08.01.2021 - 15:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Wasserwacht und DLRG warnen: "Nicht aufs Eis"

Eigentlich üben Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und Wasserwacht jedes Jahr um diese Zeit die Eisrettung. Doch heuer ist alles anders. Die Gefahren bestehen aber weiterhin.

In den vergangenen Jahren übten DLRG und Wasserwacht die Eisrettung gemeinsam. Heuer gibt es wegen der Pandemie keine Möglichkeit dazu.
von Andreas Brückmann (brü)Profil

In den vergangenen Nächten hat der Frost auch auf den Weihern im Landkreis Amberg-Sulzbach Eisflächen entstehen lassen. Aber Vorsicht: Sie sind trügerisch und noch nicht tragfähig, sagt der Amberger DLRG-Ortsvorsitzende Gerhard Schottenheim: "Die einfachste Regel: Eisflächen auf Gewässern sollte man überhaupt nicht betreten. Die winterliche Natur lässt sich auch am sicheren Ufer genießen." Mit den sechs Schnelleinsatzgruppen (SEG) der Wasserwacht im Landkreis übten die DLRG-Mitglieder in den vergangenen Jahren immer um diese Zeit die Eisrettung im großen Rahmen. In diesem Jahr aber fallen die Übungen aufgrund der Pandemie sprichwörtlich ins Wasser. Trotzdem wollen die Verantwortlichen der Rettungsorganisationen erneut über die Gefahren beim Betreten der frei zugänglichen Eisflächen informieren.

Dies wurde bereits durch das Aufstellen von Hinweisschildern an den zahlreichen Gewässern quer durch den Landkreis bewerkstelligt. Daniel Weidner, stellvertretender Vorsitzender der Kreiswasserwacht Amberg-Sulzbach, informiert: "Auf dem Eisregel-Poster sollen die vier ersten Zeichnungen darstellen, dass das Eis dicker sein muss, je mehr Personen sich darauf befinden. Auf die Angabe in Zentimeter wurde bewusst verzichtet, da das eh niemand messen kann, wenn er vor dem Weiher steht. Hier kann man sich an erfahrenen Ortskundigen orientieren."

Die Schilder stehen unter anderem in Hahnbach am Gemeindeweiher, am Moosweiher und am Mühlweiher in Hirschau sowie am Schlichter Freizeitweiher. Ergänzend fügt Weidner hinzu: "Ich habe noch zwei Besonderheiten bei den Weihern: Der Badeweiher Atzmannsricht wurde in diesem Winter nicht abgelassen und könnte gegebenenfalls genutzt werden. Und dann noch der Haidweiher bei Kümmersbruck: Obwohl der Weiher gesperrt ist, wird er stets rege von Schlittschuhfahrern genutzt." Weidner weiter: "Bei uns werden die Schlittschuh-Weiher nicht von den Kommunen freigegeben. Daher ist das Betreten immer auf eigene Gefahr." Zudem gelten die entsprechenden Kontaktbeschränkungen.

Die von der Wasserwacht aufgestellten Hinweistafeln stehen an vielen Weihern im Landkreis, wie hier in Hahnbach am Gemeindeweiher.

Christine Hollederer, Pressesprecherin am Landratsamt Amberg-Sulzbach, weist in diesem Zusammenhang auf die Regeln hin: "Ein Eishockeymatch mit Freunden auf einem zugefrorenen Weiher ist aktuell nicht erlaubt. Hier läge ein Verstoß gegen Paragraf 4 der 11. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vor, der Kontaktbeschränkungen vorsieht." Zudem sei vorgegeben, dass Individualsport nur unter Beachtung der Kontaktbeschränkungen ausgeübt werden darf. Die Ausübung von Teamsportarten sei untersagt.

Dies betonen auch DLRG-Chef Gerhard Schottenheim und Daniel Weidner von der Wasserwacht: "Und immer gilt: Die Pandemie eindämmen - auch am See keine Ansammlungen von Menschen bilden!" Gerade in den Zeiten der Pandemie appellieren sie, bei der Freizeitnutzung der Eisflächen auf Abstände zu achten. "Szenen wie in den Skigebieten müssen vermieden werden", macht Weidner deutlich.

Ob es im Landkreis in nächster Zeit überhaupt möglich sein wird, sicher die Weiher zu betreten, weiß Weidner nicht: "Gerade am Ufer und bei Zuflüssen friert das Eis am langsamsten zu. Hier besteht besonderes Risiko." Bei Fließgewässern wie der Vils sei das genau umgekehrt: "Hier ist das Eis in der Mitte am dünnsten." Ob es in den nächsten Wochen kalt genug wird, um eine ausreichende Eisdecke auf den Weihern zu bekommen, müsse bezweifelt werden: "Es fehlt noch eine ordentliche Frostperiode."

Tipps für Hundebesitzer

Nehmen Sie Ihren Hund in der Nähe von Gewässern auf jeden Fall an die Leine. Lassen Sie ihn nicht auf das Eis laufen. Ist er trotzdem aufs Eis gelaufen, so rufen Sie ihn zurück und entfernen Sie sich vom Ufer, damit er ihnen folgt. Wenn Ihr Hund eingebrochen ist, gehen Sie nicht aufs Eis, um ihn zu retten. Eis, das einen Hund nicht trägt, trägt erst recht keinen Menschen. Rufen Sie Rettungskräfte mit geeigneter Ausrüstung über den Notruf 112.

Wissenswertes über das Eis

Dunkle Stellen im Eis bedeuten eine besonders dünne Eisschicht: Über fließendem Wasser wächst die Eisschicht langsamer als auf stehendem. Daher besteht besondere Gefahr an Zu- und Abflüssen von Seen und an Quellen im See, die Strömungen verursachen; ebenso an bewachsenen Uferstellen. Eine Schneeschicht auf dem Eis verhindert zusätzlich das Anwachsen der Eisschicht. Ein Knistern oder Knacken beim Betreten ist ein letzter Hinweis dafür, dass die Tragkraft des Eises nicht ausreicht.

Grundsätzlich gilt

Gehen Sie nur aufs Eis, wenn Sie ganz sicher sind, dass es trägt. Bedenken Sie, dass die Eisfläche unterschiedliche Stärken haben kann. Respektieren Sie Warnhinweise und informieren Sie sich über spezielle örtliche Gegebenheiten. Lassen Sie Kinder nur zusammen mit mindestens einem Erwachsenen aufs Eis. Bevor Sie sich aufs Eis wagen, schauen Sie sich nach geeigneten Rettungsmitteln um, zum Beispiel Stangen oder Ästen, und legen Sie diese gut sichtbar an einem sicheren Platz bereit. Auch ein umgedrehter Schlitten ist geeignet.

Wenn das Eis bricht

Es verbleibt nicht viel Zeit, um sich selbst aus dem frostigen Wasser auf die Eisfläche zu retten. Binnen weniger Minuten tritt eine Unterkühlung ein. Das eiskalte Wasser verursacht starke Schmerzen, und die Kräfte schwinden schnell. Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und Panik zu vermeiden. Machen Sie auf sich aufmerksam: Rufen Sie laut um Hilfe, damit Passanten Sie bemerken und den Notruf (112) absetzen können. Breiten Sie die Arme über der Oberfläche der Eisfläche aus. Versuchen Sie, sich langsam flach auf die Eisfläche zu schieben und kriechend das Ufer zu erreichen. Vermeiden Sie unter allen Umständen, unter das Eis zu geraten.

Selbst zum Helfer werden

Wenn Sie sehen, dass jemand eingebrochen ist, rufen Sie laut um Hilfe, damit andere Personen Sie unterstützen. Wichtig ist, sofort den Notruf abzusetzen (112). Alle weiteren Personen vom Eis winken, sie sollen sich von der Einbruchstelle im Liegen wegbewegen. Wenn möglich, sollten Sie die Eisfläche nicht betreten, sondern vom Ufer aus Rettungsmittel reichen. Gelingt es dem Verunglückten nicht, sich so an Land zu ziehen, muss der Retter ihm auf dem Eis zu Hilfe kommen. Bevor Sie die Eisfläche betreten, lassen Sie sich von anderen Personen auf alle Fälle sichern. Zum Beispiel durch eine Leine. Sprechen Sie dem Verunfallten Mut zu. Sagen Sie ihm, dass Hilfe unterwegs ist und er ruhig bleiben soll. Nähern Sie sich der Einbruchstelle nur flach auf dem Eis liegend und benutzen Sie die erwähnten Hilfsmittel.

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