monate ein soziales Praktikum im westafrikanischen Gambia absolviert. Ermöglicht wurde dies durch den Amberger Verein Socialis for The Gambia, der die Bildungsarbeit im kleinen afrikanischen Land durch die Finanzierung einer Vor- und Grundschule sowie einer Ausbildungsstätte unterstützt. Im Interview erzählen Iris Prechtl (18) und Julia Dennerlein (19) von ihrer Reise.

ONETZ: Wie kam es dazu, dass ihr euch für ein Praktikum in Gambia entschieden habt? 

Julia: Ich wollte schon immer für eine längere Zeit ins Ausland gehen, da man ein Land ganz anders kennenlernen kann, wenn man dort lebt, als wenn man nur als Tourist für ein paar Wochen dort ist. Nach meinem Abi habe ich dann beschlossen das in die Tat umzusetzen.

ONETZ:

Iris: Ich wollte auch etwas Neues ausprobieren und mein Englisch verbessern, dabei aber auf etwas aus der Umgebung zurückgreifen. Und so ging es dann durch den Amberger Verein Socialis for the Gambia nach Gambia.

ONETZ: Wie war euer erster Eindruck als ihr angekommen seid?

Iris: Oh jemine, wo bin ich denn hier gelandet (lacht)? Es war dann doch alles ein bisschen ärmer als erwartet.

ONETZ:

Julia: Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie wir vom Flughafen abgeholt wurden und plötzlich wie aus dem Nichts eine Kuh vors Auto gelaufen ist und wir abrupt anhalten mussten. Außerdem war es unglaublich heiß und überall lag Sand und Müll. Besonders fasziniert haben mich aber von Anfang an die Frauen in ihren bunten Kleidern, die ihre Kinder auf dem Rücken getragen haben und gleichzeitig noch eine Obstschale auf dem Kopf balanciert haben.

ONETZ: Wie war euer Tagesablauf?

Julia: Unter der Woche haben wir uns in der Früh die Fahrräder geschnappt und uns auf dem Weg zur Schule im Shop nebenan unser Frühstück mitgenommen. Von 8 bis 15.30 Uhr waren wir dann an der Schule und sind am Rückweg oft bei Freunden vorbeigefahren. Dann hieß es erstmal ausruhen, Tee trinken und eine Runde Kniffel spielen. Später waren wir oft am Markt einkaufen und haben abends gemeinsam gekocht und sind mit Freunden gemütlich auf der Terrasse zusammengesessen. Am Wochenende wurde immer etwas unternommen, wie zum Beispiel ein Ausflug an den Strand, eine Einladung zu einer Hochzeit oder wir haben als Touristen das Land erkundet.

ONETZ: Was waren eure Aufgaben an der Schule?

Iris: Hauptsächlich mit den Kindern kreative Ideen verwirklichen, sei es beim Basteln oder Fotografieren. Und sonst um die Lesestunden und die Erste Hilfe kümmern, kleinere technische Probleme an den Computern lösen und Plakate für die Klassenzimmer zu gestalten.

Iris Prechtl verbrachte vier Monate in Gambia.

ONETZ:

Julia: Und manchmal haben wir auch Sonderaufgaben bekommen, wie zum Beispiel ein Fotoprojekt, oder ein Kunstprojekt zum Thema Klimawandel durchzuführen.

ONETZ: Welcher Tag ist euch besonders in Erinnerung geblieben?

Iris: Da gibt es zu viele, um einen bestimmten davon auswählen zu können.

ONETZ:

Julia: Unser Ausflug nach Janjanbureh, ins ärmere Landesinnere Gambias. Dort haben wir das typische gambianische Leben kennengelernt und festgestellt, dass unsere von der Organisation gestellte Unterkunft doch um einiges westlicher geprägt war, als wir dachten. Beispielsweise hatten wir dort befestigte Toiletten, was in Gambia noch lange nicht überall Standard ist.

ONETZ: Was hat euch besonders fasziniert?

Julia: Das Lächeln der Kinder. Die süßen strahlenden weißen Zähne und ihre Zufriedenheit, obwohl sie kaum etwas besitzen. Es gab wirklich fast keinen Tag, an dem ich ein Kind weinen gesehen habe.

Alles rund um den Verein Socialis for Gambia

ONETZ:

Iris: Und, dass sich die Gambianer beim Essen nicht ständig die Finger verbrennen, wenn sie den Reis zu kleinen Bällchen formen.

ONETZ: Würdet ihr das Praktikum weiterempfehlen und wenn ja, warum?

Iris: Auf jeden Fall, vor allem weil ihr dort super liebe Leute kennenlernen werdet, aber auch, um mal einen komplett anderen Lebensstil miterleben zu können, von dem man manches auch nach Hause mitnimmt. Und ihr werdet euer Leben dort deutlich entspannter sehen, es herrscht einfach eine super gelassene und freundliche Stimmung.

ONETZ:

Julia: Man lernt auch für sich selbst unglaublich viel, unter anderem Selbständigkeit und Offenheit. Gleichzeitig kann man Menschen in einem Land unterstützen, das noch weit von unserem Entwicklungsstand entfernt ist.

ONETZ: Was nehmt ihr von eurer Zeit in Gambia mit?

Julia: Mir wurde klar, dass wir das, was wir hier in Deutschland haben viel mehr wertschätzen sollten und wie wichtig es ist, sich Zeit für die Dinge und Menschen zu nehmen, die einem am Herzen liegen. Außerdem habe ich durch die gambianische Lebensart gelernt, das Leben entspannter zu sehen und mir weniger Druck und Stress zu machen.

ONETZ:

Iris: Vieles, größtenteils aber wahrscheinlich zu erkennen, dass man nicht das tausendste selbe Teil braucht und man auch mit wenig glücklich sein kann. Und viel zu viele Wonjo-Blüten, um das traditionelle Getränk auch in der Heimat genießen zu können.

ONETZ: Was vermisst ihr am meisten?

Julia: Die Menschen, mit denen wir so unglaubliche Freundschaften geschlossen haben.

ONETZ:

Iris: Die Sonne und meine neuen Freunde.

Wer ein Praktikum in Gambia machen will oder den Verein unterstützten möchte, findet alle Infos auf der Homepage www.socialis-for-the-gambia.de oder auf Facebook. Fragen können gerne an info[at]socialis-for-the-gambia[dot]de oder unter 09621/31754 gerichtet werden.  

Spendenkonto:

Spenden an den Verein sind auf folgendes Konto möglich:

HypoVereinsbank Amberg

BIC: HYVEDEMM405

IBAN: DE80 7522 0070 0348 5509 26

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