Amberg
Update 12.10.2018 - 16:44 Uhr

Wahl-O-Mat aus Fleisch und Blut

"Ey, Bayern! Noch dreimal schlafen." Urban Priol steigt gleich zu Beginn seines Programms "gesternheutemorgen" in das Thema Politik ein. Wie ein fleischgewordener Wahl-O-Mat wuselt er am Donnerstagabend über die Bühne des ACC.

Urban Priol. Bild: kge
Urban Priol.

"Ey, Bayern! Noch dreimal schlafen." Urban Priol steigt gleich zu Beginn seines Programms "gesternheutemorgen" in das Thema Politik ein. Wie ein fleischgewordener Wahl-O-Mat wuselt er am Donnerstagabend über die Bühne des ACC. Er kennt die Parteien mit ihren jeweiligen Zielen, Hintergründen, und im Grunde stehen ihm vor all den Machenschaften die Haare zu Berge. Obwohl, das ist so nicht richtig, denn seine Frisur hat er den Händen von Ilonka zu verdanken, "die mit Ihnen auch gut ein Feld pflügen könnte".

Wenn er an gestern denkt, wird ihm bewusst, dass seine Texte sich ähneln: "Aber dann sag' ich mir: Priol, gönn' dir was. Mach' in Retro. Du gehst nicht vor Merkel, der Pattex-Lady!" Den Kohl kann er immer noch prima und Stoibers Rede zum Problembär Bruno - ein Meilenstein deutscher Literaturgeschichte - treibt Lachtränen in die Augen. Im Jetzt und Heute kommt er an den großen Diktatoren nicht vorbei, und nur mit Humor kann er sich die weltpolitische Entwicklung zu Gemüte führen. "Das gefährdet Arbeitsplätze", ist wohl das beste Totschlagargument, das die Amtierenden pro Industrie und contra Umwelt haben. "Bald haben wir keine Insekten mehr, aber dafür Feldroboter." Söders Pläne, mit diesen und mit Flugtaxis zur Wirtschaftsmacht zu werden, sind Wasser auf Priols Mühlen.

Als italienischer Fluglotse mit schwachen Englischkenntnissen dreht er dann richtig auf, und das Publikum kann sich entspannt nur über die Komik freuen. In der Zukunft sieht er das selbstfahrende Auto, das er so gar nicht will. "Autonomes Fahren hieß bei uns früher: Der Beifahrer hält das Maul." Eine Hilfe für Unentschlossene in Sachen Wahl ist dieser Abend nicht, weil wirklich alle Parteien ihr Fett abbekommen.

Mit seinem enormen Hintergrundwissen zeigt der Satiriker aus Aschaffenburg etliche der aktuellen Missstände auf. Und trotz vielen Lachens bleibt beim Zuhören ein Kloß im Hals stecken.

Die besten Sprüche von Urban Priol:

"Jens Spahn als Hoffnungsträger ist träger als jede Hoffnung."

"Hartz IV ist wie reich sein, bloß ohne Geld."

"Bei uns wird nicht lange rumgeeiert, shoppen darf man voll verschleiert."

"Unterschichtenruhigstellsender RTL , et cetera."

"Rentner sind als Wähler sehr gefährlich, denn sie haben keine Angst vor der Zukunft. Aber auch Erstwähler, denn die kennen nix anderes."

"Da kannst du einem Hungernden zurufen: Iss weniger, dann bist du schneller satt!"

"Der Aufsichtsrat von Bayern München ist ein Stuhlkreis zur Resozialisierung."

Urban Priol Bild: kge
Urban Priol
 
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