22.04.2019 - 14:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Virtuelle Welt: Wie eine Firma in Amberg VR-Brillen einsetzt

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Große Unternehmen wie Siemens richten sich längst neu aus. Aber ist der Mega-Trend auch bei kleinen und mittleren Unternehmen angekommen. Auf Spurensuche im Dreifaltigkeitsviertel.

Philipp Hofmann ist ein Digitalisierungs-Pionier. Er ist der Chef der Firma CHP.
von PSBAProfil

ONETZ: Herr Hofmann, was ist besonders innovativ an ihrem Unternehmen?

Philipp Hofmann: Ein besonderer Service von CHP Custom-Help ist, dass wir es dem Kunden ermöglichen, mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille die Anlage, die er bestellen möchte, virtuell zu begehen, so dass er sich schon vor Bau der Anlage ein exaktes Bild von Konstruktion und Funktionsweise der Anlage machen kann. Zusätzlich geben wir dem Kunden einen vollen Serverzugriff, so dass er in Echtzeit über den Stand seines Auftrags informiert ist und ohne Verzögerung Änderungen vornehmen kann.

ONETZ: Was bedeutet für Sie Digitalisierung?

Philipp Hofmann: Das ist nicht so ganz leicht zu sagen. Digitalisierung beschreibt, grob gesagt, die Umwandlung analoger Werte oder Daten in ein digital nutzbares Format. Digitalisierung bringt nicht viel, wenn sie auf dieser Umwandlungsstufe stehen bleibt. Entscheidend ist, dass man die die Vernetzungsmöglichkeiten von digitalisierten Daten nutzt. Zum Beispiel ist eine Papierlose Fertigung wie wir sie derzeit umsetzten ein guter Ansatz. Somit arbeitet die Fertigung immer mit den neusten Datensatz, so dass Änderungen nicht übersehen werden können.

ONETZ: Digitalisierung verändert die Wirtschaft und damit auch den Maschinenbau radikal. Wie bekommt ihr Unternehmen diese Auswirkungen zu spüren?

Philipp Hofmann: Die Antwort ist recht einfach: Wer den Weg der Digitalisierung nicht mitgeht, wird Probleme bekommen. Die weitere Prozess-Automatisierung ist essentiell, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

ONETZ: Wenn man an IT-Innovationen denkt, denkt man automatisch an das Silicon Valley. Können Entwicklungen von dort Ihre Innovationen überflüssig machen?

Philipp Hofmann: Nein das macht mir keine Sorgen. Der Markt im Sondermaschinenbau ist sehr speziell. Software, Fertigungsanlagen oder Optimierung von Prozessen sind exakt auf den Kunden abgestimmt. Individuelle Lösungen für den Kunden sind hier unsere Stärke.

ONETZ: Die Politik hat das Thema Digitalisierung mit hoher Priorität auf der Agenda. Klar ist, dass die Digitalisierung unsere Arbeitswelt komplett verändert. Ist unser Bildungssystem darauf aktuell schon vorbereitet? Bekommen Sie Mitarbeiter mit der geeigneten Ausbildung?

Philipp Hofmann: Politik und Schulen bemühen sich und das ist auch wichtig, aber bei der Personalgewinnung ist der Unternehmer selbst gefordert, seine Mitarbeiter zu motivieren und weiterzubilden. Geeignetes Personal muss schon früh motiviert werden. Zum Beispiel Anreize schaffen für Praktikanten. Man muss hier schon Begeisterung für Mechatronik erzeugen und so potenzielle Mitarbeiter für das Unternehmen interessieren. Wer Lust hat ständig etwas neues zu erschaffen, der ist beim Sondermaschinenbau gut aufgehoben.

ONETZ: Was macht Amberg zum richtigen Standort für Sie?

Philipp Hofmann: Es gibt alles vor Ort was wir brauchen. Wir haben hier Industrie-Kunden und können unser Material in Amberg und Umgebung beziehen. Wir finden ausreichend geeignetes Personal. Die zentrale Lage von Amberg, mit der Nähe zur Autobahn, ist zweifellos auch ein Standortvorteil. Auch die Wertschätzung und Unterstützung, zum Beispiel durch die Wirtschaftsförderung, die wir in Amberg erfahren, sprechen für den Standort.

Christoph Fuchs von der Amberger Wirtschaftsförderung (links) mit Firmenchef Philipp Hofmann.
Info:

Zur Person

Phillipp Hofmann studierte an der OTH Amberg-Weiden Software-Systemtechnik. Schon während des Studiums programmierte er einen Texteditor für körperlich Benachteiligte mit augengesteuerter Texteingabe. Das Unternehmen CHP CustomHelp GmbH gründete er im Jahr 2010 in Amberg. Anfänglich als Software- und Konstruktionsdienstleister tätig, integrierte er 2012 den Bereich Lasersysteme.2015 wurde dann der Startschuss für den Maschinenbau gegeben. So können nun fast alle Bereiche des Maschinenbaus bei der CHP CustomHelp GmbH abdecket werden. Die Bereiche Elektronik-Entwicklung, Platinen-Design und Programmierung wurde Anfang 2016 mit ins Portfolio aufgenommen.

Hier hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten: Der Eingang der Firme CHP in der Philipp-Melanchthon-Straße in Amberg.

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