18.05.2020 - 15:32 Uhr
AmbergOberpfalz

"Virus und wir": Torschuss interruptus

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In der Kolumne "Virus und wir" berichten die Autoren von Oberpfalz-Medien von ihren Erlebnissen während der Corona-Pandemie. Volontär Florian Bindl hat sich den Neustart der Bundesliga angesehen. Sein Fazit: Notwendig, aber ungenießbar.

Fußball mit Infektionsschutz: Notwendig, aber ungenießbar.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Jetzt nimmt mir dieses Elends-Virus auch noch meine hauptsächlichste Nebenbeschäftigung weg, den Fußball. Dass die Bundesliga zwei Monate lang pausierte, war zu verschmerzen, immerhin ist man als Fußballfan so manche Dürreperiode gewohnt. Sommerpause, Winterpause, Länderspiele. Diesmal erfolgte die Zäsur zwar im Frühjahr und unfreiwillig, aber die Aussicht auf einen baldigen Neustart des Spielbetriebs – ein schrecklich technischer Ausdruck – ließ mich erleichtert aufatmen.

Vor dem Anstoß am vergangenen Wochenende war ich skeptisch. Keine Fans? Keine Fahnen? Keine Gesänge? Da fehlt doch was. Gut, gespannt war ich schon auch. Ein bisschen zumindest. Die Augen der weltweiten Sportöffentlichkeit waren schließlich auf die deutschen Stadien gerichtet. Für Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Journalisten, Ordner, für sie alle bedeutete das Experiment einen Schritt auf neues Terrain. Da dürfte sich genaues Hinschauen doch lohnen, dachte ich. Und ein rollender Ball ist besser als kein rollender Ball. Falsch gedacht.

Ja, die ergriffenen Maßnahmen sind ob des Infektionsschutzgesetzes natürlich notwendig. In Anbetracht der Vorbildfunktion der Kicker sogar dringend geboten. Ja, für einige Erst- und Zweitligisten sichern die nun sprudelnden TV-Einnahmen das finanzielle Überleben. Ja, am Fußball hängen Arbeitsplätze. Und doch habe ich mich während der Bundesliga-Konferenz mehr mit dem Smartphone beschäftigt als mit den fünf Partien. Ich hatte ständig das Gefühl, ein Spiel auf der Konsole zu verfolgen, digital, austauschbar, bedeutungslos. Tor? Wo denn? Für wen? Wer? Ach, auch egal. Irgendeiner wird´s schon gewesen sein. Fußballfreude? Eher Torschuss interruptus.

Immerhin auf eine Konstante ist Verlass: Das Spiel meines 1. FC Nürnberg am Hamburger Millerntor habe ich mit gesteigerter Aufmerksamkeitsspanne verfolgt. Ergebnis: eine unnötige und schmerzhafte Pleite für den Club. Auf manche Dinge hat eben nicht einmal so eine Pandemie Einfluss. Alles beim Alten also.

Sportredakteur Fabian Leeb berichtet vom ersten Geisterspiel in der Regensburger Arena

Regensburg
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