06.01.2019 - 15:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Wahrer King der Drei Könige

Neben den Heiligen Drei Königen marschiert in Amberg auch der Nikolaus: Nicht in dieser Rolle, aber als solcher ist Hans Sturm seit 50 Jahren bekannt – und ebenso lange schlüpft er schon ins Gewand der Großen Sternsinger von St. Martin.

Ob Infusion oder nicht – wer sein Bett verlassen kann, kommt aus dem Patientenzimmer heraus und lauscht dem sonoren Gesang der Großen Sternsinger auf den Fluren des Klinikums St. Marien. Dort, aber auch im Marienheim, im Bürgerspital und der JVA sowie in mehreren Gottesdiensten hat die seit über fünf Jahrzehnten agierende Gruppe Erwachsener alljährlich am Dreikönigstag ihren großen Auftritt.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Wenn die Heiligen Drei Könige bei dem Amberger klingeln, bekommen sie eine Prinzenrolle. Klar, etwas Süßes muss neben der Spende sein für die Kinder, zumal sie vor einem Mann stehen, der die Rolle des Prinzen längst verlassen hat. Er gilt als König der Sternsinger in Amberg, obwohl er keine Krone mehr aufhat. Den royalen Kopfschmuck überlässt Hans Sturm mittlerweile Jüngeren. Aber er zählt seit 50 Jahren zu einer Truppe von Segensbringern in St. Martin, die aus doppeltem Grund etwas Besonderes ist: Seit gut ebenso langer Zeit hat die Stadtpfarrei eine Gruppe erwachsener Sternsinger, die neben dem Spendensammeln auch musikalisch auf hohem Niveau glänzt.

Sturm ist nicht nur einer von ihnen, sondern der Dienstälteste. Darauf darf er stolz sein, zumal er diese jährlich wiederkehrende Aufgabe ohne Unterbrechung ehrenamtlich macht. Ebenso bekannt ist er in Amberg für seine Rolle als Nikolaus. Die wird er heuer ebenfalls zum 50. Mal ausfüllen.

50 Jahre als Positivwerbung

Beide Jubiläen sind dem 71-Jährigen eigentlich gar nicht so wichtig. Aber Leute aus der Pfarrei, die davon wissen, haben ihn gebeten, damit doch nicht hinterm Berg zu halten, sondern positive Werbung für dieses Ehrenamt zu machen. Zumal es gar nicht mehr so einfach ist, Jugendliche und Kinder, die meistens in diese Rollen schlüpfen, dafür zu begeistern. Auch Hans Sturm hat einst in jungen Jahren angefangen. Bei den Großen Sternsingern, wie sie bis heute heißen, war es so, dass in den 1960er-Jahren zunächst einige Theologiestudenten diesen Part spielten. Bereits sie erfreuten die Kirchenbesucher von St. Martin zu Dreikönig neben ihren bunten Gewändern und Segenssprüchen mit gutem Gesang. Messen gerieten beinahe zu kleinen Konzerten, die die Gläubigen nicht mehr missen wollten, auch als die Männer mit Studiumsende ihre Auftritte einschränken und schließlich einstellen mussten.

Zu jener Zeit entstand der Wunsch, den Brauch doch mit anderen Leuten aus der Pfarrei fortzuführen. Weil Hans Sturm damals schon lang unter anderem als Ministrant in St. Martin aktiv war, fühlte er sich als einer der Ersten angesprochen, mit- und weiterzumachen. Inzwischen sind fünf Jahrzehnte daraus geworden, wobei der ehemalige Lehrer an der Max-Josef-Schule, der auch dort seine musikalischen Talente mit seinen Schülern jahrelang pflegte, gerne das Können dieses Chors herausstellt.

Dreistimmiger Probenfleiß

Das kommt nicht von ungefähr: Viele der heuer insgesamt 13 Großen Sternsinger sind auch sonst gesanglich mit Freude aktiv. Und für ihre Auftritte am 6. Januar und tags zuvor in der Vorabendmesse in der Basilika proben sie gemeinsam mehrere Male. Ihr Chorleiter Michael Meier nimmt das laut Sturm sehr ernst und lässt manche Strophen dreimal singen, bis sie sitzen. Das ist bei dreistimmigem Gesang (Tenor und Bass) - das Markenzeichen der Sternsinger - wichtig, damit die Auftritte eine möglichst perfekte Wirkung erzielen.

Das tun sie bei so viel Erfahrung und Enthusiasmus aller Mitglieder, die allein am Sonntag wieder elf Stunden für die gute Sache unterwegs waren. Rund 1000 Euro Spenden haben sie dabei gesammelt, die in die Gesamtkasse der bundesweiten Sternsingeraktion wandern. Das wollen die Großen Sternsinger nicht anders als ihre kleinen und jugendlichen Pendants - einige Hundert Jungen und Mädchen in Stadt und Landkreis, die mit ebenso viel Eifer in den letzten Tagen für benachteiligte Kinder in Peru unterwegs waren.

Hintergrund:

Neben Hans Sturm und Chorleiter Michael Meier gehören zu den Großen Sternsingern: Karl Strobl, Franz Moosburger, Martin Obendorfer, Wolfgang Sachers, Thomas Rosenblatt, Michael Schormüller und Thomas Güldenberg. Für ihre Auftritte haben die Sänger, ihre drei Könige und der Sternträger (Patrick Wittmann, Michael Koller, Alexander Lomitzki und Eric Holger) seit langem eine feste Route.

Sie begann auch heuer neben der Samstags-Vorabendmesse am Feiertag um 8 Uhr mit dem Besuch des Gefangenen-Gottesdienstes in der JVA. Im Gegensatz zu manchem Insassen darf der Aufenthalt dort nicht zu lange dauern, weil um 9 Uhr bereits der Einzug zum Amt in der Basilika und anschließend um 10 Uhr zur Messe in der Bergkirche warten. Die Senioren im Marienheim freuen sich ebenso über die Lieder und Segenswünsche, bevor es nach einer Pause in der Bergwirtschaft mit gleichem Programm im Bürgerspital und im Klinikum weitergeht.

Allein dort sind die Großen Sternsinger gut zwei Stunden auf allen Bettenstationen unterwegs. Sie lassen auf jedem Flur die Türen zu den Patientenzimmern öffnen und singen an geeigneter Stelle, damit sie jeder hören kann. Gerade in St. Marien, aber auch bei den älteren Leuten und in der JVA ist die Ergriffenheit über die schönen und klasse dargebotenen Lieder groß.

Das ist es, was die Truppe, die der verstorbene Stadtpfarrer Franz Meiler als die „Real Star Singers of St. Martin“ bezeichnete, bei der Stange hält und zufrieden macht: die freudig begeisterten Reaktionen samt großem Applaus. Den gab es auch am vergangenen Wochenende erneut, weshalb Hans Sturm und alle Mitstreiter weitermachen wollen. Wobei Sturm mit seinem Jubiläum nicht nur heuer ihr „King“ ist.

Hans Sturm (71) ist seit 50 Jahren der dienstälteste Sternsinger der Stadt.
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